Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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Artur Segal,

Bootshafen auf Bornholm.

Small Port on Bornholm.

Petit port sur l'ile de Bornholm

Es muß wohl auf den, der als „notiert" gelten will, ein bestimmtes ein- Nachwort der Redaktion. Will Grohmann hatte uns zu seinem Aufsatz ein groß-

prägsames Adjektiv passen, SO daß, wenn der Name fällt, der Gesprächs- artiges Abbildungsmaterial Ubersandt, in welchem Artur Segal mit mehreren Foto-

, , . ... .,. , .. , , , ,, , „ grafien vertreten war. Leider mußte die Auswahl, für welche nur die Schriftleitung

partner schon das richtige Adjektiv dazuwerfen kann. Und es muß das . ... . . . . , ■ •_,<. , „•, • , u »n)

r 3 ' •** • • verantwortlich ist, sehr rigoros sein und Segal mit vielen anderen ubergehen. Wir

irgendeine Eigenschaft sein... sie kann am Alleräußerlichsten haften..., hoffen, in späteren Publikationen diese Lücken langsam füllen zu können. Gtr.
die gesellschaftlich-romantisiert werden kann. „Ja, der..." — und jeder

ist im Bilde. Nur eines entzieht sich ziemlich ganz der gesellschaftlichen Die Aufhebung des Bauhauses

Romantisierung: die sachliche Arbeit. Am 22. August 1932 hat der Gemeinderat von Dessau einen Antrag der

Der Dichter Herrmann Essig hatte dieses Stigma des Außenseiters. Als nationalsozialistischen Fraktion angenommen, wonach auf 1. Oktober 1932

von 12 veröffentlichten Dramen ... eines immer schöner als das andere ... das Bauhaus geschlossen und allen Lehrern gekündigt werden soll. Der

trotz aller Kleistpreise kaum eines auf die Bühne kam, wollte er in seiner Beratung vorausgegangen war ein Gutachten von Schultze-Naumburg

Verzweiflung den Namen ablegen. Er glaubte steif und fest, es sei bei über die Arbeiten des Bauhauses. Man kann sich leicht vorstellen, wie

ihm der Name Essig, der ihn „unmöglich mache". es gelautet hat! Daß für den Antrag die Nationalsozialisten und vier

Wenn ich passieren lasse, was deutsche Museen in den letzten 20 Jahren bürgerliche Mitglieder gestimmt haben, wird niemanden erstaunen, der

an moderner Kunst gekauft haben, so komme ich — mag man zu dem die gespannte Atmosphäre in Deutschland kennt, daß aber die Sozial-

Resultat so oder so stehen — zu der Feststellung, daß mit wenigen rühm- demokraten sich der Stimme enthielten, also indirekt die Aufhebung er-

lichen Ausnahmen ein merkwürdiger und sehr anfechtbarer Urteils- möglichten, verdient als besonderes Symptom festgehalten zu werden.

Schematismus vorliegt. Eine Zeitlang war es vom Rhein bis zum Pegel Indessen — unabhängig von aller Parteipolitik — interessiert uns hier

das Trio Heckel, Kirchner, Pechstein, das überall gekauft wurde. Die drei die prinzipielle Seite der Angelegenheit. Und dazu ist folgendes

gehören gar nicht so eng zusammen, aber das war halt so die Parole. zu sagen.

Ich behaupte, daß es eine ganze Reihe von Bildern in all diesen Jahren Es gehört zu den grotesken Unmöglichkeiten der heutigen kulturellen

gab, die besser, wichtiger, substanzieller waren, als ein gewisser Teil Situation, daß das Bauhaus unter aktiver und passiver Mitwirkung der-

dieser Heckels, dieser Pechsteins, dieser Kirchner. Diese besseren wur- jenigen Parteien aufgelöst werden konnte, die sich selbst als sozial, ja

den nicht erworben... warum nicht? Weil die anderen Museen sie auch als proletarisch bezeichnen. Denn es steht außer aller Frage, daß das

nicht führten. „Wer da hat, dem wird gegeben werden .. ." Die anderen Bauhaus Dessau weit und breit die einzige Kunstschule war, die gerade

— müssen wohl „darauf verzichten, Zeitgenosse zu sein". mit den Postulaten einer sozialen Kunsterziehung, einer kunstpädagogi-

Dies ist kein Vorwurf gegen Grohmanns ausgezeichneten Aufsatz; es ist sehen Reform auf Grund der heutigen wirtschaftlichen Verhältnisse Ernst

ein kritischer Versuch über die letzten Endes doch wohl soziologischen machte, während fast alle anderen Kunstschulen ein Gewerbe groß-

Grenzen unserer Unfehlbarkeit. Adolf Behne ziehen, dem heute längst jeder tragfähige Boden fehlt! Die „Kommu-

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