Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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jektverfasser hatten die Aufgabe, organische Rayons vorzusehen, in
der Weise, daß zwischen Arbeits- und Wohnstätte kürzeste Wege ent-
stehen.

a) Brigade May schlägt vor, die bei ihm dezentralisierten Wohnrayons
von je 100 000 Bewohnern durch ein System von Schnellbahnen mit
den Arbeitsplätzen zu verbinden.

b) Brigade Kurt Meyer projektiert sternförmig vom Zentrum aus-
gehende Grünflächen, so daß organische Sektoren von verschiede-
ner Größe entstehen würden.

c) Brigade Hannes Meyer versucht, die Kulturpark-Massive zu Zentren
mehrerer Rayons zu machen. Das alte Moskau würde danach in
sieben organische Rayons aufgelöst, die mit ihren eigenen Indu-
strie- und Kulturpark-Massiven ausgestattet sind, und deren neue
Rayon-Zentren durch den Boulevard B-Ring als Verkehrsring ver-
bunden würden. Jedem Rayon (18 im ganzen) wird sodann eine
Aufgaben-Gruppe zugeteilt durch Verbindung mit einem der in
Moskau lokalisierten Zentralinstitute. Größe der Rayons bei diesem
Projekt: zwischen 180—300 000 Einwohner.

Nachwort der Schriftleitung

Die vorstehenden Ausführungen wurden von uns rein referierend zu-
sammengestellt auf Grund der Angaben der Projekt-Verfasser sowie

Ausstellungen, Kongresse

Werkbund-Ausstellung „Deutsches Holx für Hausbau und Wohnung"
Stuttgart 1953

Dieses außerordentlich begrüßenswerte Unternehmen der württem-
bergischen Arbeitsgemeinschaft des Deutschen Werkbunds wird wie-
derum von deren Geschäftsstelle (Leiter Gustaf Stotz) durchgeführt
und der große Erfolg der früheren Veranstaltungen, denen Stuttgart
nicht zuletzt seinen steigenden Fremdenverkehr verdankt, läßt er
warten, daß auch diese Ausstellung einen wesentlichen Beitrag zu der
wichtigen Frage der Verwendung des Holzes im Hausbau bringen wird.
Drei Ausschüsse arbeiten zur Zeit an der Vorbereitung der Schau, die
grundsätzlich allen Interessenten zur Beschickung offensteht.
Die Ausstellung gliedert sich in folgende Teile:

a) Dauerbauten: eine Siedlung von Eigenheimen, die nach Schluß
der Ausstellung bestehen bleibt.

b) Ausstellungsbauten: Lauben, Wochenendhäuser, Sommer-
häuser, Klubhäuser.

c) Einrichtung: Hausrat für die erstellten Bauten.

d) P I a n - und Modell-Ausstellung: Beteiligung nur auf Ein-
ladung hin.

Anfragen sind zu richten an die Geschäftsstelle Tagblatt-Turmhaus,
12. Stock, Stuttgart.

Die Triennale in Mailand

Diese 5. Internationale Ausstellung für dekorative
und angewandte Kunst, welche dieses Mal durch eine Ab-
teilung für moderne Architektur erweitert wird, findet
zum ersten Male in Mailand statt, nachdem sie seit dem Kriege vier-
mal in dem großen Schloß von Monza durchgeführt worden war.
Die Eröffnung ist für den Monat April vorgesehen, die Schließung
für S e p t e m b e r.

Die Ausstellung wird in einem neuen, eigens für diesen Zweck er-
bauten Gebäude untergebracht, und dieser Umstand, wie vor allem
die Verlegung nach Mailand, wird ihr gewiß einen großen Erfolg in
der interessierten Fachwelt und beim Publikum sichern.

einer Unterhaltung mit Hannes Meyer. Wir betrachten diese drei Pro-
jekte, bei denen in einer überaus interessanten Weise westeuropäische
Vorstellungen mit den neuen russichen Anschauungen zusammen-
fließen, als sehr wertvolle Beiträge zu der heute so leidenschaftlich
geführten Diskussion um die Frage der sozialistischen Stadt, des Stadt-
land-Problems etc. Die Knappheit des Raumes hat uns leider genötigt,
nur wenige Bilder zu geben und aus ihnen nur wenige Einzelheiten
herauszugreifen. Aus diesem Grunde enthalten wir uns auch jeder
Aeußerung zu den einzelnen Lösungen. Wir nehmen an, daß der Inter-
nationale Kongreß für Neues Bauen, der nun beschlossene Sache ist
(1.—10. Juni in Moskau), sich gerade mit dem Problem Groß-Moskau
eingehend beschäftigen und bei dieser Gelegenheit sein schon etwas
überholtes Schlagwort von der „funktionellen Stadt" gründlich revi-
dieren wird. Zum mindesten wird es angesichts dieser Projekte und
ihrer ideologischen Begründungen nicht länger angehen, von „funktio-
neller Stadt" zu sprechen, ohne die weltanschauliche Basis dieser Funk-
tion ganz klar zu umschreiben!

Die „neue Stadt" wird zu diesem ganzen Fragenkomplex erst dann
Stellung nehmen, wenn auch die vier russischen Projekte für Groß-
Moskau in ausreichenden Publikationen vorliegen. Einstweilen unter-
breitet sie diese drei russisch-deutschen Arbeiten als Studienmaterial
ihrem Leserkreis. Gtr.

Obwohl das Reglement ausdrücklich vorsieht, daß z. B. in der Abteilung
Moderne Architektur nur solche Werke aufgenommen werden sollen,
welche „typische Manifestationen des neuen Bauens" sind, so wird
diese erfreuliche Bestimmung dadurch illusorisch gemacht, daß die Ein-
ladungen zur Beteiligung ausschließlich an die Regierungen der ein-
zelnen Staaten gerichtet werden, die dann ihrerseits ihren Apparat in
Bewegung setzen und naturgemäß die Auswahl nach ganz verschiede-
nen Gesichtspunkten treffen.

Ein besonderes Interesse darf dieses Mal die italienische Ab-
teilung für sich beanspruchen. Was in Monza bisher gefehlt hat,
eine Darstellung der neuen Tendenzen in der italienischen Architektur,
das wird in Mailand geboten werden. Die Architekten Griffini und
Bottoni werden einen Typus einer Casa popolare ausstellen, dazu, mit
Faludi zusammen, fünf kleine Hausbauten. Figini und Pollini errichten
ebenfalls ein Haus, desgleichen Terragni etc. So wird eine interessante
Dokumentation der jüngsten italienischen Tendenzen geboten werden.
Adresse für Anfragen: Via Moscova 17, Mailand.

Der Bund Das Neue Frankfurt

hat seit der letzten Mitteilung in Heft 8 verschiedene größere Veranstaltungen durch-
geführt. Am 4. Dezember sprach in seiner 6. Film-Matinee Prof. Moholy-Nagy
über „Neue Film-Experimente" und führte Bruchstücke aus eigenen
Filmen („Marseille") sowie die Versuche von Fischinger und Pfenninger und den
Sportfilm von Blum vor. Die 7. Film-Matinee vom 8. Januar mit der Frankfurter Erstauf-
führung von „Kuhle Wampe" hatte einen solchen Erfolg, daß die Aufführung
zweimal wiederholt werden mußte, am 14. und 21. Januar.

Die Vorträge begannen im neuen Jahr am 26. Januar. E r I k Reg e r sprach vor einem
sehr aufmerksamen Publikum über das Thema „Vom Oberbürgermeister zum General-
direktor".

Der Bund, dem im Laufe des Monats Januar ungefähr 20 neue Mitglieder beigetreten
sind, prüft gegenwärtig die Möglichkeit einer Film-Ausstellung, welche im
Anschluß an das vorliegende Heft der „neuen Stadt" die Film-Situation dieses Jahres
sowie die neuen Möglichkeiten des Schmalfilmes, mit Vorführungen, darstellen soll.
Er bittet Institutionen, Vereine etc., die eventuell diese Ausstellung später über-
nehmen würden, sich bei ihm zu melden.

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