Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Versteigerung der Disch'schen Sammlung.

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aus übertroffen von einigen Schalen und Basen in
farbigem und retikulirtem Glase, die ihren wirklich
italienischen Ursprung nicht verleugnen könnten. Die
Silberbechcr und Geschirre siud ausschließlich deutschen
Ursprungs, Augsburger und Nürnberger Arbeiten, größ-
tenteils von feiner Durchführung im Stile der aus-
klingcnden Renaissance, wie Wechter uud Zahn ihn ver-
treten. Ein paar Buckelbecher darunter, hochgetrieben,
imponiren durch ihre bemerkenswerte Größe. Ungleich
hervorragender sind die kirchlichen Silbergefäße, vor-
zugsweise Typen der rheinischen Goldschmiedetechnik;
ein Ostensorium in Form einer kleinen gotischen Mon-
stranz mit im Vierpaß entwickeltem, auffallend einfachen ^
Fuße, schlankem von einem zierlich gewundenen Nodus !
unterbrochenen Ständer, auf dem der schlank behelmte,
seitlich von zwei Prächtig entwickeltcn Strebepfeiler-
anlagen mit Fensteröffnungen und zierlichen Wasser-
speiern umschlossene Krystallcylinder ruht, sowie ein
Kelch mit in gotischem Maßwerk zart durchbrochenem
Kuaufe auf sächersörmigen, im verschobenen Sechspasse
entwickelten Fuße mit rautenförmigen Durchbrechungen
und einer unilaufenden Minuskelumschrist, überragt
von einer reliefirten Kreuzigiingsdarstellung mit zwei j
HanSmarken, gehören zu dem Besseren, was der
Privatbesitz auf diesem Gebiete aufweisen dürfte.

Die Plastik in Stein, Holz und Elfenbein, in
einigen hundert Gegenständen dargeboten, wird am
glänzendsten und zwar gerade in der reizvollen Eigen-
art der rheinischen Kunstschule vertreten durch ein un-
vergleichlich dnrchgeführtes Fragment einer kirchlichen
Architektur, welches unter zwei zartgeglicderten gotischen
Baldachinen die Standbildchen der heil. Agnes und
der heil. Dorothea zeigt und dem abgerissenen Sakra-
mentshäuschen des Kölner Domes cntstammen soll.
Einer mehr zurückliegenden Periode der Kvlner Bild-
schnitzerei gehört xine samt der Originalkonsole in Eichen-
holz gearbeitete Madonnenstatuette mit Kind an, in
der sich lebensvolle Natürlichkeit mit der vollkomnienen
Behertschung der strengen Art gotischer Gewand-
behandlung auss glücklichste vereinigen. Auch eine
derselben Zeitperiode zuzuschreibende kleine Elfenbein-
statuette, eine Madonna mit gefaltenen Händen, darf
hier nicht übergangen werden. Nicht minder hervor-
ragend kommt die Technik des Flachreliefs, wie sie im
Anfange des 16. Jahrhunderts burgundische Künstler,
angezogen durch zwei Prinzessinnen ihres Landes, welche
von klevischen Herzögen als Gemahlinnen heimgeführt
wurden, am Niederrhein gepslegt haben, hier zur Er-
scheinung. Es sind neun, zum Teil fragmentirte ob-
longe Füllungen und zwei kandelaberförmig entwickelte
Ständer, insgesammt Teile eines Himmelbettes, welche
eine Ornamentation von zartgestengeltem Laubwerk
mit sigürlichen Endigungen als Umrahmung vortreten-

der Büsten im Stile südfranzösischer Renaissance tragen,
die in der Reinheit des Schnittes sowohl, wie in dem
phantastischen Zuge der Konzeption den schönstcn Vor-
bildern gleichkommt. Vor den etagenweise mit ge-
schliffenen Gläsern und gebrannten Scheiben garnirten
Fenstern scsseln den Liebhaber noch cinige Flachkasten
init Majolikatellern (darunter einer mit dem Raube der
Proserpina, dem Meister Giorgio zugeschrieben), mit
Miniaturen und Arbeiten der Kleinkunst. Bei den
letzteren liegt eine schweizer Dolchscheide mit zwei Oval-
rcliefs und einer Maskenendigung in ciselirtcr Gold-
bronze, welche in der Zeichnung auf die Holbeinschen
Vorwürfe zu Prunkwaffen hinweist. Außerdem dürfte
hier noch genannt werden ein Halskragen in vergol-
detem Kupferblech, eine Schlacht mit Reiterfiguren in
Le BrunscherManier in hochgetriebener Arbeit darstellend.

Wenden wir uns darnach dem folgenden Zimmer
zu, so sind hier die minderwertigen Gobelins durch
prächtige Spiegel mit geschnitzten Rahmen und Auf-
sätzen, welche bei zweien von aglomerirten Blumen-
bordüren und Medaillons durchgesetzt werden, sowie eine
Reihe guter Kostümporträts mit weiser Berechnung
bedeckt. Den kostbarsten Wandschmiick bildet unstreitig
ein kleines Jnterieur von Antony Palamedes, von deli-
katester Ausführung und fraglos zu den besten Arbei-
ten des Meisters gehörend. An einem mit Gläsern und
Speisen besetzten Tische sitzt rechts ein musizirendes
Paar, der Herr mit der Geige, die Dame mit dcr
Laute; ihrem Spiele lauscht ein reichgekleideter Kava-
lier, aus einer irdenen Pfeife rauchend. Derselbe
bildet, das Gesicht dem Beschaucr zugewandt, dieHaupt-
figur der ganzen Komposition. Jm Hintergrunde ge-
wahrt mau eine weitere Gruppe von sieben Figuren
im Kostüme des 17. Jahrhunderts. Aus dcm zahl-
reichen Renaissancemobiliar des Raumes stechen her-
vor zwei Stollenschränke in Erkerform, der eine mit
Heiligenfiguren, der andere mit Holbeinlaubwerk, sowic
ein prächtiges Himmelbett in Eichenholz mit Skulp-
turen der spätern Renaissance. Anch hier bilden
zahlreiche Geräte, dem kirchlichen oder weltlichen Ge-
brauche dienend, den Schmuck der Schränke. Ein Re-
liguienschrein in Sarkophagform mit Engelsiguren in
medaillonartiger Grubenschmelzumrahmung auf den
Langseiten des Kastens wie des Deckels und emaillirten
Wappenschilden auf den Giebelfeldern des letzteren,
sowie auf beiden vorderen Füßen, ferner ein Altarkreuz
mit achtpaßförmigen Ausläufen, in denen gravirte Brust-
bilder der Evangelisten eingelassen sind, aufsteigend aus
einem ihm angepaßten aber der Zeit entsprechenden
hohen, mit Kabochons besetzten und auf sechs Tierklanen
ruhenden Fuße, endlich eine turmförmige Renaissance-
Standuhr in Goldbraun, an den von vier Pilastern flan-
kirten Seiten mit figürlichen, heraldischen und ornamen-
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