Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Kunstlitteratur. — Satnmlungen und Äussteltungen.

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hior siud sie Fremdlinge; sie ivvllcu uicht iiu Berein
>nit ihren alten Vvrgäugern das Gedäude zieren, als
dieuende Glieder einem Ganzen nnterstehcn, svndern
herrschen, alle Aufmerksamkcit absvrbircn.

(Schluß folgt.)

Aunstlitteratur.

» Katalog dcr Skulptnrcn zu Athc». Unter diesem
Titel ist oon Prof. Or. Ludwig von Sybel in Marburg,
einem Sohne des berühmtsn Historikers (bekannt durch
feine „Mythologie derJlias" und mehrerekleinearchaologische
Abhandlnngen), ein gedrängtes Verzeichnis dcr iill den
Muscen und an den öffentlichen Ortcn Athens vorhandenen
antiken Skulpturen erschienen (Elwerts Verlag in Marburg,
XXIV und 45!» S. 8.). Ansgeschlossen sind die Privat-
sammlungcn und die an dcn Straßemvnnden eingcniauerten
Stücke. Alles übrige sindet sich sorgfältig verzeichnet und
wir erhnlten damit eine längst erwünschte Übersicht über
die vislcn Tausende zum Teil versteckter, an den ver-
schiedensten Orten verstreut aufbewahrter Altertnmer, welche
die Hauptstadt Griechenlands in sich birgt. Die Faffung
des Verzeichnisses ist mit Rücksicht auf die Masse des
Materials eine sehr gedrängte, doch sucht der gelehrte Ver-
fasser sich stets iwer die bloße Nomenklatur zu erheben und
hilst sich nndererseits durch zahlreiche, dem größeren Publi-
kum sreilich nicht leicht verständliche Nbkürzungen, deren
Schlüssel nebst dem System der ganzen Beschreibung im
Vorwort angegeben wird. Hinzugsfugt ist ein epigraphischer
Jndey. Sonstige Register fehlen und waren allerdings wohl
zu umsangreich gcworden.

Sammlungen und Ausstellungen.

Oä. Bcrliner Kunstgewerbcmuseum. Ncbenden demGrafen
von Fürstenberg-Herdringen gehörigen Silberarbeiten des
Anton Eisenhoit präsentirt sich imSilberzimmer desKunst-
gewerbemuseums jetzt noch ein weiteres Werk des seltenen
Meisters in einergleichfalls dem Original getreu entsprechenden,
von D. Vollgold u. Söhne mit gewohnter Tresflichkeit aus-
geführten galvanoplastischen Nachbildnng, deren Herstellung
der gegenwärtige Bssitzer, Freiherr von Fürstenberg-Borbeck
zu Hugenport, in liberalster Weise gestattete. Es' ist eine
etwa handgroße silbervergoldete Pax (Kußtafel), die nr-
sprünglich gleich den übrigen Stücken zu der von dein Fürst-
bischof Theodor von Paderborn gestifteteten Altarausrüstung
der Kapelle auf dem Schnellenberge gehörte. Jn einer ornn-
mental umrahmten Rundbogennische, die von eineni konsol-
artigen Untersntz getrngen wird, während eine in zierliche
Fialen auslaufende gotische Architektur ihren oberen Ab-
schlnß bildet, thront iin bischöflichen Ornat, dcn Bischofsstab
mit der erhobenen Linken nmfassend, dfe Gestalt des heiligen
Liborius, als solche durch die Buchstaben 8. O. (Lnnetus
Oiborins) auf den beiden seitlich vorspringenden Postamenten
bezeichnet, auf welchen sich graziöS bewegte Putten empor-
schwingen. Diese Figuren 'ebenso wie das Ornament mit
seinen phantastischen, in derselben Bildung auf den beiden
silbernen Bucheinbänden des Meisters wiederkehrenden Tier-
gestalten, die auf dem unteren Konsol eine mit einem
farbigen Stein besetzte Kartusche einfassen und fich zu beiden
Seiten des oberen Rundbvgens in die durch ebenfalls aus-
gesetzte Steine gebildeten Zwickelfelder einschmiegen, würden
über den Urheber der Arbeit auch dann keinen Zweifel
lnssen, wenn die Rückseite der Kußtafcl nicht noch weitere
Beweise für diese Herkunft dnrböte. Znmitten der mit seinem
Rankenwerk gravirten verschiebbaren Platte, die das Reliquien-
kästchen verschließt, ist hier nämlich die Medaille des Fürst-
bischofs Theodor von Fürstenberg mit dcm Wappen desselben
eingefügt; über dem oberen Ansatz des als Handgriff dienenden
Bügels aber erblickt man denselben Cherubskopf mit ge-
schloffenen Augen und leise geössnetem, schmerzersülltem
Munde, der in der Einbanddecke des Eisenhoitschen Ponti-
ficale zu den Eckbeschlägen benutzt ist.

o. Drcsdcncr Aka-cmic. Am 15. Mai fniid dis Er-
ösfnung der von der k. Akademie der bild. Künste all-
jährlich veranstalteten Kunstausstellung statt, und zwar
wurde letztere diesmal, in Abwesenheit Sr. Majestät des
Königs, von Sr. k. Hoheit dcm Prinzen Georg eröffnet. Die
Ausstellung enthält, nach dem Kataloge, 382 Gegenstände,
über welche ausführlicher zu berichten wir uns vorbehalten.
Der Katalog bringt in seinem Vorworte akademische Nach-
richten, wie Mitteilungen über die vorjährige Ausstellung.
Den ersteren Nachrichten entnehmen wir, ' daß Friedrich
Preller als Vorstand des Ateliers für Landschastsmälerei
ünter gleichzeitiger ErnenNuüg zum Mitgliede dqs akadeiiiischeü
Rates mit dem Prädikate als Professor angestellt iiK ösiii
bisherigen Leiter des Landschaftsunterrichts, Paul Mohn,
die Stelle des Klaffenlehrers der Landschaftsmalerei, eben-
falls mit dem Prädikate als Professor, übertragen worden
ist. Prof. Leon Pohle wurde Mitglied des akadcmischen
Rates. Unter den zu Ehrenmitgliedern der Akademie er-
nannten Künstlern finden wir, außer den bereits in Nr. 29
der ,,Kunst-Chronik" mitgcteilten einheimischen Künstlern,
noch den Bildhauer Prof. Albert Wolff in Berlin aufge-
führt. Die Schülerzahl der Akademie betrug im Winter-
halbjahr I88N/81: 117, im Sommerhalbjahr 1881: 12-1. Von
der Gesamtzahl der Schüler im Sommerhalbjahr 1881 sind
84 aus dem Königreich Sachsen,,, 33 ans anderen Ländern
des deutschen Reiches und 7 aus Üsterreich, England, Schweiz
iilid Amerika. WaS dis Kunstausstellnng des Jahres 188n
betrifft, so zählte diesclbe 359 Kunstwerks, welche von 247
Ausstellern, darunter 27 Damen, hcrrührten. Jnländische
Aussteller befanden sich darnnter IIN; von den übrigen 137
Ausstellern kamen auf München 52, auf Weimar 22, Berlin 2N,
Dusseldorf 13, Hamburg 5, Stuttgart 4, Wien 4, Karls-
ruhe 3, Amsterdam, Baden-Baden, Berka, Budapest, Frank-
furt, Freiburg, Gremsmühlen, Hannover, Lyon, Nürnberg,
Roisdorf, Rom, Schweinitz und Tölz je 1. Dem Material
der Ausführung nach zerfielen die 359 Ausstellungsnummern
in 230 Ölgemälde, 27 Skulpturen und 14 architektonische
Entwürfe, während die iibrigen Nummern ans Aqunrcllc-
und Gouachemalereien, Zeichnungen und Arbeiten der ver-
vielfältigenden Künste bestanden. Bezüqlich des Gegenstandes
der Darstellung sei nur bcmerkt, dnß sich unter den 350
Nummern allein 154 Landschaften befanden. Dic Summe
der gegen Feucrsgefahr versicherten Kunstwerke belief sich
auf Mloooo Mk. Verkauft wurden 45 Kunstwerke, also
12,5"/,,. Der Gesamterlös betrug 57 382 Mk. 21 Stücke
wurden für 16 030 Mk. von dem sächsischen Kunstvereine er-
worbon, 1 Stück ward für 900 Mk. von der Gencraldirektion
der königlichen Sammlungsn angekauft, ebenso 2 Stücke für
25000 Mk. durch die Pröll-Heuer-Stiftung, 21 Stücke für
15 452 Mk. kamen an Private. Die verkauften Kunstwerke
rührten her von 36 Künstlern und 5 Künstlerinnen, wovon
20 in und bei Drcsdsn, 12 in München, 2 in Berlin, je 1
in Berka, Düsseldorf, Hainburg, Nürnberg,Stuttgart, Weimar
und Wien. Änlangend den Besuch der Ausstellung, so ist
zu crwähncn, daß während der 65 Nusstellungstage 10 769
EintrittSkarten vcrkauft wurden. Von dem Kataloge fanden
1665 Exemplare Absatz. DieGesamteinnahme betrug 45K7Mk.,
die Gesamtausgabe 4275 Mk.

§ Dic italicnische National-Ausstcttung in Mailan-
wurde am 5. Mai dnrch König Humbert feierlich eröffnet.
Sie ist nach den uns zukommenden vorläufigen Berichtsn
über nlles Erwnrten gut ausgefallen und soll vornehmlich
in Bezug auf Geschmack und Eleganz der Äufstellung alles
bisher Geleistete übertreffen. Wie alle größeren Äiisstellungen
der Neuzeit umfaßt sie das ganze Gebiet der Jndustrie, der
Landwirtschaft, des Maschinenwesens, nebst Abteilungen sür
die Geschjchte der Arbeit, das Erziehungswesen, die bilden-
den Künste n. s. w. Über die letzteren', welche sowohl die
Gegenwart als einzelne Gebiete der Vergangenheit repräsen-
tiren, werden wir demnächst spezielle Aufsätze bringen.
Nnter den verschiedenen Zweigen der italienischen Jndustrie
sollen vorzugsweise die Kunsttischlerei, der Glockenguß, die
Seidenweberei nnd die Wagenfabrikation durch Reichtum und
Glanz der Ausstellung sich hervorthun. Wir gedenken auch
von der kunstindustriellen Seite des Unternehmens den
Lesern später ein Bild entwerfen zu können. Die Aus-
stellungskommisston hat einen „Oniäa, äsl Visitmtoro" mit
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