Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Nekrologe. — Konkurrenzen

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eme Sumpfgegend in Jrland, Twachmann einen
Dock in New-Aork und eine Gegend bei Cincinnati,
Palmer, Swain Gifford und Miller ebenfalls an-
ziehende Landschaften. George Jnneß ergeht sich in
Kontrastcn und zeigt sich hbchst ungleich in seinen
Bildern. Während eine dnnkle Felsengegend „Das
Ende des Sturmes" die Natnr in dnsterer Stimmung
zeigt, strahlt eine Frühlingslandschaft im grellsten, un-
möglichsten Grün und Blau. MancheS Schlechte hat
sich trotz der Kritik, die in betreff der Aufnahme ge-
übt wurde, denn doch eingeschwärzt, und man kann sich
sreuen, daß es eben nur wenig ist. Vor allen gehört
ein großes, figurenreiches Bild von Will Low unbe-
stritten in diese Kategorie, obgleich es bescheiden auf
2000 Dollars, folglich höher angesetzt ist als irgend ein
anderes Bild in der Ausstellung. Es trägt den Namen:
„Der Schiffer Jresvn" und der Gegenstand ist eincm
Gedicht von Whitticr entnommen. Es ist fehlcrhast
in der Zeichnung, hart in der Farbe und wirkt wider-
wärtig durch den Gegenstand, denn die Hauptfigur ist
ein Übelthäter, der für sein Vergehen geteert und ge-
sedert worden ist. Anch auf ein paar lächerliche Land-
schaften stößt man, von der Sorte, bei der ein dicker,
horizontaler gelber oder blaner Pinselstrich den Horizont,
ein zweiter hellgrünlicher den Hintergrund, ein dunklerer
den Vordergrund, ein Paar senkrechte Schmiere die
Bäume und einige runde nnd viereckige Kleckse proble-
matische menschliche und tierische Existenzen bedeuten
sollen. Dies Unwesen kommt bei manchen jungen
Malern gar nicht so selten vor, welche es damit den
besseren Künstler nachzuthun meinen, die zwar auch
gelegentlich einen Gegenstand mit wenigen Strichen an-
deuten, doch in solcher Weise, daß über Bedeutung und
Absicht kein Zweifel sein kann.

Herr Feuardent, der Ankläger von Cesnvla,
kann nicht ruhen, nicht die glänzende Rechtsertigung,
welche diesem geworden, noch seine eigene Niederlage
verschmerzen und fährt mit seinen boshaften, gistigen
Angrisfen fvrt, verdächtigt das Untersuchungskomitb und
die Angestellten, welche zu Cesnvla halten, vcröffent-
licht Photographien von cyprischcn Statuen, wie sie
— ihm zufolge — vor und nach der Restaurirung
ansgeschen haben sollen, bringt das Zeugnis von Ar-
beitern vor, welche bei der Restaurirung — eigentlich Fäl-
schung — gegenwärtig gewesen sein wollen und sucht
auf Cesnola den Verdacht zu werfen, dumme und
zwecklose anonyme Briefe geschrieben zu haben.
Wäre die Gemeinheit, die Bosheit und Gehässig-
keit, woraus alle diese Angriffe hervvrgehen, nicht
so empörend und widerwärtig, so wären sie einfach
lächerlich. Eigentlich beleidigt er nicht das Komitö,
sondern das ganze amerikanische Publikum, indem er
es als dumm genug hinstellt, um sich durch seine Be-

hauptungen Sand in die Augen streuen zu lassen.
Handclte sich's nm den ästhetischen Wert der cyprischen
Statuen, oder stände ihr Alter oder ihre allgemeine
Echtheit in Frage, so könnte ein spekulativer Betrüger
allenfalls Ursache zu Veränderungen haben, aber weder
Alter noch Echtheit werden selbst von Feuardent be-
zweifclt, sür ihre Schönheit oder Häßlichkcit ist Cesnola
nicht vcrantwvrtlich, und dennoch sollte er, der als
Jtaliener, wenn er des Altcrtums auch so unkundig
wäre, wie Herr Feuardent glauben machen will, doch
unter allen Umständen wissen muß, daß man heutzutage
die Spurcn des Alters an Kunstwerken nicht verdeckt und
versteckt haben will, ohne daß ein anderes Motiv denkbar
Wäre, als um seinen Statnen ein moderneres, glätteres
und geleckteres Ansehen zu verleihen, nicht allein meh-
rere davon wesentlich verändert haben, sondern in
diesem löblichen Geschäft noch immer fortfahren, und
im Museum, trotz der Gefahr der Entdeckung durch
seine Gehilsen, eine pcrmanente Flickwerkstätte halten,
in der Arme, Beine, Füße, Hände nnd Nasen an-
gefertigt würden, um alte steincrne Ägypter, Phönizier,
Griechen und Römer mit diesen nützlichen Körperteilen
zu versehen! 0. ^r.

Nekrologe.

8. v. 6. Edmnnd Tehner, ein begabter Genremaler der
realistischen Richtung, starb in Weimar am 21. Mai. Er
wurde am 20. November 18-iS zu Langensalza geboren und
erhielt seine künstlerische Bildung in Weimar hauptsächlich
unter Vaur. Die Motive, welche er malte, waren zumeist
humoristischer Art. Fast seine sämtlichen Bilder wurden in
illustrirten Zeitschriften reproduzirt, wodurch er ziemlich be-
kannt wurde. Sein letztes Bild, welches 1880 auf der Düssel-
dorfer Ausstellung viele Freunde fand, ist sein größtes und
auch in kllnstlerischer Beziehung das Beste, was er leistete.
Es betitelt sich: „Die Kapelle in Nöten" und zeigt sechs
Dorfmusiker, wie sie ratlos auf hochverschneiter Flur vor
einem hohen Wegweiser stehen. Mancher Besucher der Düssel-
dorfer Ausstellung wird sich des schönen, ansprechenden Bildes
noch erinneru. Jm letzten Winter machte Tetzner eine längere
Studienreise nach Jtalien. Bei seinem Fleiße brachte er
reiches Material mit heim, aber auch eine innere Erkältung,
welche er sich in Verona zugezogen hatte. Diese wurde bei
seiner schwächlichen Konstitution die llrsache seines frühen
Todes. Als Mensch war der Verstorbene allgemein geachtet
und beliebt. Kaum hatte er sich verlobt, als ihn der Tod
ereilte.

Aonkurrenzen.

It. 8. Koukurrcnzausschreibc». Die Kunstverlagshand-
lung Hildesheimer öe F-aulkuer in London hat 30 Preise
im Gesamtbetrage von 2000 Pfund Sterling (tOOOO Mk.)
für 30 der besten Serien Originalzeichnungcn und Gemälde
für kleine Weihnachts- und Neujahrskarten, (welche
in England beknnntlich allgemein gebräuchlich sind) ausge-
setzt, verpflichtet sich zugleich zur Auswahl von »och 70 Serren,
wslche sie mit je 25 und 20 Pfund bezahlen wül und hofft
durch die Künstlerschaft in den Stand gesetzt zu werde»,
außerdem noch Einkäufe imBetrage von wemgstensISOOPfund
machen zu können, so daß im ganzen einhunderttausend Mark
zur Verteilung kommen sollen. Preisrichter für Bestnnmung
der genannten 30 Preise find die Künstler W. P. Frith,
G. E. Millais, Marcus Stone und Edward Freeman in
London. Sämmtliche bis zum 26. Juli d. I. eingesendeten
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