Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Vermischte Nachrichten. — Vc»n Kunstmarkt.

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es sind darin Künstler aller Nationen vertreten und darunter
die nanihaftesten Meister. Die Ausstellungen sollen zweimal
jährlich stattfinden; es wird beabsichtigt, sie, wenn das
Unternehmen den gewünschten Anklang findet, auch in Liver-
pool und Glasgow abzuhalten. Frühere Versuche, dergleichen
Ausstellungen zu veranstalten, haben keinen großen Erfolg
gshabt, und seit 1875 hat in London keine mehr stattgefunden.
Die Versuche französischer und belgischer Künstler und Kunst-
händler, sich in England einen Markt zu schaffen, haben auch
wenig gefruchtet und die von Düsseldorf ausgehenden Be-
strebüngen, deutsche Kunstwerke in England einzusnhren,
sind längst aufgegeben. Die neue Gesellschaft will nun durch
ihre Ausstellungen einen internationalen Kunstmarkt für
England gründen, dessen Einflnß sich dann auch nach Amerika
ausdehnen wird. Bekanntlich hat die königlichs Akademie
in London, welche jährlich Ausstellungen veranstaltet, sehr
enge Statuten, sie schließt alle fremden Kunstwerke aus und
nimmt auch von den einheimischen nur eine so beschränkte
Anzahl auf, daß dis Zulassung schon äls ein Glück be-
trachtet wird. Diesem Übelstande soll nun durch die inter-
nationalen Ausstellungen abgeholfen werden. Als Direk-
toren stehen an der Spitze der Gesellschaft dis Herren
I. H. Gammon und E. I. Vaughan, eine Anzahl von
Künstlern sind zu Ehrenmitgliedern ernannt worden, die
an ihren Heimatsorten eins Art von Aufnahmekomitös
bilden; von deutschen Meistern sind vorläufig dabei: An-
dreas Achenbach, August Becker, I. W. Lindlau, L. Munthe,
E. Schulz, A. Sigert und Karl Sohn in Düsseldorf, Karl
Gussow in Berlin und A. Lier in München, die Zahl der-
selben wird jedoch noch vermehrt werden. Die Eröffnung
wurde mit einem großen Banket gefeiert, an welchem viele
hervorragende Psrsönlichkeiten, Mitglieder der hohen Aristo-
kratie und des Parlaments, Künstler und auch einige Akade-
miker teilnahmen. Den Vorsitz führte Lord Ronald Gower,
der ein tüchtiger Dilettant in der Bildhauerkunst ist. Reden
wurden gehalten und Toaste ausgebracht von verschiedenen
Gästen, unter anderen von Sir Garnet Wolseley und von
Kardinal Manning, der besonders lobend von dsr deutschen
Kunst sprach, von den englischen Malsrn Orchardson, Forbes-
Robcrtson und Ellis und von dem Deutschen Augnst Becker,
welcher als Präsident des Düsseldorfer Künstlervereins die
kontinentalen Künstler überhaupt vertrat. Es ist zu wiinschen,
daß das neugeschaffsne Jnstitut sich bewährs und der fest-
ländischen Kunst das reiche England erschließe, wo der Kunst-
sinn in den letzten Jahren einen bedeutsnden Aufschwung
genommen hat. (Köln. Ztg.)

Vermischte Nachrichten.

ss Die Eröffinmg der neuen Kuiisthalle zu Diisseldorf

ist jetzt auf den 3. Jüli endgiltig festgesetzt worden; gegen
Mittag welden die Künstlerschaft und die städtischen Be-
hörden vom Malkasten und vom Rathaus in geordnetem
Festzuge unter Musikbegleitung sich zur Kunsthalle begebcn;
dort werden Gesangsvorträge des städtischen Gesangvereins
und die Festreden unseres Oberbürgermeisters Becker und
des Vorsitzsnden des Vorstandes des Vsreins Düsseldorfer
Künstler, Maler August Becker, die Eröffnung feierlich be-
kunden. Nach einer Besichtigung der neuen Räume wird
ein Festessen in der Tonhalle stattfinden, dem sich am
Abend eins gesellige Vereinigung der Festgenossen im Mal-
kasten anschließen wird. Eins zahlreichs Beteiligung der
Künstler wie der Kunstfrennde ist zu erwarten.

Noch cinmal die Berlincr Nnbens-Nequisition. Die
„Post" veröffentlicht folgends Erklärung: „Gegenüber den
sich noch immer wiederholenden Angriffen gegen die Ver-
waltung der königlichen Gemäldegalerie wegen Ankaufs
des Bildes von Rubens aus der Sammlung Schönborn
in Wien sehen sich die unterzeichneten Künstler veranlaßt,
zu erklären, daß dieser Ankauf auf Grund eines einstimmigen
Beschlusses der Sachverständigen-Kommission der königlichen
Gemäldegalerie erfolgt ist. Diese Kommission, welche durch
den allerhöchsten Erlaß vom 13. November 1878 eingesetzt
ist und über sämtliche Ankäufe, Herstellung von Bildern ü.s.w.
zu beschließen hat, besteht autzer dem Direktor der königlichen
Galerie, Herrn vr. Julius Meyer, als Vorsitzenden, zur
Hälfte aus Künstlern, gegenwärtig den beiden Unterzeich-

neten, und außerdem aus den Herrcn Professor llr. Grimin
und Gshöimrat vr. Jordan. Vor dem Abschluß des An-
kaufs des fraglichen Bildes begab sich der unterzeichnete G.
Spangenbergfauf Beschlutz der Kommission in Begleitung
des Herrn Direktors Or. Meyer nach Wien, um das Bild
nochmals zu prüfen. Auf Grund dieser Untersuchung er-
folgte der Ankauf des Bildes, und dieser wurde, wis gesagt,
einstimmig von sämtlichen Mitgliedern der Sachverständigen-
Kommissiön bis zu dem Preise von 200 »00 Mk. beschlosfen.
Die Unterzeichneten sind von der Echtheit des Bildes über-
zeugt, halten die gegen dieselbe gerichteten Angriffe für unge-
rechtfertigt, sehen in dem Ankauf des Bildes vielmehr eine
wertvolle Bereicherung der königlichen Gemüldegalerie. Sie
bemerken außsrdem, daß der Direktor vr. Bode, gegen
welchen vielfach Angriffe wegen des Ankaufs gsrichtet worden
sind, bei demselben insofern nicht beteiligt ist, als derselbe
nicht Mitglied der Sachverstnndigen-Kommisstoii ist. Sie
halten sich, als die bei dem Ankaufe beteiligten Künstler,
zu dieser öffentlichen Erklürung um so mehr verpflichtet, als
die Angrisfe, die größtenteils aus Künstlerkreisen hervor-
gingen, einssitig gegen die Galerieverwaltung gerichtet wurden.
Professor Gustav Spangenberg, Mitglied der königlichen
Akademie der Künste. Professor Oskar Bega s, Mitglied der
königlichen Akademie der Künste. Berlin, den 8. Juni 1881."

U. 8. Niimberg. Am 3. Juni, als am Geburtstage
des Nurnberger Volksdichters, Flaschiiermeisters Konrad
Grübel (geb. 1736, gest. 1809) wurde, nach Ovationen an
dessen Grabe und vor seinem Wohnhause, ein klsines wür-
diges und künstlerisch vollendetes Ehrendenkmal mit ent-
sprechender Feierlichkeit, die sich zu einem wahren Volksfests
ausbildete, enthüllt. Dieses Denkmal, welches auf Kosten
des knrzlich gegründetsn „Kunstfonds" der Stadt Nürnberg
errichtet worden ist, besteht aus einer sehr charakteristisch
anfgesaßten und meisterhast durchgeführten Porträtstatuette
des Dichters im Kostüm seiner Zeit auf einem reich durch-
gebildeten Postament, welches an seinen vier Ecken mit
Nürnberger Charakterköpfen, wie Grübel sie geschildert hat,
an den beiden Seiten mit Reliefdarstellnngen aus seinen
Dichtungen, vorn mit der Dedikntionsinschrift und hinten
mit dem Nürnberger Wappen und den Nanien der ausfüh-
renden Künstler (Friedr. Wanderer als Ersinder des Gan-
zen, Nößner, welcher das Denkmal modellirt und Ch. Lenz,
welcher es in Bronze gegossen) versehen ist. Das Ganze
steht in einer Biunnenfchale und ist mit eiliem kunstvolleii
eisernen Gitter nmgeben. — Gelegentlich dieses Grübelfestes
hat die hiesige Buchhandlung Herdegen-Barbeck eine elegant
und künstlerisch ausgestattete kleine Schrift publizirt, welche
den Lebenslauf des Dichters, eine Charakteristik seiner Werke,
einige hervorragende Dichtungen desselben, ein Autograph
von ihm, einige auf ihn bezügliche Dichtungen und besonders
anch eine sehr gute Abbildung des Denkmals im ganzen
und seiner einzelnen Teile (nach Federzeichnnngen Wanderers)
enthält.

Vom Aunstmarkt.

Bei der Veisteigerung der Samiiilung Double in Paris

bildeten die beiden Gemälde von Jan van dsr Meer von
Delft, „Der Soldat und das lachende Mädchen" und „Der
Astronom" die Hailptgegenstünde des Jnteresses. Das erstere
(vergl. Zeitschrift II. Jahrg., S. 167) ivurde mit 88000, das
letztere mit 44000 Frcs. bezahlt. Von alten Niederländern
waren sonst noch befonders begehrt: Frans Hals' „Bild-
nis des Willem van Heythuysen" (30 000 Frcs.), Thomas
de Keyser's „Holländische Familie" (19000 Frcs.) und ein
Selbstbildnis von Rsmbrandt (23000 Frcs.) „Das Land-
müdchen" von Greuze wurde auf 21000 Frcs. getrieben.
Um die größtenteils dem Zeitalter Louis XV. und Louis XV i.
entstaminendsn Mobilien eiitspann sich ein lebhafter Wett-
kampf unter den Finanzbaronen. Zwei Sevresvasen (Vasen
von Fontenoy) erstand der Londoner Rothfchild sür
17000o Frcs., daS sog.Buffontafelservice kam auf 95 000 Frcs.,
einzelne Tassen auf 1200—5000 Frcs., ein Satz Möbels,
bestehend aus 2 Sophas, einem kleinen und 10 großen
Sesseln mit Gobelinbezügcn nach Zeichnungen von Boucher
auf l loooo Frcs., eine andere Gruppe von Möbeln mit
Gobelinsbezügen aus der Zeit Louis XIV. auf 100 000 Frcs.,
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