Kunstwart und Kulturwart — 36,1.1922-1923

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Den weg

Derr ichirnrbrauften
Dir

Den weg

öen önunrträunrten
Dir

Den weg

Den flammzerrissenen

Dir

Den weg

Den unbegangenen
Nie

Gesunöenen weg
Mir!

Aus Wilhelm Schäfers „Dreizehn Büchern der

deutschen Seele"

sDie Kaiserzeit des Mittelalters war stolz auf ihre Welt« und Kaiser-
chroniken, in denen das Geschick des eigenen Volkes) zurückgeführt bis
anf Adam und Eva, geschildert war in einer Fülle fabelhafter Kriegs«
taten und mancherlei Akten der Gewalt und des Rechts. Die Kraft des eige«
nen Volks und seiner tzerrscher sollten diese kunstlosen Heldenkataloge dartun.
tzans Sachs hat Iahrhunderte später Wissen und Taten seiner Zeit und
der Vorzeit zu einem «gestaltenbunLen Denkmal deutscher Faustnatur zusam«
mengetragen, einer Faustnatur freilich, die äußerlich umspannen und er-
raffen will, weil sie innerlich noch nichts begreift) weil sie — noch immer
auf der blinden Vorstufe des Famulus Wagner steht, nur nicht satt wie
dieser, sondern rastlos vorwärtsdrängend auf falscher Fährte.

Die Kaiserchronik und Sachsens poetische Sendung gehören der Literatur-
geschichte an. Der gelehrte Geschichtsschreiber übernahm es fürderhin, das
Schicksal der Völker im Spiegel ihrer Taten zu zeigen. Die Dichtung ging
dem Einzelnen und seinen Problemen nach. Seit einigen Generationen
erst sucht sie, lebendig geglüht in der Entfaltung des künstlerischen Ichs, den
Weg zum Volk in seinen verschiedenen Schichten, zu seinen Kämpfen einst
oder jetzt oder auch während einer größeren Ieitspanne. Einer gab auch so
etwas wie einen dichterischen Zeitenspiegel: Gustav Freytag in seinen „Bil--
dern aus der deutschen Vergangenheit". Aber der Abstand von der zünf-
tigen Geschichtsschreibung war nicht allzugroß. Ietzt erst hat Wilhelm Schäfer
die deutsche Geschichte zum Heldenlied umgeschmiedet. Wohl schreibt er Prosa,
aber Prosa, die klingt. Wohl vergißt er kaum ein wichtiges Ereignis, aber
er faßt es, als Künstler, in seinem fruchLbaren Moment. Er gibt nur den
letzten Sinn der Menschen und Dinge, so wie er ihm sich erschließt. Er ist
nicht Partei, er bemäntelt nichts, sieht alles schicksalhaft, auch die Unter-
gänge. Dadurch wahrt er dem Geschehen seine Größe. Drei Proben sollen
die Lust wecken, das ganze Werk zu lesen, das schlechthin einzigartig ge-
nannt werden darf. Das Werk ist im Verlag Georg Müller in München
erschienen. K.-L.^j

Albrecht Dürer

ls Wolgemut Weister der Nürnberger Schilderzunft war, brachte ein
Goldschmied seinenKnaben zu ihm indieWerkstatt, weildermitEifer
Tränen zur Malerei wollte.

Albrecht Dürer war er genannt, hielt fleißig die Lehre, obwohl die wilden
Gesellen des Meisters den zärtlichen Lehrling mit tzochmut und Schabernack
plagten.

Nach seiner Lehre zog Albrecht Dürer nach Colmar, wo Martin Schon-
gauer Meister der Stichelkunst war; er fand den Meister nicht mehr am
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