Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 50.1899-1900

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Das Knnsthandwerk im Münchener Glaspalast.

um dritten Male hat sich das
Kunstgewerbe bei der Iahres-
ausstellung im Glaspalast ein
gefunden. Von den zwei kleinen
Zimmern in der Gstecke des-
selben ausgehend, hat es all-
mählich, nicht ohne Kampf gegen
Kurzsichtigkeit und Mißgunst, sein kleines Reich er-
weitert; es hat den Anschein, als ob es jetzt für
immer das Bürgerrecht errungen habe. Mer sich
indessen etwa, der Erwartung hingegeben hat, daß
die diesmalige Ausstellung der Kleinkunst an Um-
fang und Gehalt ihre Vorgängerin ebenso überrage
wie diese die erste, dem wird die Enttäuschung nicht
erspart geblieben sein.

Aber man kann getrost behaupte», daß daran Gleichzeitig in München allein dreierlei Ausstellungen

29. Stuhl und Thcetischchen von Karl Bertsch.
vereinigte Werkstätten für Kunst im ffcmdwerk, München.
(Vib der wirkt. Größe.) Muster geschützt.

mehr äußere als innere Gründe die Schuld tragen.

28. Bücherschrank von R. Ri e in ersch »1 id. vereinigte Werkstätten für Knust
int ksandwerk, München. (l/u der wirkt. Größe.) Muster geschützt.

Glaspalast, Sezession, Sportausstellung — und
daneben die deutsche Kunstausstellung
in Dresden zu beschicken, das ist zu
viel auf ein Mal; das läßt sich mit
Massenerzeugnissen rnachen, nicht
aber mit den stückweise entstehenden
Merken des Kunstgewerbes. Es ist
gar kein Zweifel — die Ausführ-
ungen unseres Mitarbeiters in un-
fereit letzten kjeften bestätigen dies
vollauf —, daß die Dresdener Aus-
stellung den Rahm abgeschöpft hat;
die Rieinerschmid, Pankok, Dülfer,
Obrist, v. Leider, deren Arbeiten
namentlich im letzten Jahre theil-
weise den Charakter der Kleinkunst-
abtheilung im Glaspalaste bestimmt
haben, sind dieses Mal theils über-
haupt nicht, theils nur mit Menigem
vertreten, das gar nicht im Ver-
hältniß steht zu ihrer Produktivität.
— Dazu kommt—namentlich gegen-
über der Dresdener Ausstellung,
deren Leiter gerade für die Klein-
kunst eine sehr freigebige bsand
hatten —, daß die in München zur
Verfügung stehenden Geldmittel
durch ihre Kargheit die Freiheit
des Schaffens über Gebühr beein-
trächtigten; man mußte froh sein,
wenn man die von früher her be
stehenden Räume soweit umgestalten
konnte, um ihnen wenigstens den

(Dae AunsHandwerß
im Münchener Gkaepakast.
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