Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 50.1899-1900

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1 cm
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Kleine Nachrichten.

378. Grabplatte. Entwurf von ks. E. v. Berlepsch,
in Kupfer getrieben von S. Win hart & Lo., München.

(Breite der Platte 70 cm.)

(Meine Nachrichten.

(Vereine, (Museen, Schuten, -Aussielkungen,
(Wetkkewerke ^e.

„Runschalle", ständige Ausstellung für
K-s Zäunst und Runstgewerbe in Leipzig, ein von
p. p. Beyer & Lohn in's Leben gerufenes Unter-
nehmen, eröffnet die Reihe der Ausstellungen im
April mit einer solchen des Karlsruher Uünstler-
bundes; das Unternehmen richtet fein Hauptaugen-
merk neben Werken der bildenden Aünste auf die
neuen Bestrebungen im Aunstgewerbe und in den
graphischen Künsten. N. M.

379. Grabgitter von £j. <2. v. Berlepsch, München,
(ff,2 der wirkt. Größe.)

der Wechsel von £)dl und Dunkel und die Führung
der Linien. Dekorative Arbeiten sollen nicht erst eilt
langes Vertiefen erfordern, sie sollen momentan
wirken; das können sie nur, wenn Klarheit ihr vor-
nehmstes Charakteristikum ist. Nun war es aber
besonders in unserem Jahrhundert üblich geworden,
sich nicht durch einfache Modellirung genügen zu
lassen, auch Schlagschatten nrußten die Ornamente
begleiten. Natürlich war damit jede Möglichkeit,
eine klare Wirkung zu erzielen, zerstört, denn überall
sah man statt klarer Farben die dunkleit, unreinen
Töne zuerst.

Der Schlagschatten ist überflüssig, eine vernünftige
tonige Modellirung ist aber ein pülfsmittel, dessen
sich die Künstler nicht berauben lassen sollten; sie
ntägen doch ihre Freiheit wahren dem lustig weiter
gedeihenden akademischen Zopfe zunt Trotz. Niemand
möge sich stören lassen „flächenhaft" zu komponiren,
wenn es ihm gut erscheint, aber nicht aus Prinzip,
oder weil dies etwa allein berechtigt wäre. Aufgabe
besonders des „dekorativen" Künstlers ist es, mit
geringsten Mitteln die beste Wirkung zu erzielen,
nicht allein, weil dies künstlerisch aiit höchsten zu ver-
anschlagen ist, auch weil daneben zumeist rein prak-
tischen Forderungen entgegengekoinmen wird.

Tin Wirk- oder Knüpfteppich mit gar zu feinen
Details wird sehr vertheuert, eine Tapete steigt im
Preise mit der Zunahme der Platten, die zu ihrer
Perstellung nothwendig sind. Umgekehrt aber verhält
es sich schon beispielsweise bei der Porzellanmalerei,
ein flotter Porzellanmaler, wie wir sie hatten im
s8. Jahrhundert, vermeidet gern größere Farbflächen.
Regeln lassen sich für all' das nicht ausstellen, ein
gesunder künstlerischer Takt wird das Rechte sinden.
Und wenn's den Theorien widerspricht, nun um so
besser, man beweise dadurch ihre Leerheit.

Norm. Lüer.

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