Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 50.1899-1900

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Das Kaiser Wilhelm-Museum in Krefeld.

(Das Kaiser ^Vikhekm-Museum LnArefekL. (Von Or.S.Iimmermann.

rügen nicht alle Anzeichen, so ist
das Museumswesen im Begriff,
unter denr Druck der veränderten

Zeitanschauungen in ein
Stadium zu treten. Die
Museen entstanden,
als die von absolutistischen Fürsten
in den letzten Jahrhunderten gesam-
melten Kunstschätze ain Ansang des
vergangenen Jahrhunderts dem gan-
zen, dank der sranzösischen Revolution
im Bürgerthum zur geistigen Herr-
schaft gelangten Volke zugänglich ge-
inacht werden sollten. Es waren
lediglich Erhaltungs- und Anschau-
ungsmuseen, ihr Inhalt das, was
man dainals noch fast allein unter
Kunst verstand, die Werke von Malerei
und Plastik. Das Kunstgewerbe war
ausgeschlossen, schien keiner Erhaltung
und keiner Beschauung werth. 21Iit
ihm setzt um die Mitte des Jahr-
hunderts die zweite Phase der Ent-
wicklung ein, die unter dem Vorantritt
Londons zur Gründung von kunst-
gewerblichen Museumsanstalten führt.

Die Bedeutung der Museen erweitert
sich: aus Anschauungs- und Erhal-
tungsmuseen werden Sammelmuseen
und vor allen: Lehranstalten, deren
vornehmste Aufgabe die Wieder-
erweckung eines künstlerisch und tech-
nisch gediegenen Kunstgewerbes fein
soll. Sie wenden sich damit speziell
an die kunstausübenden Kräfte des
Landes, erhalten einen pädagogischen
Beigeschmack. Was wird nun in den
letzten Jahren, da die Kunst fast auf
allen Gebieten sich einer Revolution
unterzogen hat, als Ideal eines mo-
dernen Museums an vielen Stellen
gepredigt? Wiedervereinigung aller
durch unser Jahrhundert getrennten
Zweige der bildenden Künste und ganz
besonders Belehrung und Erziehung,
nicht nur der Künstler, sondern vor
allem des Publikums, für das man
Anfangs die ersten Museen gegründet,
dann mittelst der Kunstgewerbemuseen
das Kunstgewerbe zu fördern gesucht 523.

neues

ersten

hatte, ohne ihm doch die Möglichkeit eines richtigen
Verständnisses dieser Dinge zu gewähren. Die Museen
werden dadurch, indem sie diese große Lücke nach-
holen, in noch stärkerem Maaße pädagogische An-
stalten, Hochschulen des guten Geschinacks, zugleich

Münchener Künstlerhaus; Portal im Festsaal. Architekt Gabr. Seidl.

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