Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 50.1899-1900

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Kleine Nachrichten.

fliegende Vögel in Momentaufnahmen fixirt hat.
Da ist die volle Freude an der bunten, schillernden
Erscheinung des Malers Leitmotiv gewesen. Alles
zittert von Leben uitd um diese zarten Blätter und
Blüten schimmern, „unsichtbar aber fühlbar", Wind
und Wolken, Bang und Bonnenschein, hokusai hat,
gleich einem „japanischen Niederländer" das Volks-
leben unübertrefflich geschildert. Er ist der große
erzählende Aleinmaler und Ehronist. Nichts ist ihm
heilig — nichts profan. Alles gilt ihm gleich be-
deutend und der liebevollen Aufmerksamkeit werth.
Bo ist er der Herrscher im Großen uitd int Kleinen.
Viel einseitiger und noch mehr int typischen befangen
ist Utanraro, der etwas frühere Bittenschilderer der
japanischen Halbwelt, der Verherrlicher der Eocotte.

Diese biegsamen, schlanken Dämchen, die Abends
in den Theehäusern beinr bunten Bchein der Papier-
lantpions tanzen, er zeigt sie uns in ihrem intimen
Privatleben bei Tage, wenn sie sich putzen, schminken,
im Bpiegel betrachten, an- und ausziehen oder baden.
Aber es ist etwas voit bestellter Massenarbeit in dieseit
Wiederholungen, die zu malen der Künstler nicht
müde wird. Feiner noch als er, sind einige ältere
Japaner vom Anfang und Mitte des siebzehnten
Jahrhunderts. Da ist noch ein eigener, sehr nationaler
Btil von einer seltenen Ara ft des Ausdruckes, etwas
Mythisches, heldenhaftes, für unsere Gewohnheiten
vielleicht übertrieben heroisches, das aber aus echter
Empfindung geboren ist. Mir sind diese früheren
Japaner fast die werthvollsten und interessantesten.

W. Sch.

(Unsere (Kikder.

«H^ie die Hauptaufsätze dieses Heftes, so
ist auch der größere Theil unserer
• mj Abbildungen den Ausstellungen zu
Dresden und Wien gewidmet; daran
schließen sich einige Wiener Interieurs
und Plakate, die gleichfalls ihren Begleittext besitzen. —
Die beiden vergoldeten Pokale von Max Btrobl,
einem der jüngeren Münchener Goldschmiede, können
als lehrreiche Beispiele dafür angeführt werden, wie
sich ältere Formen von modernen Ideen durchdringen
lassen, während den Tafel-Geschirren von Walter
Bchers öc To. in Nürnberg (Abb. 299 u. 300)
ausschließlich Kinder der dekorativen Kunst der Gegen-
wart das Geleite geben. Das durch Bcherf auf den Markt
gebrachte neue Material, dem der Name „Msiris"
beigelegt wurde, ist eine Legirung aus Zinn mit
reinem Bilder, ohne Bleizusatz; diese Zusammen-
setzung verleiht den Waaren dauernd eine weiße,
nicht übermäßig glänzende Farbe, sowie eine gewisse
Widerstandskraft gegen Bäuren, wodurch auch gesund-
heitsschädliche Einwirkungen gänzlich vermieden wer-
den. Die Art, wie das Material an und für sich be-

298. Silbervergoldeter Pokal von Max Strobl (Firma: Sankt-
johannsers Erben), München, (kjalbe wirk!. Größe.)

handelt und wie es mit Porzellan, Glas, Majolika
verbunden wird, beweist, daß Bchers auch verstanden
hat, sich die richtigen Kräfte als Mitarbeiter aus-
zuwählen und zu sichern. — Mit unserer Tafel 5
meldet sich ein Vorläufer einer Reihe von Entwürfen
M. A. Nicolai's, die in einem der nächsten Hefte
zur Veröffentlichung gelangen werden.
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