Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 50.1899-1900

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Eine Aufgabe der Akademie für graphische Künste zu Leipzig.

der Familie Buhl wieder. Die Aufgabe gestaltete
sich durch die Einbeziehung zweier vorhandener,
nicht sehr künstlerischer Grabsteine etwas schwierig,
doch kann die Lösung als eine völlig befriedigende,
glückliche bezeichnet werden. Ohne konventionell zu
werden, bedient sich Drumm auch hier der romanischen
Formenwelt. And den gleichen Zug seiner eigen-
artigen Künstlerindividualität gewahren wir, wenn
auch nicht so stark, wie bei den besprochenen Werken
betont, an dem im letzten Hefte unserer Zeitschrift
veröffentlichten Entwürfe für einen Brunnen der Stadt
Nördlingen. Die Eigenart all' dieser Schöpfungen
erweckt in uns die berechtigte Hoffnung, aus den
fänden des jugendlichen Künstlers noch manch' schönes
Gebilde entspringen zu sehen. Ick.

Sine Aufgabe -er Akademie für
graphische Künste zu Leipzig.

ie im Aprilheft des vorigen Jahrganges
von „Kunst und Handwerk" unter ein-
gehender Alotivirung geforderte Aka-
demie für die graphischen Künste ist da.
Die Leipziger Zeitung vom ssi. Alai cr.
gibt an amtlicher Stelle folgendes bekannt:

Mit Genehmigung Seiner Majestät des Königs hat das
Ministerium des Innern beschlossen, der Kunstakademie und
Kunstgewerbeschule zu Leipzig den Namen

Königliche Akademie sür graphische Künste
und Buchgewerbe

zu verleihen.

Dresden, den <4. Mai \<)oo.

Ministerium des Innern.

Für den Minister.

vr. vodel. Lipxmann.

wieder einmal war es also das Kgl. Sächsische
Alinisterium des Innern, dessen Umsicht die hoch-
entwickelte Industrie seines Landes bereits soviel ver-
dankt, das mit bekannter jIräzision einem allgemeinen
Bedürfnis^ Rechnung getragen und damit nicht nur
Leipzig, sondern auch dem ganzen deutschen Kultur-
leben einen großen Dienst erwiesen hat. Daß die
von der Zeitschrift des Bayer. Kunstgewerbe-Bereins
„Kunst und Handwerk" gegebene Anregung auch ein
wenig zu dieser neuen Errungenschaft beigetragen
hat, wagen wir nicht anzunehmen; wir wollen uns
daher mit der erfreulichen Thatsache begnügen, daß
der erste ersehnte Schritt in der Richtung unserer
Wünsche gethan ist und hoffen, daß es dem Leipziger
Institut gelingen möge, seinen Wirkungskreis mit
fjülfe seines neuen und jedenfalls viel bezeichnenderen
Namens bedeutend zu erweitern.

472. Grabmal von Aug. Drumm — für die Eltern
des Künstlers.

Als ein unerläßliches Wittel dazu können wir
an dieser Stelle aber nur noch einmal die bereits
wiederholt von uns geforderten, möglichst Jedermann
zugänglichen Wanderkurse an andern Kunst-
akademien, Kuustgewerbeschulen ic. empfehlen, auch
wenn dieselben s. Z. als unzweckmäßig im „Börsen-
blatt für den deutschen Buchhandel" hingestellt wor-
den sind.

Nur durch solche Borträge kann das Interesse
für die einzelnen Techniken in die gebildeten Kreise
der Bevölkerung getragen und damit den graphischen
Künsten, namentlich der Lithographie, durch die neue
Akademie diejenigen Elemente zugeführt werden,
deren sie jetzt so dringend bedürfen.

Denn wie sieht das Lithographen-Personal bis-
weilen aus, mit dem sin Theil unserer Reproduktions-
anstalten heute nothgedrungen arbeiten muß, und
welches sind die Kräfte, die aus diesem Grunde nur
zu oft dazu berufen sind, die schwierigsten künst-
lerischen Leistungen nicht bloß in sich aufzunehmen,
sondern sie auch im Sinne der Schöpfer wieder
zum Ausdruck zu bringen?

Wer sich mit dieser Frage einmal eingehend be-
schäftigt hat, der wird sich auch nicht mehr allzusehr
über das geradezu jammervolle und unverstandene


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