Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 50.1899-1900

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Die würdige Ausgestaltung derAohleninsel

und

die Jubiläumsausstellung

des

Bayerischen Aunstgewerbevereins.

I. Der Gedanke der Jubiläumsausstellung.

: in halbes Jahrhundert rastloser Thätig-
keit geht für den Bayerischen Aunst-
gewerbeverein zu Ende. Weit über
Deutschlands Grenzen hinaus ist der
Name des Areises gedrungen, dessen
stille und unermüdliche Arbeit der Verschwisterung
von Aunst und Handwerk gilt. Wenn heute die
Ueberzeugung in allen wirthschastlichen Areisen Raurn
gewonnen hat, daß die Veredelung des Rohproduktes
von außerordentlicher Bedeutung für den National-
wohlstand ist, und daß gerade das Aunstgewerbe es
sein soll und kann, das in seiner Vereinigung von
künstlerischem Empfinden und gewerblicher Tüchtig-
keit bei dem geringsten Aufwand von Material die
höchsten Werthe schafft, so hat der Bayerische Aunst-
gewerbeverein, der die Beziehungen zwischen dem
Aünstler und Handwerker in so reichein Maaße fest-
zuknüpfen Gelegenheit hatte, wahrlich kein geringes
Schärflein dazu beigetragen.

In diesem Bewußtsein erscheint es als eine
selbstverständliche Pflicht, das goldene Jubelfest der
Verbindung zwischen Aunst und Handwerk nicht
thatlos vorübergehen zu lasten, sondern zu benutzen,
um einen neuen Wendepunkt für die Aunst, vor
Allem für das einheimische Gewerbe zu schaffen.

Eine vorübergehende Ausstellung, deren Die äußere und
Werth durch die frische Erinnerung an all' das, innere veran-
was in Paris zu sehen und zu lernen war, noch kffung &cs
beeinträchtigt würde, schien den Vertrauensmännern
des Vereines nicht genügend. Sie glaubten, daß eine
solche Jubelfeier die Grundlage zu Werken geben
müsse, die kräftig und nachhaltig das Gewerbe und
die Gewerbetreibenden unterstützen, der Stadt München
zum dauernden Ruhm und Segen gereichen, indem
sie es ermöglichen, die Stadt nicht bloß für die Dauer
eines Ausstellungsjahres, sondern für lange, lange
Zeit hinaus zum Mittelpunkt des deutschen Aunst-
gewerbes zu machen.

Die erste Anregung hierzu soll allerdings eine
Jubiläumsausstellung geben, indeß soll es eine Aus-
stellung anderer Art als die bisher gewohnten sein, die
ihren Reiz für das Publikum und ihren tiefgreifenden
Einfluß auf das pandwerk in den: Maaße verlieren,
als die Zeit inzwischen andere und wirksamere Mittel
für die Förderung des Handwerkes gefunden hat.

Diese niemals versagenden Mittel sind eine Reihe
von wirthschastlichen Einrichtungen für das Gewerbe
im allgemeinen und das Aunstgewerbe im beson-
deren. Wenn der Bayerische Aunstgewerbeverein
die Aufgabe der geplanten Jubiläumsausstellung so

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