Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 50.1899-1900

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lDer(^(kemkunsi)unzeMannschast.
2. (Akkert IVeiegerker.

eit einer Reihe von Jahren be-
gegnen wir in den heften unserer
Zeitschrift Kopfleisten und kleinen
Zierstücken, die obigen Namen
als Erfinder tragen. Man freut
sich der Vignetten als glücklicher
Raumfüllungen, ohne denselben in ihrer Einfach-
heit und Anspruchslosigkeit erhebliche Beachtung zu
schenken. Eie erfüllen ihren Zweck, ohne aufdringlich
zu sein. So mag es vielleicht auch kommen, daß
manchem Leser bei der Überschrift dieser Zeilen die
Frage sich auf die Lippen drängt, wer das wohl
fei, ob er zu den Alten oder zu den Zungen gehöre
und Aehnliches mehr. Vielleicht fragt sich auch
mancher der Leser oder Beschauer unserer Zeitschrift,
ob es denn verlohne, ein paar bescheidener Vignetten
halber, wie sie bisher erschienen, so viel Aufhebens
zu machen, um den Entdecker spielen zu können.
Die in unserer Zeitschrift verstreuten Zierstücke würden,
so trefflich in der Erfindung, so tüchtig in der
Zeichnung sie auch sind, uns doch kaum berechtigen,
ihnen inehr als ein paar kurze begleitende Worte
zu widmen. Vollberechtigt erscheint ein Aufsatz über
A. Weisgerber aber, wenn wir sein ganzes Schaffen,
von dem freilich bis jetzt nur wenig in weitere

Kreise drang, überschauen. Und doch ist das Gebiet
seiner künstlerischen Thätigkeit durchaus kein eng-
begrenztes, feilt einseitiges: heute Bücherschmuck,
morgen eine Wanddekoration, ein ander Mal ein
Plakat oder ein kunstgewerbliches Geräth, wie sich's
gerade ergibt, wie's das Innere oder ein Auftrag
oder eine Konkurrenz diktirt. Es ist ein frischer,
lustiger Wagegeist, allüberall mitzumachen; glückt
es, so ist's recht; wenn nicht, nun — verloren ist die
Mühe niemals ganz. Weisgerber ist sich bewußt,
daß in allen seinen Arbeiten ein braves Studium
steckt, und das lohnt sich stets, wenn auch nicht
immer allfogleich.

Albert Weisgerber ist noch jung an Jahren;
er wurde f878 geboren. Eine stattliche Anzahl von
Arbeiten zeigt, daß er nicht müßig gewesen. Aus
der großen Masse heraus bieten wir ein buntes
Durcheinander, das geeignet ist, für des jungen
Künstlers vielseitiges Schaffen zu zeugen. Die Er-
wähnung an erster Stelle dürften wohl die jDlakat-
entwürfe beanspruchen, um so mehr, als Weisgerber
mit Glück an verschiedenen Konkurrenzen sich be-
theiligte. Einer seiner ersten Entwürfe, der „Farben-
reiber" aus dem bekannten Wettbewerb Günther
und Wagner-Hannover — abgebildet in Heft V
Iahrg. 1899 und von der genannten Firma ange-
kauft — dürfte den Lesern unserer Zeitschrift noch in
Erinnerung sein. Konnten wir uns dort an dem
geschickt gezeichneten Akt eines Jünglings freuen, so

Kunst und Mundwerk. 50. Icihrg. Heft 7.

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