Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 50.1899-1900

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<£iii oberbayerisches LokalmiiseuiN.

das damalige Rudolph Seitz'sche Amschlagsbild
in drastischer Weise parodirte, indem er die Auf-
schrift „Unsrer Väter Werke" in „Unsrer Werke
Väter" umgestaltete und in dem offenstehenden
Schränk statt alter Folianten eine Anzahl schlanker
Büchsen mit den Aufschriften „Natur", „Symbol",
„Englisch", „Japan" sehen ließ, während die moder-
nisirte Idealfigur des Kunstgewerbes statt eines alten
Kunstgegenstandes ein Heft des »Studio« empor-
hob I! Der gesunde lhuinor, der in dieser Arbeit
steckt und von dem anch die Geldkassette, das »Scber-o«,
wie nicht minder das Schwabinger Schulhaus zu
erzählen wissen, offenbart ebenso wie die monumentale
Sprache des Bisinarckthurms den deutschen Grund-
zug in Fischcr's Schaffen.

Möge er darin eine zahlreiche Nachfolge finden!
Möge aber auch aus seinen Werken die Thatsache
herausgelesen werden, daß die Kleinkunst für ihre
gesunde Weiterentwicklung mehr von einer alle bil-
denden Künste umschließenden, monumentalen Ban
kunst zu hoffen hat als umgekehrt. Wenn die Bau-
kunst nur immer ganz aus der Höhe ihrer Aufgabe
bleibt, daun wird auch die mit ihr eng verwachsene
Kleinkunst gedeihen. 6.

230. Theodor Fischer: Reiterskizze, z»m Kaiserdenkmal
gehörig (^S8g).

229. Theodor Fischer: Skizze zu einem Kaiserdcnkmal (>889).

Sin okerkaxerisches Koßakmuseum.
(Von Hane Schrmdßunz.

11 sommerlichen Reiseberichten und
selbst von der Bühne herab werden
wir mit einem Besitzthum der
Landstriche zwischen München und
den Alpen bekannt, das gern jeder
nach Würdigkeit preist. Es ist
das Kunstgewerbe unserer Alpenländer, voran ihre
Holzschnitzerei. Der „Herrgottschnitzer von Ammcr-
gau" ist eine bekannte Figur der Wirklichkeit und
des Theaters; die Schnitzschule des Werdenselser
Distriktes in jDartenkirchen ist ein Stolz des Landes.
Wie drunten im äußersten Norden Deutschlands das
Meer seinen Anwohnern einen Berufskreis gegeben
hat, dessen winterliche Stille zur Entfaltung künst-
lerischer Bedürfnisse und Anlagen in einem nahe-
liegenden Stoff und in naheliegenden Formen treibt,
so hat hier das Hochgebirge ein Gleiches gethan.
Das Meer und die Alpen sind in dieser Weise nicht
nur die Grenzen des nämlichen Reiches und Völker-
bundes, sondern auch einander ähnliche Marken
künstlerischer Entwicklung. Dort unten prangt im
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