Bayerischer Kunstgewerbe-Verein [Editor]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 50.1899-1900

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Die künstlerische Nothlage der Mesterwälder Steinzeugmdustrie.

\27 u. ^28. lsalnchte von Lhokichi Suzuki, wokio.

Alte kastanienbraune Bronzefarbe. Sogen. Reichs Münzgold.

(Die ßünstkerifche (Notßkage der
"Vesterwakder Ktemzeugmdusirie.
(Von Or. Srnst Jimmermann.

lie keramischen Versuche, weiche in
^ letzter Zeit in fast allen bedeuten-
den Kulturländern Europas unter-
nommen snid, leiden daran, daß
sie zu wenig an die thatsächlich
bestehenden, aus Geschichte und
Bodenbeschaffenheit resultirenden keramischen Ver-
hältnisse der betreffenden Länder angeknüpft haben.
Eie bringen entweder technisch oder künstlerisch ein
gänzliches Novum, oder sie gehen doch von örtlich,
zeitlich oder gar kulturell entlegenen Vorbildern aus,
die in unserer 'Kultur praktisch wie künstlerisch bisher
gar keine oder nur eine sekundäre Stelle gefunden
haben. Das hat einerseits zur Folge gehabt, daß
die so geschaffenen Produkte sich nicht als Gegen-
stände umnittelbarsten Bedürfnisses herausgestellt

haben, andererseits die bisherigen großen und kleinen
Fabrikationsstätten, die das dringende keramische Be-
dürfniß der Zeit befriedigen, von diesen Neuerungen
so gut wie gar nichts haben profitiren können. Denn
auf wenigen Gebieten ist, wie hier, Uebertragung tech-
nisch Unmöglichkeit, künstlerisch Geschmacklosigkeit.

Diese Thatsache ist um so mehr zu bedauern,
da die Keramik unserer Zeit eines der Gebiete de-
korativer Kunst ist, auf denen die Kunst am tiefsten
unter den Nullpunkt gesunken ist, so daß hier Alles
nach Verbesserung schreit. Zwei Ursachen haben
dies vor Allem bewirkt: zunächst die vermehrte
Ulechanik, die Uiaschine, dies Danaergeschenk des
19. Jahrhunderts an die Kunst, das so viel Unheil
überhaupt in ihr angerichtet hat; dann die nicht und
selbst von Semper nicht genügend erkannte Thatsache,
daß die Keramik an erster Stelle eine koloristische
Kunst ist, für die das Formal-Künstlerische nur die
unumgängliche Voraussetzung darstellt. Denn Ke-
ramik ist in ihrer Hauptsache Flächenkunst, und
Flächen hat man zu allen Zeiten, bei allen Völkern,
sobald man nur Farben hatte, zunächst mit Pilse

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