Kunstchronik: Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe — 16.1881

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Sammlungen und Ausstellungen. — Vermischts Nachrichten

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äammlungen und Ausstellungen.

. 2m Münchener Kunstverein sahen wir kurzlich eine
»nnente Leistung W. Räubers: „Auf Schlsichwegen",

Rtziterpatrouille aus dem dreitzigjährigen Kriege, die,
m Busche haltend, den rechten Augenblick abwartet, aus
oeinselben Hervorzubrechen. Die Spannung des Moments
1t mst grötzter Lebendigkeit dargestellt, die Zeichnung von
»utzerordentlicher Sorgfalt und dis koloristische Wirkung bei
eingehendster und doch völlig freier Behandlung überraschend
Ichon und fein. Gleichzeitig brachts des genannten Meisters
lruherer Lehrer, Prof. W. Dietz, eine auf der Landstrahe
»Usruhende Familie im Kostüm derselben Zeit, die übrigens
»n das erstbezeichnete Bild in keiner Richtung hinanreicht,
obwohl sie eine ganz gute Arbeit ist. Von John Upton sehen
'bir eine „Betende Jtalienerin". Obschon der Stoss keines-
'Usgs ?» den neuen gehört, fesselt doch das auch räumlich grotze
E>ld durch Größe der Auffassung, leuchtendes Kolorit und
rnergische Technik. Rob. Beyschlag, wegen der Jnnigkeit
Und Smnigkeit seiner Empfindung und Anmut der Dar-
IMlung längst ein Liebling der Frausn, hat sich durch seine
^Junge Mutter mit ihren Kindern" wiederum hunderte von
»rauenherzen gewonnen. Ein guter Stich nach dem Bilde
Mare gewiß ein vielen willkommenes Vsreinsgeschenk.
Eduard'Leonhard brachte eine im grotzen Stile komponirts
Felsenlandschaft in kräftiger realistischer Behandlung, in
Mner Zeit doppelt willkommen, welche die Form grundsätzlich
hintansetzt, Ludw. M eixner eine fein empfundene Mondnacht
''Uberreste einer Wickinger-Burg" und E. Heinel eine An-
stcht des malerischen Ponte Filippetto bei Sorrent. V. M.
Herwegen erfreute durch eine Anzahl brillanter Aquarelle
uus Jtalien, meist Pompeji, Prof. I. L. Raab durch eine
bon seltener Meisterschast in Behandlung der Wasserfarbe
ieugende Kopie nach van Dyck (Bildnis einer Dame, in der
Dresdener Galerie), welche er im Laufe des letzten Herbstes
Kun Zwecke des Stiches ausführte. Franz Lenbach stellte
drei Porträts aus, alle in jener skizzenhaften unfertigen Weise,
dis er sich — nicht zu seinem Vorteile — seit Jahren angeeignet
hut. Zum guten Schlusse mögen noch drei köstliche Landschaften
Unseres trefflichen Philipp Ro eth rühmend erwähnt werden.
Man sieht es ihnen auf den ersten Blick an, daß er nicht
bloß die Natur, sondern fort und fort auch die alten Meister
ZUm Gegenstande eingehenden und verständnisinnigen Stu-
diuins macht.

Österreichischer Kunstvercin. Die Verwaltung hat über
me Vereinspreise für das Jahr 1 880 ihre Ent-
Icheidung getrosfen. Um diese Vereinspreise konkurrirte jedes
svährend der drei letzten Vereins - Ausstellungen exponirte
Kunstwerk, welches noch freies Eigentum des Künstlers ge-
U>esen. Da diese Vereinspreise zügleich Kaufpreise sind, für
U>elche die betreffenden Bilder in das Eigentum des Kunst-
bereins übergehen, so gelangten auch tnese Preisbilder zu
der am 30. Noveniber vorgenommenen dreißigsten Jahres-
Verlosung der Gewinstbilder. Sechs Vereinspreise wurden
ü> nachstehender Weise zuerkannt: 1. Der von dem Kaiser
uls Protektor gewährte Vereinspreis (300 Stück Dukaten)
bem großen Historienbilde von A. Hirsch l in Wien (Schüler
oer Wiener Akademie, ans der Schule von Professor L.
Miiller), „Scene aus dem Zuge Hannibals über die Alpen".
^ Herzog Coburg-Preis (1000 fl.) dem grotzen Ölbild von
^ldolph Öbermüllner in Wien, „DerDonau-Eisstoß im Ja-
Uuar 1880". 3. Fürst Schwarzenberg-Preis (300 fl.) dem
Dlbilde „Studienkopf" vonGeorg Decker in Wien. 4. Baron
Rothschild-Preis (100 Stück Dukaten) dem Ölgemälde „Hol-
mndische Stadtansicht" von Remi van Haanen in Wien. 5.
l3aron Königswarter-Preis dem Ölgemälde „Will nicht bren-
Uen" von W. Leopoldskiin Wien. 6. Mautner v. Markhof-
Preis dem Ölbilde „Stillleben"von Camilla Friedländer
>n Wien.

Vermischte Nachrichten.

ÜA. Max Fürsts Wandgemälde in der Karmeliterkirche
^u Straubing. Die genannte Kirche wurde zu einer Zeit,
'u welcher di'e deutsche Kunst schon in rückläufiger Bewegung
U>ar, mit Wandgemälden geschmückt, welche Scenen aus dem
^eben hervorragender Mitglieder des Karmeliterordens zum
^egenstande hatten. Jn der letzten Zeit hatten diese Bilder

stark gelitten und waren zudem noch teilweise in die Hand
eines Pfuschsrs gefallen. So erwachte denn vor zwLi Jahren
in den Mitgliedern des Konvents, an dessen Spitze der
kunstsinnige P. Ludwig Fritz als Prior steht, der Wunsch,
an die Stelle des Vorhandenen, den ästhetischen Anforde-
rungen der Gegenwart nicht mehr Entsprechenden Besseres zu
setzen, und es gelang in der Person des in München lsbenden
Historienmalers Max Fürst, eines geb. Traunsteiners, sinen
Künstler zu finden, der sich der Aufgabe unterzog, vier Wand-
gemälde auszuführen. Nun hat derselbe zwei vollendet, und
wir haben uns dieser hsrvorragenden Leistungen aufrichtig
zu freuen. Das erste Bild zeigt eine Episode aus deiii
Leben des Karmeliten Andreas Corsinus, der bei Verrich-
tung seines ersten Meßopfers eine Vision der Mutter Christi
hatte. Der Heilige knist im Ordenskleide, darüber die Casula,
mit ausgebreiteten Armen vor dem einfachen römischen Altar
mit Kruzifix, Kerzen und schmucklosem Reliquienschrein. Sein
Haupt wendet sich in leichter Bewegung zu der von Engel-
gruppen umgebenen heiligen Maria empor, welche als
Himmeiskönigin mit Diadem und Scepter ausgestattet, ihre
Linke wie schützend über ihn ausstreckt. Hinter ihr sieht man
zwei heilige Frausn im Ordenskleide der Karmelitinnen,
während Andreas unten von vier Ordensbrüdern umgeben
ist, dis, in Gebet versunken, von seiner Vision nichts ahnen.
Auf dem zweiten Gemälde sehen wir den heiligen Karme-
liten Petrus Thomasius, der nach einem thatenreichen Leben
i»r Dienste des apostolischen Stuhles zum Patriarchen von
Jerusalem erhoben wurde. Auch er ward der Legends nach
einer Vision gewürdigt. Der Künstler verlegt die Hand-
lung in eine ofsene Halle und läßt Maria, diesmal mit dem
Kind auf dem Arm, die Rechte segnend über den im Pa-
triarchengewande vor ihr knieenden Heiligen ausstrscken,
während zwei Engel zu ihren Füßen eine Spruchtafel mit
der Verheißung halten, der Karmeliterorden werde bis ans
Ende aller Zeiten bestehen. Bei der Uhnlichkeit des Gegen-
standes lag die Gefahr nahe genug, es möge sich der Künstler
wiederholen, er hat es aber glllcklich vermieden. Die echt
kirchliche Auffassung, die warme Empfindung, die strenge
Zeichnung, der schöste Linienfluß der Komposition und das
harmonische Kolorit der Bildsr Fürsts lasssn uns sreudig
erkennen, daß die glorreichen Traditionen eines Cornelius,
Overbeck, Führich, Heinrich Heß u. a. noch nicht verklungen
sind. Die Technik, deren sich Fürst bei diesen Wandmale-
reien bediente, verwendet nach dem Vorgange im Mainzer
Dom Wachsfarben auf wohlgeglättetem ölgetränkten Grunds.

Aus Goslar wird geschrieben: Die Ausschmückung des
Kaiserhaussaales durch historische Wandgemälde muß jetzt
infolge der eingetretenen Kälte für dieses Jahr eingestellt
werden. Außer Professor Wislicenus arbeiteten in diesem
Sommer auch noch die Maler Weinack und Strecker an der
Herstellung dieses großen Kunstwerkes, dessen völlige Aus-
führuug 'acht Jahre beanspruchen wird. Die vorjührige
kurze Thätigksit abgerechnet, ist somit jetzt die erste Jahres-
arbeit vollendet. Dieselbe bringt insofern schon etwas Voll-
ständiges, als die Fensterseite bereits die für dieselbe be-
stimmten Bilder trägt. Es ist das Märchen vom Dorn-
röschen, welches uns hier auf den Zwickeln über den Arkaden
in lebensfrischen Gestalten vor Augsn tritt. Auf der gegen-
überliegenden Wand ist in diesem Sommer das Hauptbild,
eine Allegorie der Wiederaufrichtung des Deutschen Reiches,
in Angriff genommen.

k. Künstlerhaus für Müiichen. Wie bei ruhiger Wür-
digung der gegebenen thatsächlichen Verhältnisse vorauszu-
sehen war, spricht sich der Bericht der von der Generalver-
sammlung der Münchener Künstlergenoffenschaft gewählten
Kommission jür Erwerbung eines Künstlerhauses in allen
dermal angeregten Richtungen gegen eine solche aus. Der
Hauptgewiiin der bisherigen Beratungen und Erhebungen
dürfte wohl darin liegen, daß die Kommission die Ilber-
zeugung gewann, daß den Bestrebungen um Ermittelung
geeigneter Häuser oder Bauplätze die Beschaffung eines Fonds
von wenigstens einer Visrtelmillion Mark voranzugehen
habe. Auch der „notorisch gegenwärtig bsstehenden Spal-
tungen in der Künstlerschaft selber" gedenkt der mit Klar-
heit und kühler Öbjektivität abgefaßte Bericht.

o. Das Atelier Zoh. Schillings in Dresden bildet gegen-
wärtig den Sammelpunkt für ein künstlcrisches und zugleich
patriötisches Jnteresse. Schilling hat die Kolossalsiguren
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