Der Sturm: Monatsschrift für Kultur und die Künste — 5.1914-1915

Page: 108
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DicWclt!

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Kreis das AiH
Unddu
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Du

Stehst

Daslch

Das

Ich!

Schön

Wissen Tören
Wahr und Trüsen

Mord Qebären d

Sterben Sein

Weinen Jubetn

Haß Versehen

Stark und Scbwach

Unmögiich '

Kann! r

DcinKörperfiammt!

DieWelt

Eriischt!!

Begegnung

Dein Qehen iächelt in mich iibcr
Und

Reißt das Herz.

Das Nicken Jiakt und spannt.

Ini Schatten deines Rochs

Verhaspeit

Schiingern

Schieudert

Kiatscht!

Du wiegst und wiegst.

Mein Qreifen haschet bitnd.

Die Sonne iacht'!

Und

Biödes Zagen 'iahmet fort
Beraubt beraubtl

Spiei

Deine finger perien
Und

Koiiem Stoßen, Necken Schmeicheln
Quäien Sinnen Schiäfern Beben
Wogen um mich.

Die Kette reißt!

Dein Körper wächst empor!

Durch Lampenschimmer sinken deine Augen

Und schiürfen mich

Und

Schiiirfen schiürfen

Dämmern

Brausen!

Die Wände tauchen!

Raum!

Nur

Du!

Trieb

Schrecken Sträuben
Wehren Ringen
Aechzeu Schiuchzen
Stürzen
Du!

Qreiien Qehren
Winden Kiammem
Hitzen Schwächen
Ich und Du!

Lösen Qieiten
Stöhnen Weiien
Schwinden Finden
ich
Dich

Du! L,

Fiuch

Du sträubst und wehrst!

Die Brände heuien
Fiammen
Scngeu!

Nicht ich
Nicht Du
Nicht Dic'h!

Mich! *

Alich!

Aümacht

Forschen Frageu
Du trägst Antwort
Fiiehen Fürchten
Du stehst Mut!

Stank und Unrat
DubreitstReine
Faisch uud Tticke

DuiachstRecht! j

4 Waim Verzweifiung
DuscinniegstSeiig
Tod tmd Eiend
Du wärrnst Reich!

Hoch und Abgrund
Du bogst Wege
Höüe Teufei
DusiegstGott!

Werben

Qeheimnis bogt das Tor
ErdeHimmel
Harren

Harren! ^ I

Auf schiießt dein Biick!

Biend ,4 t

Wirrt und greift
Undtastet

Krampft in ieeren Händen.

Dein Lächein wehrt.

Verschiossen biickt das Tor.

' Mein Harren harrt
Und

Qott und Himmei pochen!

Abendgang

Durch schmiege Nacht
Schweigt unser Schritt dahin
Die Hände bangen blaß um krampfes Qrauen
Der Schein sticht scharf in Schatten unser Haupi
In Schatten
Uns!

Hoch fiimmt der Stern
Uie Pappei hängt herauf
Und

Hebt die Erde nach

Die schiafe Erde armt den nackten Himmel.

Du schaust und schauerst
Deine Lippen dünsten
Der Himmei küßt
Und

Uns gebärt der Kuß!

Ein Weitereignis

Hermann Essig

Ein Mäusepaar sah einem freudigen Ereignis
entgegen.

„Qeh hin," sprach die Mäusin zum Mäuserich,
„und kundschafte, ob du irgendwo einen fetten
Ort findest, der mich mit meinen kieinen Mäusiein
lange gut ernähren wird."

Der Mäuserich drückte ihr einen Kuß auf die
Schnauze und begab sich auf die Reise. „Daß du
nicht zu iange ausbieibst," sagte sie noch, „und
gehe ia nicht in die Faüe." „Nein, nein, ich komme
gieich wieder," sprach er.

Er kietterte und rutschte durch aiie Engpässe und
Fiuren des Hauses Nummer 96 empor, schHeBiich
rocii und duftete es in der dritten Etage bei Stan-
ges nach eincr Unmenge schöner Biumen. dem
reichen Ahfaii von Küche und Tisch, der überai!
zerstreut iag. Ereudig ergiänzten Mäuserichs Au-
geu, hier woüte er seine Traute herhringen, damit
sie die Kieiuen zur Weit brächte.

Scideunigst woüte er umkehren und seiner
Frau von deni Lande künden, damit sie mit ihm
herzöge. Wies aber so geht, an einem Pnnkt die-
ser Landschaft biieb er stehen, um sich noch ein-
mai umzuschauen. Da fioß ein rauschendes Was-
ser, das gurgeind in die Untiefe koüerte, Auch fie!
ein heües Licht neben ihn. Er verkroch sich in den
Schatten, da sah er eine Riesengestait vor sich, die
schneü wieder verschwand.

Er zitterte über diese Erscheinung und biieb in
stiüem Bangen sitzen, ob hier wirkiich so gute
Stätte sein wiirde. Während ihm aües übrige recht
wohi gefaüen hätte, hier war es wiid romantisch;
das greüe Licht uud die tosenden Wasser. Endlich
woüte er wieder fürbaß gehen und seiner Frau
Meinung darüber hören, aber da erschien wieder
die Riesengestait, und es hieit ihn fest in Angst und
Bangen.

Nun zog aber wie von Zephyrdüften gefächcit
piötziich ein süßer Duft um seine Nase. Baid steitte
er fest, daß hier in der Nähe das ihm bis ietzt ver-
borgen gebiiebene Eden iiegen mußte. Ais die Rie-
sengestait auch diesmai giückiich wieder ver-
schwand. wurde er beherzt und neugierig, dcm
Ursprung des Duftes nachzuziehen.

Wohi iiberkam ihn ein Qefühl, a!s hörte er die
Worte, die seine Traute beim Abschied zu ihm
gesprochen tiatte, „Artur, gehe mir ia n-icirt in die
Faüe, geit, geh mir nicht in die Faüe. passe gut
auf." „Nein, nein, was denkst du, ich gehe doch
nicht in die Faüe," hatte er dann gesagt. Komisch,
daß ers ietzt im schönsten Augenblick so <Sehr
lebhaft dachte. Er machte eine die jetzige Wirk-
iichkeit kiarsteiiende Bewegung, indem er den
Kopf durch die beiden Vorderfüße strich. Und da
stieß er auch schon an etwas, ganz ieis, das ein
großer Speck war, das war es, ja, der Speck hy-
pnotisierte iim, es knickte und kiatschte, er woiite
den Schwauz einziehen. Das ging nicht, er stürzte
zu Boden und hörte das tosende Wasser. So lag
er Weiie gerade ausgestreckt mit eingekiemmtem
Schwanz, ganz unbewußt.

Da erschien wieder die Riesengestait, er wen-
dete nicht den Kopf nach ihr, denn jetzt erkannte
er sie, sie hatte ihm das Ungiück gebracht. Es
war Frau Stange, die gradc ins Bad steigen
woitte.

Frau Stange drehte den Wasserhahn ab, das
Tosen verstummte.

Der Mäuserich fühite sich angehoben wie auf
schwankendem Aeropian. Frau Stanges Stimme
geüte schriü: „Die Maus, die Maus, ich hab sie,
ich hatte mich doch nicht getäuscht, es war eine
Maus."

Und ein Haufen kieinerer und größerer Riesen-
gestaiten kam, Frau Stange warf ein Badetuch um
sich. Ein Qeschrei und Lärmen wurde, es ging in
die Lüfte gehoben durch Räume und Hände, Augen,
Briiien, bis wieder ein Stiüstand kam. Da sah sich
der Mäuserich umgeben von Teüern und Tassen,
in seiner Nähe sah er eine biaue Fiamme, worauf
ein Kessei mit Wasser kochte.

Ob dies ihn betraf —?

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