Der Sturm: Monatsschrift für Kultur und die Künste — 5.1914-1915

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Sie (wird immer aufgeregter): Raus! raus!
Adensch, ick fühl mr ooch so manchmal . . .
(bricht aus) ja! wozu sind mr uff dr Weit? wat
hat dät aiiens fiern Zweck? (Sie sieht piötziich
äuf den Teiier mit Eiern, den sie immer noch in
der Hand hat) O Jott! de scheenen Eier! (Sie
steHt den Teher auf den Tisch und stockt er-
schrocken mit einem Biick auf das Kind) Wir
missen doch Fränzchen anmeiden bei de Poizei!

E r (stiert auf den Zeitungsfieck, reißt dann
plötziich wütend den Fetzen und mit dem näch-
sten Griff das Zeitungsbiatt herunter, sodaß die
nackte ausgebröckeite Wand sichtbar wird, knüiit
das Zeitungsbiatt zusammen und stopft es in die
Tasche, grob wütend): Quatsch!

Sie (iebhaft, aufgeregt): Ja! Quatsch! Wir
woiin jehn! (schlägt piötziich um) nee! wir jehn
nich! (weint und schluchzt) ick wiii nich! ick
wiii n i e mehr! dät hat doch aiiens keenen Zweck
nich'!

Chauffeur (roh): Wat Zweck?! (Greift in
die Tasche und hoit eine Handvoii Münzen heraus,
die er in der hohien Hand kiappert und iacht gur-
geind stoiz)

Sie (schmiegt sich an ihn): Du! du hast mir
doch (iebendig) Wiiii! er hat mir injeiaden! heite
abend! dät kannr doch ooch jieich . . . (sie sucht
in ihren Taschen) oh! . . . (sie hebt triumphierend
das Zweimarkstück in die Höhe) ick hab ja noch
zwei Märker! (jubeit) zwei Märker! Mensch!
Wtiili! nun könn mr ieben!

E r (setzt die Mütze grade, iacht und faßt sie
um den Leib): Oh! Mensch! Wir ieben!

Chauffeur (unbehagiich): Kommt mir man
Mos aus de Bude hier raus! Ick hait eich frei!
Aiie frei! Hier is man ja keen Mensch mehr!
Erst inn Tiergarten mit meine Karre! un denn...

Sie (kiatscht vor Vergnügen in die Hände):
O je Tiergarten! un denn (fäilt ihrem Mann um
den Hais) Wiiii! wat is n scheenet Leben!

Er (gutgeiaunt): Nu siehst de, Schticke!

Sie (eiiig): Komm! komm! (ihr Biick fäiit aufs
Bett) achott! Fränzchen! (sie deckt ihn zu,
kreischt aber im nächsten Moment laut auf und
schütteit sich vor Lachen)

Chauffeur (schon in der Tür): Na wat?!

Sie (iacht): Wiiii! son jemeiner Mensch! er
Tiat mir jekitzeit!

Chauffeur (drängt): Komm! ick ... ick
. . . ! aber nich hier! (schaudert mit einem Biick
auf das Kind) raus! raus! dät is der Zimmt! (er
zieht sie beide mit) raus mit eich Schticker!

(AHe drei gehen raus; sie lacht immer noch
ausgelassen; der Schlüssel wird in der Tür umge-
dreht; dann gelit das Kreischen und Lachen der
Frau wieder hell auf; die Männerstimmen hallen
dazwischen; der Lärm verklingt langsam nach
unten)

(Die Bühne bleibt noch einen Augenblick, nach-
dem Stille eingetreten ist, leer; dann fäMt der Vor-
hang rasch)

Ende

*

AUe Rechte insbesondere der Aufführung vor-
behalten.

Le los du Douanier

Un tout petit oiseau
Sur I'epaule d'un änge
11s chantent 1a louange
Du gentil Rousseau

Les mouvements du monde
Les souvenirs s'en vont ;

Comme un bateau sur I'onde
Et les regrets au fond

Gentil Rousseau
Tu es cet ange
Et cet oiseau
De ta louange

11s se donnaient 1a main et s'attristaient ensemble
Sur leurs tombeaux ce sont les memes fleurs:

qui tremblent

Tu as raison elle est belle
Mais je n'ai pas le droit de l'aimer
11 faut que je reste ici

Oü I'on fait de si jolies couronnes mortuaires

en perles

II faudra que je te montra qa

Lä belle Americaine
Qui rend les hommes fous
Dans deux ou trois semaines
Partira pour Corfou

Je tourne vire
Phare affole
Mon beau navire
S'est en alle

Des plaies sur les jambes
Tu m'as montre ces trous sanglants
Quand nous prenions un quinquina
Au bar des Iles Marquises rue de 1a Gaite
Un matin doux de verduresse

Les matelots I'attendent
Et fixent l'horizon
Oü mi-corps hors de I'onde
Bayent tous les poissons

Je tourne vire

Phare affole <

Mon beau navire
S'est en alle

Les tessons de ta voix que I'amour a brisee
Negres melodieux Et je t'avais grisee

La belle Americaine
Qui rend les hommes fous
Dans deux ou trois semaines
Partira pour Corfou

Tu traverses Paris ä pied tres lentement
La brise au voile mauve Etes-vous la maman

Je tourne vire
Phare affole
Mon beau navire
S'est en alle

On dit qu'elle etait belle
Pres du Mississipi
Mais que 1a rend plus belle
La mode de Paris

Je tournc vire
Phare affole
Mon beau navire
S'est en alle

H grava sur un banc pres 1a porte Dauphine
Les deux noms adores Clemence et Josephine

Et deux rosiers grimpaient le long de son äme
Un merveilleux trio

II sourit sur le pave des gardes ä 1a jument

pisseuse

II dirige un orchestre d'enfants
Mademoiselle Madeleine
Ah! Mademoiselle Madeleine
Ah!

II y a d'autres filles
Dans I'arrondissement
Des douces des gentilles
Et qui n'ont pas d'amant

Je tourne vire
Phare affole
Mon beau navire
S'est en alle

GuiMaume ApoMinaire

Der Weg
durch die Nacht

Roman

Aage von Kohi

Fortsetzung

Oder war es nicht vielmehr wie ein Finger,
ganz in der Nähe, der hastig und energisch wider
ein dickes Stück Gummi tupfte — oder nein, ge-
wiß nicht, es trommelte ja wie ein Herz, das in
räsender Hast, wahnsinnig, mit erstickendem
Grauen gegen eine Brust hämmert, hier, ganz dicht
dabei, hinter seinem Rücken, nein, tief da drinnen
in ihm selber —:

Mein Gott! : i

Annie, meine Geliebte!

Jetzt weiß ich —: mein Herz, an dem Abend,
während ich dich nach Hause trug!

Mein Herz, das da drinnen unter wahnsinnigen
Qualen pochte — während ich hierher lief, dich in
meinen Armen! . . .

Er stand da, schnappte nach Luft, dort am Fen-
ster. Ward jetzt plötzlich von einem häßlichen,
einem ausweitenden Gefühl unter seinen Rippen
ergriffen — als säße dort irgend etwas, da drinnen,
in allen Adern seiner Brust, sie unleidlich erwei-
ternd! als wären einige große, eisenharte Tiere in
die Venen rings um sein Herz hineingelangt — und
brächten sie fast zum Zerspringen!

Er öffnete gleich darauf seinen Mund zu einem
Schrei — denn nun stürzten sie alle auf einmal
vorwärts, ungeheuer, sie sprengten die Wände der
Adern, sie bissen wie Feuerschnäbel in das Fleisch
seines Herzens — er wand seinen Körper nach
rechts mit einem Ruck herum, der Schweiß
strömte ihm über das Gesicht herab, er hörte den
Fall der Tropfen auf dem Fußboden, es sauste ihm
vor den Ohren, seine Schläfe Flammen, seine Kehle
trocken!

Im selben Nu dunkelte es vor seinem Blick, er
machte schwankend einen Schritt vornüber, schlug
die Fäuste gegen seine Brust, sank klagend in die
Knie, streckte seine Arme mit nach hinten gebeug-
ten Fingern aus — fiel vornüber auf die beiden

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