Der Sturm: Monatsschrift für Kultur und die Künste — 5.1914-1915

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Regen wegen
Dir

Den Weg
Den Weg
Den Weg
zumir!

Dir

Den Weg

Den ichumbrausten
Dir

Den Weg

den duumträumten

Dir

DenWeg

Den Hammzerrissenen
Dir

Den Weg

Den unbegangenen

Nie

Gefundenen Weg

zu

Mir!

Liebeskampi

Das Woilen steht

Duiliehstundfliehst

Nicht haiten

Suchen nicht

Ich

WiU

Dich

Nicht!

Das Woiien steht

Und reißt die Wände nieder

Das Woiien steht

Und ebbt die Ströme ab

Das Woiien steht

Und schrumpft die Meilen in sich

Das Woiien steht

Und keucht und keucht

Und keucht

Vordir!

Vor dir
Und hassen
Vor dir
Und wehren
Vordir

Und beugen sich

Und

Sinken

Treten

Streichein

Fluchen

Segnen

Um und um

Die runde runde hetze Weit!

Das Woiien steht!

Geschehngeschieht!

Im gieichen Krampfe
Pressen unsre Hände
Und unsre Tränen
Welien
Auf

Den gieichen Strom!

Das Woiien steht!

Nicht Du!

Nicht Dich!

Das Woiien steht!

Nicht

Ich!

Verabredung

Der Torweg fängt mit streifen Bändern ein

Mein Stock schiit

Kiirr

Den frechgespreizten PreHstein.

DasKichem

Schrickt ,

Durch Dnnkei
Trtigeneckend
In

Warmes Beben

Stoipern ^

Hastig

Die Gedanken. 3

Ein schwarzer Kuß
Stiehit scheu zum Tor hinaus
Fiirr

Der Laternenschein

Heiit

Nach

Ihm

In die Gasse.

Mondbiick

An meine Augen spannt der Schein.

Das Schiäfern glimmt in deine Kammer

Gelbt hoch hinauf

Und

Schwület mich!

Matt

Bleicht das Bett
Und

Streift die Htillen
Stülpt frech das Hemd
Verfröstelt
Auf den Mond.

Jetzt

Leuchtest du
Du

Leuchtest leuchtest!

Glast

Blaut die Hand
In glühewehe Leere
Peißt nach dem Himmel
Mond und Sterne
Stürzen

Schlagen um mich

Wirbeln

Tasten

HaltHaltHalt!

Und

Zittern aus zu Ruh
Am alten Platz!

In

Deinem Fenster droben

Gähnmiid

Blinzt

Die Nacht!

Der Morgen

Schwarz

Graut

Zerknittert schämig fahlig.

Schweigen schleicht zu Bette!

Schrecke lugen
Horchen
Ziepsen
Ducken
Ziepsenspürig
Schrillen trotzig
Pufen rufen
Wachen auf
Von Ast zu Ast.

In die Winkel glupschen Liifte
Talpschen Dünste.

Klatschen Flattern Knacken Schwirren
Zerrt ins Fahle bleiche Fetzen!
Blaublaß glasen Ströme zu Kristall!
Klirrig

Grellt der Himmel auf!

Funken brennen
Splitter gliihen!

Schauernd

Wirbeln Tropfen Spiegel!
Lichtgeblendet schwingt herauf
Die Helle!

Der Weg
durch die Nacht

Roman

Aage von Kohl

Fortsetzumg

Er begreift ferner, daß die Lage hier in diesem
Zimmer mit den drei großen Fenstern und den bei-
den Tiiren auf die Dauer unhaltbar ist —: also
muß er von hier fort! Ja, aber die Treppe von
hier draußen kann er nicht hinaufkommen — denn
da steht ja der Assistent offenbar, zusammen mit
dem Dienstmädchen und vielleicht außerdem noch
ein Schutzmann oder auch zwei! AIso bleibt ihm
nur eins übrig: den längeren, aber unbewachten
Weg entlang zu schleichen, iautlos, durch die
Wohnstube, das Eßzimmer, das Gartenzimmer —
und endlich an den Pfeilern und dem Gitterwerk
der Verända hinauf!

Gut!

Versuchen wir es!

Es bleibt uns ja nichts anderes übrig! . . .

Er hat schon, ohne das geringste Geräusch, die
Schuhe von den Füßen geschoben — vorsichtig,
auf Socken erreicht er die Wohnstubentür, dreht
mit unendlicher Sorgfalt den Schlüssel um, öffnet.
Kehrt, noch immer unhörbar, zu dem Tisch zurück,
wo sie ruht — sein Herz ist kurz davor, vor Dank-
barkeit zu brechen, als er sie wieder an der
Brust hat.

Und auf Fußspitzen, Schritt für Schritt, gleitet
er rund um den Schreibtisch herum, auf die Tür
zu, schlüpft hindurch, kommt hinaus. Einen Augen-
blick zögert er, legt sie darauf sorgsam in den
linken Arm zurecht, bekommt auf diese Weise den
rechten frei, braucht eine ganze Minute, um den
Schlüssel aus seinem Loch herauszudrehen, ihn an
der auswendigen Seite wieder einzustecken und
sein Taschentuch da drinnen über den Drücker zu
hängen; dann zieht er die Tür leise zu, schließt sie
ab, steckt den Schlüssel in die Tasche, macht kehrt.

Atemlos spät er eine Weile nach allen Seiten.

Die Gardinen sind nicht herabgelassen, hier im
Wohnzimmer, hier ist es also einigermaßen hell;
die blanken Möbel geben den schwachen Schim-
mer von da draußen her wieder, Spiegel stehen
gleich viereckigen, bleichblauen Nebelflächen hier
und da, goldene Beschläge glühen, die blontfen
Sofabezüge sind schiwach zu erkennen — er kann
deutlich den Weg sehen, den er gehen soll!

Zögernd setzt er den linken Fuß vor, dann den
rechten, wohl, alles in Ordnung, es scheint brillant
gelingen zu sollen, nur mutig vorwärts, siehe, es
geht: ho, st, hier, an dieser Stelle pflegt ja wohl
der Fußhoden zu knarren, vielleicht wäre es des-
wegen besser, um den kleinen Tisch dort herum
zu gehen!

Zitternd vor Befriedigung entdeckt er im näch-
sten Augenblick, daß die Tür zum Eßzimmer nur
angelehnt steht —:

Die wird ihm also keine Mühe verursachen!

Keine Spur! . . .

Ein klein wenig ängstlich wird er doch gleich
darauf, als er bemerkt, daß es hier drinnen voll-
kommen stockfinster ist!

Er spannt sein Gesicht wahnsinnig an, rät sich
mit Ohr und Hand durch die Dunkelheit weiter, mit
blinzelnden Augen — dringt nur Fuß für Fuß vor.
Bleibt jäh stehen, mitten da drinnen, preßt sie fest -
an sich — steht da auf Socken, die Zehen gegen
den kühlen Fußboden gekrümmt, fühlt vorsichtig
vor sich hin, mit ausgespreizten und spielenden
Fingern: ja, ganz recht, dieser Stuhl unmittelbar
hier an seinem Knie steht durchaus nicht an seinem
gewohnten Fleck!

Er fühlt sich jetzt sicherer, beruhigt, fast gewiß,
daß das Ganze wohl gelingen wird.

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