Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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grossem Scharfblick, mit guter Witterung, aber
nichts weniger als exklusiv. Er kaufte ungefähr
alles: Japan, China, persische Teppiche, Patente für
Druckverfahren, Edelsteine, Briefpapier, Bilder von
Manet, Degas, Signac und Liebermann und war
der Leibhändler Menzels, bei dem er jeden Sonntag
Morgen auf die Jagd ging. Früher hatte er einmal
eine Bierbrauerei besessen, und sein Geschäft war
eigentlich ein Buchverlag. Er schien aus einer so
eben gegründeten Stadt zu kommen, in der sich
Handel und Wandel noch nicht differenziert haben
und derselbe Mann tausend verschiedenen Ge-
schäften vorsteht wie die Hoteliers in Kalifornien.
Ich riet ihm oft, eine strengere Auswahl in seinen
Käufen zu treffen, und brachte ihn einmal, im Jahre
1895 oder 18 96 zu Manzi, der damals wunderbare
Drucke — viele kamen in die Sammlung Camondo
— besass. Manzi war einer der ersten, die dem
Bingschen Prinzip, es käme nur auf die durch das
Alter malerisch verblassten Farben an, widersprachen
und tadellos erhaltene Blätter in den Handel brach-
ten. Pächter wurde es ungemütlich vor den strah-
lenden Dingern. Er fand, sie sahen wie nagelneue
Fälschungen aus. Als er die Preise hörte, stand er
davon ab und fragte nach Säbelstichblättern. Er
pflegte die Stichblätter sozusagen nach dem Metall-
wert zu kaufen, zu Hunderten. Manzi sagte, er
besitze ein halbes Dutzend.
Pächter griff nach den Hut.
Das lohnte sich nicht. Ich
riet ihm, sich die Dinger doch
einmal anzusehen. Manzi Hess
ein Ecrin aus rotem Maroquin
bringen. Darin lagen, schön
eingepackt in Velour, die sechs
schwarzen Eisenstücke neben-
einander; aus jedem Jahr-
hundert eines, vom zwölften
angefangen. Zum Spass fragte
Pächter nach dem Preise. Der
überstieg für das Einzelstück
sehr wesentlich die Summe,

die Pächter für das Hundert anzulegen pflegte. „Ein
sehr kluger Mann, dieser Herr Manzi!" meinte er

auf dem Rückwege, „man sollte sich auch so ein Etui
machen lassen. Ich habe ganz ähnliche Stücke zu zwei
unc

d drei Mark". Das Drollige war, dass er recht hatte.
Pächter war eine köstliche Figur. Er kam jedes
Jahr nach Paris und sprach nicht ein Wort franzö-
sisch. Sein Dolmetsch war ein junger begabter
Italiener, der um Französisch zu lernen, in Paris
lebte. Der zog vom Morgen bis Abend mit ihm
herum und musste, so gut er konnte, die Händler
des Wohlwollens Pächters versichern und ihnen
stets aufs neue auseinandersetzen, dass seine Unter-
gebote durchaus kein Ausdruck seiner Missachtung
seien. Bei wichtigen Entscheidungen nahm Pächter
selbst die Sache in die Hand, wohlverstanden auf
Deutsch. Er behauptete, alleParisersprächen deutsch,
sobald es sich um Moneten handle. Das Drollige
war wiederum, dass er recht hatte.

Pächter hat viel für die Propaganda Japans und
nicht wenig für die Hebung des deutschen Kunst-
handels, namentlich der Preise Liebermanns vor
zwanzig Jahren getan, und zwar sozusagen mit der-
selben Hand. Das ging so zu. Pächter und Lieber-
mann tauschten miteinander. Liebermann nahm
Drucke und Poterien, Pächter Skizzen. „Wie die
Rakus in die Höhe gehen!" sagte Pächter eines
Tages zu einem Bekannten;
„heute habe ich 600 Mk. für
einen Topf bekommen." Der
Bekannte staunte nicht wenig.
Für den Mitlebenden ist der
gleichen immer so etwas wie
ein Naturwunder. Zufällig
kommt derselbe Bekannte
nachmittags zu Liebermann.
„Sie, ick sage Ihnen, passen
Se uff, det Geschäft blüht. Ick
werde sogar meine Skizzen
los. Heute hat mir einer für
eine Lausestudie 600 Mk. je-

jeben". Fortsetzung folgt.

WILH. PILGRAM, DREI VAGABUNDEN
BES.: SAMMLUNG W. WIDMANN

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