Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

Page: 425
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1913/0434
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Letnbra^inj

"SS

"man bet"%

ngzuförde

*»* erbewunJtlt

aus der pwsünii^

haben,

SALOMON RUISDAEL, WINTERLANDSCHAFT

DIE NEUERWERBUNGEN DER KAISERLICHEN GEMÄLDEGALERIE

IN WIEN

von ARTHUR ROESSLER

Zur Freude aller, die sich mit gelindem Schauder
der noch nicht lang vergangenen Zeiten er-
innern, wo die bedeutendsten öffentlichen Gemälde-
galerien der zweifelhaften Obhut kunstgeschichtlich
mangelhaft gebildeter Maler-Direktoren anvertraut
waren, die sich weniger durch ihre Sachkenntnis
als durch ihre schier unbezähmbare Sucht nach „ver-
bessernder" Wiederherstellung alter, schadhaft ge-
wordener Gemälde und willkürlicher Namensgebung
unangenehm bemerkbar machten, hat das Oberhof-
meisteramt des Kaisers von Osterreich, den in Deutsch-
land gegebenen Beispielen folgend, bei guter Gelegen-
heit zum Leiter der Gemäldegalerie der kunsthistorischen
Sammlungen des Kaiserhauses einen persönlich begabten
und wissenschaftlich vortrefflich geschulten Kunst-
historiker, Dr. Gustav Glück, bestellt. Das Vorteilhafte
dieser Amtshandlung sollte sich bald erweisen. Glich
bis dahin die weltberühmte Sammlung, trotz ihres prunk-
vollen Rahmens, mehr einer speicherartigen „Kunst-
kammer" als einem genussreiches Studium ermöglichen-
den Museum, so wird sie nun durch die thatkräftige
Wirksamkeit des neuen Leiters und seiner Hilfsarbeiter
in ein solches umgewandelt. Das Arbeitsprogramm des
Direktors lautet: Ausscheidung minder wichtiger Bilder

und deren Unterbringung in einer zu errichtenden Sekun-
därgalerie, Neuordnung und bessere Aufstellung der im
Hofmuseum verbleibenden Hauptwerke, Herausgabe
eines wissenschaftlich bearbeiteten Katalogs und, nach
Massgabe der verfügbaren Mittel, Erwerbungen wich-
tiger Werke, namentlich von Meistern, die in der Samm-
lung noch nicht vertreten sind. DemCharakterderSamm-
lung entsprechend, die eine private ist, wenngleich ihr
Umfang den so mancher öffentlichen, d. h. städtischen
oder staatlichen Sammlung, weitaus übertrifft, richtet
sich das Bestreben des Direktors bei Neuerwerbungen
nicht so sehr auf die Gewinnung entwicklungsgeschicht-
lich interessanter Lückenfüller als auf Werke von Qua-
lität, die sich ergänzend dem wertvollen Bestände ein-
fügen. Dieses Motiv wirkte schon bestimmend bei den
ersten Erwerbungen, den 17 Bildern aus dem fünfzehn-
ten bis neunzehnten Jahrhundert, über die ich hier be-
richte. Sie wurden von Direktor Dr. Glück innerhalb
der, in Anbetracht der ihm zur Verfügung stehenden
verhältnismässig geringen Geldmittel, erstaunlich kurzen
Zeit von eineinhalb Jahren zustande gebracht. Gewiss
auch ein nicht gering zu schätzender Beweis seiner direk-
torialen Fähigkeit.

Der vorliegende, die Bilder selbst behandelnde

4M

H^tt|_0^^u-MAgA_ai
loading ...