Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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PETER BEHRENS, DEUTSCHE BOTSCHAFT IN PETERSBURG
SPEISESAAL

AUFZEICHNUNGEN VON PAUL GAUGUIN
MITGETEILT VON ROSA SCHAPIRE

Die Malerei ist die schönste Kunst; in ihr sind alle
Sensationen eingeschlossen, bei ihrem Anblick
kann jeder, je nach dem Schwung seiner Phantasie,
einen Roman schaffen und sein Herz von tiefsten
Erinnerungen durchfluten lassen. Kein Gedächtnis-
aufwand, alles umschliesst ein Augenblick. ■— Eine
vollkommene Kunst, die alle anderen zusammen-
fasst und vollendet. Wie die Musik wirkt sie durch
die Sinne auf die Seele, harmonische Töne korre-
spondieren mit der Harmonie der Klänge; aber
die Malerei erreicht eine Einheit, die der Musik
verschlossen bleibt, die Musik basiert auf dem

Anm. d. Red. Diese Aufzeichnungen sind einem Skizzen-
buch Gauguins vorangestellt; sie wurden von einem Freunde
des Künstlers nach Europa gebracht und zuerst in der Zeit-
schrift „verse et prose" veröffentlicht.

Nacheinander der Akkorde und der Geist ermüdet,
wenn er Anfang und Ende zusammenfassen will.
Das Ohr ist im ganzen genommen ein niedrigerer
Sinn als das Auge. Das Gehör vermag nur einem
Ton auf einmal zu dienen, das Gesicht dagegen er-
fasst alles mit einem Blick, und vereinfacht dabei
nach Gutdünken.

Hört man Musik oder betrachtet man ein
Bild, so kann man sich ruhig seinen Träumen hin-
geben. Beim Buche wird man zum Sklaven des
Verfassers.

Der Schriftsteller muss sich an die Intelligenz
wenden, ehe er den Zugang zum Herzen findet,
eine Sensation, die durch die Überlegung gegangen
ist, büsst an Unmittelbarkeit ein.

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