Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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BILDNIS DES ÄGYPTISCHEN KÖNIGS AMENOPHIS IV., KALKSTEIN. 2. JAHRTAUSEND
ÄGYPTISCHES MUSEUM, BERLIN

EINE ÄGYPTISCHE KÖNIGSBÜSTE

AUS DEM ZWEITE*! JAHRTAUSEND
VON

H. FECHHEIMER

Bei der Ausgrabung der Deutschen Orientgesellschaft
im Jahre 191 i/n im Tell-Amarna wurde in einer
freigelegten Bildhauerwerkstatt aus der Zeit Ameno-
phis IV. neben anderen Arbeiten eine Kalksteinbüste des
Königs gefunden, die jetzt im Oberlichtsaal des Berliner
Ägyptischen Museums aufgestellt ist.

Der Name Amenophis IV. ist nicht geschichtlich über-
liefert wie der eines Menes, Sesostris oder Ramses; er
wurde erst durch die Entzifferung der Hieroglyphen-
schrift und die Ausgrabungen bekannt. Seine Re-
gierung 1375 — 1 3 y 8 v. Chr. war eine der bewegtesten
Zeiten der inneren Geschichte Ägyptens. Vom König
selbst ging eine eingreifende religiöse Umwälzung aus,
die darauf hinzielte, eine vielleicht ältere esoterische
Lehre zur Staatsreligion zu erheben und die Scharen
menschlicher und tierischer Götterbilder durch ein ein-
ziges Symbol von primitiver Größe zu ersetzen: das
Bild der „lebenden Sonne, die zuerst lebte". Ein Denk-

stein in Kairo zeigt Amenophis vor diesem Bild der
Sonne kniend; sie berührt mit ihren Strahlen, die in
Hände ausgehen, den König und die Opfergaben, die er
darbringt. „Du gehst auf im östlichen Horizonte und
erfüllst die Erde mit deiner Schönheit. Du bist schön
und groß und funkelnd und hoch über der Erde. Deine
Strahlen umarmen die Länder, soviele du geschaffen
hast. Du bezwingst sie durch deine Liebe". „Gehst
du unter im westlichen Horizonte, so ist die Erde finster
als wäre sie tot. Die Erde schweigt: der sie schuf, ruht
in seinem Horizonte". „Du schufst den fernen Himmel,
um an ihm zu strahlen, um all dein Erschaffenes zu
sehen, allein, aufgehend in deiner Gestalt als lebende
Sonne, erglänzend, strahlend, dich entfernend, wieder-
kehrend". So heißt es in dem großen Sonnenhymnus,
der auf den Grabwänden in Tell-Amarna eingemeißelt
ist und den der König wohl selbst verfaßte. Auch die
wenigen Kunstdenkmäler, die bei der erbitterten Gegen-

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