Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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AUGUST ENDELL, TRABRENNBAHN IN MARIENDORF. BLICK VOM CAFEPAVILLON

NEUE ARBEITEN VON AUGUST ENDELL

VON

KARL SCHEFFLER

s stellt sich heraus, dass die wenigen
recht behalten, die an Endells Ta-
lent und an seine Entwicklung ge-
3j|j> glaubt haben. In aller Stille ist uns

'•/i^N^in diesem Künstler, der vom Stu-
dium der Philosophie zum Kunst-
gewerbe kam, der mit seinen ersten
ornamentalen Bildungen dann die Lachlust der Phi-
lister erregte, und der inzwischen von den Erfolgs-
eklektikern als ein zurückgebliebener Romantiker
schon abgethan worden ist, ein moderner Baumeister
herangereift. Es zeigt sich nun, dass all der Sturm
und Drang, die dieses grübelnde, intellektuelle
Talent über viele Wege und auch wohl Abwege
haben gehen lassen, keineswegs nutzlos gewesen
sind. Endeil ist in seinen neuesten Arbeiten freilich
ebendahin gekommen, wo erfolgreiche Puristen
schon seit Jahren stehen: zu einer Einfachheit,

die aus Zweckbegriffen und statischer Notwendig-
keit die Bauformen entwickelt, zu einer Strenge,
die das Architektonische aus dem Tektonischen
ableitet, und die zugunsten künstlerisch erhöhter
Sachlichkeit auf Dekoration mehr und mehr ver-
zichtet; aber Endell ist nun doch in einer anderen
Weise einfach und streng als die, die so früh vor
ihm „fertig" geworden sind. Bei ihm kann man
in einer ganz anderen Weise von einer Klärung
sprechen, weil ihr wirklich eine grosse Gärung
vorangegangen ist, seine Strenge hat persönlichen
Charakter, weil in seiner Entwicklung Charakter
gewesen ist, seine Objektivität ist voller Eigenart,
weil sie das Resultat erlebter und schicksalhaft
empfundener Einsicht ist. Endell hat es sich ehr-
lich sauer werden lassen. Er ist niemals den be-
quemen Weg gegangen. Weil er vom Wesen der
Baukunst eine hohe Meinung hat, ist er in aller

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