Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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tm Jahre Siebzehnhundert war an einem nebeligen und kalten Herbst-
^p|abend in London in der niedrigen holzgetäfelten guten Stube des
^•'falten Wirtshauses zum Anker eine kleine Gesellschaft von Kapitänen
"iund Reedern versammelt. Die Männer tranken einen schweren Süd-
Owein aus grossen Gläsern, priemten und spuckten. Das Gespräch war
7~^rnach manchen verschiedenartigen Erzählungen auf das damals in
diesen Kreisen unerschöpfliche Thema der Flibustier gekommen, die im Golf von
Mexiko die merkwürdigsten Thaten gegen die Spanier vollführt hatten. Einer der
älteren Kapitäne hatte in seinen jungen Jahren noch unter Monbars gedient. Er
hatte erzählt, wie Monbars in einem kleinen offenen Ruderboot mit zwölf Mann
sich an eine spanische Fregatte gehakt, an Bord geklettert war, und mit seinen
Leuten sich durch die spanischen Soldaten mit dem Säbel durchgeschlagen, von
vorn bis hinten und dann wieder zurück, und wie er immer ausrief, während die
Spanier vor ihm fielen: „Und das muss ich thun, der ein so weiches Herz hat."
„Wie die Hammel vor dem Hund drängten sie sich", erzählte er.

Ein alter weisshaariger Reeder mit ausrasiertem Kinne sagte mit gespielter Gleich-
gültigkeit: „Ich habe gestern mit Morgan zusammen auf einer Bank gesessen und
habe ihm Schwamm für seine Pfeife gegeben! Die Männer lachten. Er wieder-
holte unerschüttert „ich habe ihm Schwamm gegeben". Dann erzählte er.

„Wie ein alter Affe sah er aus, dem man die Haut im Gesicht abgezogen hat

Anm. der Red. Diese Novelle von Paul Ernst steht in dem bei Meyer und Jessen erschienenen Buch „Der
Tod des Cosimo".

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