Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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Werke von

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:h Albrecht
U.R.

HONORE DAUMIER, VOR GERICHT. ZEICHNUNG

AUSGESTELLT IM FRANKFURTER KUNSTVEREIN

UKTIONSNACHRICHTE N

HAMBURG

Sammlung Friedmann-Hamburg.
Nachdem kaum die Galerie
Weber,und damit die bedeutendste
hiesige Sammlung alter Kunst,
dem Kunstmarkte zum Opfer gefallen ist und nur durch
Lichtwarks Geschicklichkeit die Hauptschätze der
Hamburger Kunstlialle gerettet worden sind, soll jetzt
eine unserer reichsten Sammlungen moderner Kunst
aufgelöst werden. Die Galerie Jerome Friedmans in
Hochkamp bei Hamburg soll am 29. Oktober bei Lepke
verauktioniert werden. Diese Sammlung umspannt die
ganze Entwicklungsreihe der modernen Malerei von
Corot-Courbet bis zum Berliner Sezessionismus und
Hodler. Sie deutet spätere Bestrebungen in Bildern von
Camoine, Baum, Breetz tastend an. Sie trägt daher
weniger den Charakter eines starken persönlichen Ge-
schmacks, einer eng gebundenen Richtung, sondern sie
zeigt in ihrer Vielseitigkeit einen feinen Spürsinn für
die tragenden Kräfte und ein treffsicheres Urteil für
Qualität. Die ersten weniger glücklichen Käufe, die
von der Lehrzeit, den Anfängen der privaten Sammel-
tätigkeit zu zeugen pflegen, sind offenbar mit grosser
Klugheit wieder abgestossen worden, und ein durch-
gehend hohes Niveau zeichnet so die ganze Reihe der
etwa 90 Werke aus.

Naturgemäss liegt der Schwerpunkt der Sammlung
in der zeitgenössischen deutschen Kunst, bei den führen-
den Mitgliedern der Berliner Sezession und wenigen
süddeutschen Malern. Nur gleichsam als Anreger und
Ausblicke werden ausländische Künstler in den Kreis
einbezogen.

Von Courbet sehen wir drei so charakteristische
Werke, wie die „Berglandschaft", das „Waldinnere"
und die heroisch - pathetische „Meereslandschaft mit
steiler Felsküste", von denen die beiden ersten durch
die schöne Klarheit und den Reichtum der Oberflächen-
behandlung, das letztere durch die bei Courbet nicht
häufige Grossartigkeit und elementare- Einfachheit der
Komposition ausgezeichnet sind. Kleinere Landschafren
von Corot und Daubigny, eine glitzernd kostbare
„Gruppe" von dem seltenen Monticelli gesellen sich
hinzu. Eine späte „Schafherde" von Pissarro deutet die
Entwicklung in Frankreich schüchtern an. Von deut-
schen Zeitgenossen ist Ulrich Hübner weitaus am reich-
sten, mit zwölf Werken, vertreten. Kalckreuth, Zügel,
Liebermann, Stuck sind mit kleineren Werken nicht
entscheidend repräsentiert. Dagegen ist Lovis Corinths
„Mutter und Kind" nicht nur ein Glanzpunkt in der
Sammlung, sondern zugleich ein Höhepunkt Corinth-
schen Schaffens überhaupt. Trübner ist durch einen
frühen, monumentalen „Studienkopf" und durch eins

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