Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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TU. GERICAULT, ZEICHNUNG. PARIS LOUVRE

THEODORE GERICAULT

VON

PAUL FECHTER

lin einziges Werk hat im wesent-
lichen das Bild seiner Besonderheit
bestimmt: „das Floss der Medusa",
neben dem seine übrigen Arbeiten
durchaus in den Hintergrund ge-
treten sind. Sein Name hat in der
Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst einen
guten Klang: Die Erscheinung des Menschen wie
des Künstlers aber ist im Schatten geblieben, im
Schatten dieses einen Werkes und in dem des
Mannes, in dem man gemeinhin den Vollender
dessen sieht, was Ge'ricault begann: im Schatten
Eugene Delacroix'.

Die Gründe liegen nahe. Das Leben Geri-
caults ist nicht in einer geschlossenen Entwicklung
verlaufen, sondern ist in ein paar aufleuchtenden
Werken, deren jedes seine Eigenheit für sich hat,

zum Ausdruck gekommen: wenn man von seinem
populärsten Bilde und einer Reihe von Skizzen ab-
sieht, bleibt wenig mehr als ein Viertelhundert
fertiger Arbeiten stehen. Gericault ist in raschem
Aufstieg zu Resultaten sehr verschiedener Art ge-
langt; bevor er ihre Synthese geben konnte, kam
das Ende. „Si j'avais seulement fait cinq table-
aux", sagte er immer wieder auf seinem Schmer-
zenslager, „mais je n'ai rien fait, absolument
rien." Seine theoretischen Auseinandersetzungen
mit den Problemen seiner Kunst sind wie sein
Werk, Bruchstück und Andeutung geblieben; so
war es kein Wunder, dass man sich an sein schon
rein äusserlich grösstes Werk hielt und übersah,
was dieses Leben noch an Resultaten und Ver-
sprechungen gebracht hat.

Es ist nicht wenig. Meier-Graefe hat ihn den

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