Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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KD. DEGAS, DIE PLACE DE LA CONCORDE IN PARIS
AUSGESTELLT IM FRANKFURTER KUNSTVEREIN

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DIE KLASSISCHE MALEREI FRANKREICHS IM i9. JAHRHUNDERT

(AUSSTELLUNG IM FRANKFURTER KUNSTVEREIN)

VON

ERICH HANCKE

Es wird einst in der Schule gelehrt werden, dass das
neunzehnte Jahrhundert die Blütezeit der Malerei
war und die Künstler, deren Namen uns heut so leicht
von den Lippen gehen, Ebenbürtige jener grossen alten
Meister, an die wir nur mit frommer Scheu denken.
Auch unserer deutschen Kunst, die so lange das Aschen-
brödel war, brachte dieses Jahrhundert Meister, die
Weltgrössen, nicht Provinzgrössen bleiben werden.
Neidlos sollen wir darum das Verdienst derer anerken-
nen, die allen andern bei dem Aufstiege Führer waren:
der Franzosen.

Je mehr die grosse Kunstepoche der Vergangenheit
angehören und den eigensüchtigen Interessen des Tages
entrückt sein wird, desto allgemeiner wird das geschehen;
und dass diese Zeit nicht mehr fern ist, deutet die That-
sache an, dass ein deutscher Kunstverein es unternimmt,
durch eine Ausstellung ihrer Meisterwerke seinem
Publikum einen Begriff von der Bedeutung und der
Entwicklung der französischen Malerei zu geben.

Die mehr als hundert Werke umfassende Ausstellung,

die der Frankfurter Kunstverein in vier Sälen vereinigt
hat, ist eine der schönsten, die je in Deutschland zu
sehen waren. — Sie beginnt mit Gcricault. Sechs Werke
sind von ihm zu sehen, dem Bahnbrecher, der nur Vor-
läufer war, dem zum Vollender der sichere Instinkt
fehlte. Eine tragische Natur, in der feindliche Gewalten
sich bekämpften und die an diesem Kampfe mehr als
an dem Sturz mit dem Pferde zu Grunde ging. Geri-
cault war einer der ersten Franzosen, auf die der Ein-
fluss der englisch-flämischen Kunst, durch Constable
vermittelt, einwirkte. Ein Akt, „Der Gladiator", könnte
fast eine Kopie nach Van Dyk sein, das „Brustbild eines
Negers" erinnert ebenfalls an flämische Vorbilder. Den
echten Gericault, dessen Wucht man in dem Kürassier
des Louvre bewundert, findet man in einem gewaltigen
„Pferdekopf" wieder, in dem Pathos und Natürlichkeit
sich seltsam mischen, und in dem prachtvollen Bilde
einer „Wahnsinnigen", dessen spontane Malerei um ein
Menschenalter seiner Zeit vorauseilt.

Ein „Selbstporträt", noch fast in der malerischen



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