Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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PABLO PICASSO, DER STERBENDE PIERROT
MIT ERLAUBNIS DER GALERIE KAHNWEILEK, PARIS

DIE FRÜHBILDER P1CASSOS

VON

HANS HILDEBRANDT

Der Fall Picasso ist bezeichnend für den Kunstbe-
trieb unserer Zeit. Solange der Frühgereifte feine
und edle Werke schuf, deren im besten Sinn unauffällige
Originalität in der ganz persönlichen Auffassung des
Künstlers ruht, wurde er ausser von wenigen nahen
Freunden von niemandem gekannt und beachter. Als er
dann, durch halbverstandene Theorien geleitet, auf einen
Irrweg geriet, „Kubist" wurde - und aus Überzeugung,
nicht um Geschäfte zu machen —Bilder malte, die etwas
verblüffend Neues bieten, ward er mit einem Schlage
ein berühmter Mann. Und jetzt erst wird auch jenen,
die, wie ich, nicht gewillt sind, im Kubismus die Offen-
barung einer neuen Kunstblüte zu verehren, die Gele-
genheit, die frühentstandenen, still schönen Arbeiten
kennen zu lernen. Der Fall ist typisch. Er zeigt mit er-
schreckender Deutlichkeit, dass heute nicht die Qualität
eines Werkes über seinen Ruhm entscheidet, sondern
der Grad seiner Auffälligkeit. Spekulative Köpfe ziehen
ihren Nutzen aus dieser Thatsache. Manch Sensationbild
ist nicht unter dem inneren Zwang einer echten Persön-
lichkeit geworden, so und nicht anders zu malen (es
giebt zum Glück auch noch solche), sondern es ist das
Reklameplakat eines einträglichen Geschäftsbetriebs mit
Kunst; und manches Originalgenie ist nur darin genial
und originell, dass es mit feinstem Spürsinn die snobi-
stischen Instinkte derer auszubeuten versteht, die um
jeden Preis an der Spitze des Fortschritts marschieren
wollen.

Picasso zählt nicht zu diesen Spekulanten. Er ist ein
durchaus ernst zu nehmender Künstler. Das lehren die
Gemälde, die er, bevor er zum Kubismus überging, in
aller Stille geschaffen hat, und deren Kenntnis dieser
Aufsatz weiteren Kreisen vermitteln will.

Der Trieb zur Malerei ist bei Pablo Picasso ererbt.
Sein Vater, ein „Professor der Malerei" und Zeichen-
lehrer, erteilte dem ungewöhnlich begabten Knaben, der
schon im Alter von i 2 Jahren seine ganze freie Zeit mit
Malen ausfüllte, den ersten Kunstunterricht. Die Ju-
gendjahre verlebte der angehende Maler in Pontevedra,
la Coruna und Barcelona. Als Neunzehnjähriger emp-
fing er bei einem kurzen Aufenthalt in Paris (1900) die
entscheidenden Eindrücke. Zwar kehrte er nach Spa-
nien zurück, doch gewann er bald die Überzeugung,
dass ihm selbst Madrid nicht bieten könne, was er zu
seiner Weiterentwickelung brauche. So zog er schon im
folgenden Jahr nach Paris, das er seither für längere
Zeit nicht mehr verlassen hat. Das für die Montmartre-
kneipe „Le Lapin agile" des „Pere Frederic" gemalte
Karnevalbild (Besitzer: Kahnweiler, Paris) bringt Picassos
Selbstporträt in der Maske eines Pierrots: langes schma-
les Gesicht mit auffallend kräftigen Backenknochen, ner-
vöse, durchgeistigte Züge, schlanker graziler Bau, wun-
dervolle Aristokratenhände. Nach den Schilderungen
naher Bekannter decken sich bei ihm körperliche und
seelische Erscheinung. Sein Körpergefühl ist so stark
entwickelt, dass er, vermutlich unbewusst, sich selbst

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