Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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KASTEN FÜR SCHREIBGERÄT.

GOLDLACK UND GESCHNITTENER FARBENLACK.
BESITZER: KGL. MUSEUM, BERLIN
AUSGESTELLT IN DER AKADEMIE DER KÜNSTE, BERLIN
MIT GENEHMIGUNG DES VERLAGES J. BARD, BERLIN

JAPAN 12.—13. JAHRHUNDERT

UNSTAUSSTELLUNGEN

BERLIN
Im Kunstgewerbemuseum wurde mit
einer Ausstellung von Schülerarbeiten
eine Art Rechenschaftsbericht ge-
geben. Das Resultat kann im ganzen
als vorzüglich bezeichnet werden; doch sind auch
Einwände zu erheben. Gut ist in jeder Weise der Ele-
mentarunterricht. Nach dieser Seite ist sehr erfolg-
reich neuorganisiert worden. Es wird jetzt —■ im Gegen-
satz zu früher geltenden Grundsätzen — Wert darauf
gelegt, ein naives, nicht schon in Kunstschulen ver-
bildetes dafür aber praktisch vorgebildetes, im wesent-
lichen männliches Schülermaterial zu gewinnen und
diese Jugend dann von unten herauf stufenweis zu selb-
ständiger Anschauung, Erfindung und zu soliden Hand-
werksbegriffen zu erziehen. Die Zeichen- und Pinsel-
übungen, die Naturstudien, der Unterricht im Aufteilen
von Flächen, der dann unversehens zum Architekto-
nischen und Typographischen führt und die Praxis der
Fachklassen: das alles wirkt, wie es in den Beispielen
der Ausstellung dargestellt ist, überzeugend und päda-
gogisch allgemein wertvoll. Die Problematik be-

ginnt dort, wo das eigentlich Künstlerische einsetzt.
Auf diesem Punkt fängt überall die Eigenart der Lehrer
zu wirken an, das heisst die Schüler arbeiten in den
Formen ihrer Lehrer. Da diese aber selbst noch Suchende
sind, wo es sich um formale Ausprägungen von Ge-
danken des Zwecks, der Technik und des Materials,
wo es sich um die Übersetzung des Elementaren in ein
darstellend Schönes handelt, so erscheinen die Resultate
subjektiv schwankend. Man kann sagen, dass die
Schulausstellung in besonnener Weise den Stand des
neuen Kunstgewerbes widerspiegelt; es ist das Gute
der Reformbewegung darin aber auch ihre Unsicherheit
im Künstlerischen, es ist sehr deutlich ein Fortschritt
zu sehen, aber auch jene persönliche, originelle
Reakdonärgesinnung, die der Leiter der Museums-
schule, Bruno Paul, in seiner angewandten Kunst ver-
tritt. Man verlässt die Ausstellung mit der Empfin-
dung, dass Vorzügliches in dieser ersten Kunstgewerbe-
schule Preussens schon geleistet ist, dass eine noch
grössere Beschränkung aber von Vorteil sein würde.
Noch mehr Elementarunterricht und noch weniger
,,Kunst". Und dann, bei der nächsten Veranstaltung

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