Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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EDOUARD MANET, FRAU DE NITTIS

ERINNERUNGEN AN EDOUARD MANET

VII
von ANTONIN PROUST

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Im Lauf des Jahres 1882, nach dem Sturz des Ka-
binet Gambetta kamen wir häufiger zusammen.
Sowie ich etwas freie Zeit hatte, ging ich in die
Rue d'Amsterdam. Da, in seinem Atelier, gedachten
wir vergangener Tage.

Manet kam immer wieder auf sein Lieblings-
thema, auf seine Reisen nach Cherbourg (wohin
er geeilt war, um dem Kampf der Albama beizu-
wohnen), nach Holland, Italien und Spanien. Vom
Cafe Guerbois sprach er wenig oder gar nicht.

Manchmal brachte ihn Aristide in Harnisch.

Manet zürnte ihm wegen seiner strotzenden
Gesundheit. „Dieser Kerl," sagte er, „hat seine
Amme geheiratet, das isc der reine Zuchthengst.
Ich weiss, dass er mir treu ergeben ist, und
wenn Leon ihm sagen würde, er müsse auf den
Händen zur Butte-Montmartre, er thäte es, um
mir einen Gefallen zu thun. Aber er ist zu gesund,
er bringt mich zur Verzweiflung!" Das war eine

schmerzliche Zeit für seine Freunde. Dennoch
arbeitete er, während alle versuchten, ihn zu er-
heitern. Eines Tages kam Mallarme mit seinem
Hunde Saladin ins Atelier. „Hören Sie, Mallarme,
das geht nicht, Ihr Hund da wird mir für dreissig-
tausend Francs Bilder ruinieren." Und der Hund
wurde hinausgesetzt. Eines Nachmittags, als eine
Anzahl Freunde im Atelier versammelt war, kam
der Doktor Siredey, besprach sich mit Manet über
seinen Zustand und empfahl sich. Ich begleitete
den Arzt bis hinunter, und wir blieben noch ziem-
lich lange im Gespräch auf dem Hof. Als ich
zurückkam, nahm mich Manet beiseite und fragte,
was Siredey mir über seinen Gesundheitszustand
gesagt habe.

„Er hat mich gebeten, lieber Freund, dich vor
dem Gebrauch zu vieler Arzeneimittel zu warnen."

„Und das war alles:"

„Nein, er hat auch von seinem Gesundheits-

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