Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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■ UKTIONSNACHRICHTEN

BERLIN
Alte persische und türkische

Kunst
(Sammlung von Schmidthals-Tehe-
ran und Berliner Privatbesitz.)
Am 29. und 30. Januar kam bei Lepke zum ersten
Male eine grössere Anzahl mohammedanischer Antiqui-
täten zur Versteigerung, und es ist interessant, die Er-
wartungen und die Ergebnisse einer solchen Erstlings-
auktion einander gegenüberzustellen. Der Katalog
wies über 400 Nummern auf; darunter war zwar die
persische und türkische Keramik allein mit mehr als
zweihundert Stücken vertreten, immerhin wurde aber
auch an Teppichen, Stoffen, Metall, Glas und Miniaturen
manches Beachtenswerte geboten. Die erzielten Preise
muss man eigentlich fast durchweg als verhältnis-
mässig niedrig bezeichnen, wenn man berücksichtigt,
dass es sich meist um Gegenstände von besserer Qua-
lität handelte, abgesehen von einigen wirklich hervor-
ragenden Stücken und einem nicht zu starken Prozent-

satz massiger Ware. Bei dieser Verteilung hätte man
auf eine starke Beteiligung aus Sammler- und Händler-
kreisen hoffen dürfen, denen hier offenbar eine günstige
Gelegenheit gegeben wurde, sich mit einem neuen Ge-
biete ohne besonderes Risiko zu befassen. Aber eigen-
tümlicher Weise war die Zahl derjenigen, die die Kon-
junktur verstanden, auffallend gering. Die wenigen,
die sich in islamischer Kunst einigermassen auskannten,
Hessen sich durch die minderen Stücke abschrecken und
übertrugen ihr ablehnendes Urteil von diesen auf die
übrigen, andere hingegen, die wohl Lust gehabt hätten,
sich dieses oder jenes zu ersteigern, wurden durch die
Vorstellung von hohen Preisen entmutigt, die hie und
da für ähnliche Stücke bezahlt worden sein mögen, und
gingen gar nicht erst hin. So litt die Auktion vor-
nehmlich daran, dass die Frequenz zu schwach war,
und das Nachsehen haben wie immer in erster Linie
die Abwesenden. Kein Wunder also, dass einige wirk-
lich belanglose Stücke, auf die sich der eine oder an-
dere kapriziert hatte, lächerlich hoch bezahlt wurden,

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FERDINAND HODLER, SCHWEIZER LANDSCHAFT

SAMMLUNG GÜNZBURGER IN DER GALERIE HELBING, MÜNCHEN

MIT ERLAUBNIS VON II. O. MIETHKE, WIEN

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