Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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der Kirche S. Domingo el Antiguo in Toledo an
das Museum von Chicago. Zwei andere Grecos
derselben Kirche („Himmelfahrt der Jungfrau"
und den „H. Martin") verkaufte Goupil vor einigen
Jahren an die amerikanische Sammlung Widener
für eine Million.

Goya hat ein wenig länger gebraucht, war
aber nie ganz so billig wie Greco. Auf der Vente
Oudry in Paris im Jahre 1869 erwarb Durand-
Ruel „La Femme ä l'eventail" (jetzt im Louvre)
für 2300 Fr. und die sogenannte „Maitresse de
Goya" (Femme ä la guitarre) für 4200 Fr. Durand-
Ruel Hess darauf in Spanien Goyas aufkaufen und
hing sie in die sogenannte Sammlung Edwards, die
eine Erweiterung des Durand-Ruelschen Geschäftes
war. Edwards war sein Bankier. Unter Edwards'
Namen Hess Durand-Ruel 1870 fünf seiner Goyas
im Drouot versteigern. Der Erfolg war massig.
Das sogenannte Bildnis von Charlotte Corday wurde
von Durand-Ruel zu 14500 Fr. zurückgezogen
und drei Jahre darauf für 18000 Fr. an den Baron
Nathaniel de Rothschild verkauft. Die erwähnte
,.Maitresse de Goya", die 4200 Fr. gekostet hatte,
wurde für 1 1 600 an den Grafen Pommereul ver-
kauft. Auf der Vente Pommereul im Jahre 1905
kaufte Durand-Ruel das Bild für 84700 Fr. zu-
rück und verkaufte es mit Zuschlag an Havemeyer
in New York. Von da an begannen die Pariser
und Londoner Händler und in Wien das Haus
Miethke eifrig in Spanien zu kaufen. Der erste
höhere Preis war der für das berühmte Damen-
bildnis im Besitz von Model, das Durand-Ruel
mit 100 000 Fr. bezahlte und wesentlich teuerer
an Havemeyer verkaufte. Für die arg rampo-
nierten „Majas am Balcon" zahlte Havemeyer
250000 Fr. Denselben Preis gab Huntington für
seine „Herzogin von Alba". Heute werden in
Madrid für ein paar berühmte Frauenbildnisse eine
Million Francs für das Stück gefordert. Der Be-
sitzer der „liegenden Frau mit der Guitarre",' ein
Madrilener Aristokrat, soll einen solchen Preis
ausgeschlagen haben.

Delacroix.

Delacroix gehört zu den Auserwählten, die von
Beginn ihrer Laufbahn an verkauften. Der Staat er-
warb die „Dantebarke" für 2000 Fr., die „Femmes
d'Alger" für 3 000 Fr. und zahlte für die Dekoration
der Bibliothek der Chambre des Deputes 20000 Fr.
Delacroix hatte immer einen kleinen Kreis von
Liebhabern, die seine Werke schlecht und recht
bezahlten. Der grösste Meister der Franzosen hat

zu Lebzeiten nie sehr hohe, wenn auch zuweilen
ansehnliche Preise erzielt. Auch nach dem Tode
des Meisters sind seine Werke nie so hoch bezahlt
worden, wie die geringerer Zeitgenossen, zum Bei-
spiel die Troyons, Millets und Meissoniers, und zu-
weilen haben die Enthusiasten, namentlich in den
siebziger und achtziger Jahren, empfindliche Ein-
bussen erlitten. Es ist anzunehmen, dass in nicht
allzulanger Zeit die Preise für Werke Delacroix'
den Rekord des internationalen Markts halten
werden. Seine Zeit scheint erst jetzt zu kommen.

„Marino Faliero" (Robaut Nr. 160) Salon
1827. Delacroix soll das Bild bald darauf an einen
Liebhaber für 1800 Fr. verkauft und es später für
3000 Fr. zurückgekauft haben. Jedenfalls behielt
er es bis 1856. Damals verkaufte er es für
1 2 000 Fr. an Bournet-Aubertot, der es an Pereire
weitergab. Dieser verkaufte es für 60000 Fr.
Wallace erwarb es etwa 1872 für 80000 Fr.
(Wallace-Collection, London).

1852 wurden im Hotel Drouot für die schöne
Variante der „Entree des CroisesaConstantinople",
die jetzt in der Kollektion Moreau des Pavillon
Marsan hängt, 3350 Fr. gezahlt. Der Preis war
ein Ereignis.

„La Mise au tombeau" (Robaut Nr. 1035)
wurde von Delacroix in den fünfziger Jahren an den
Marquis de Geloes für 6000 Fr. verkauft. Dieser
trat das Bild später an Faure ab. Auf der Vente Faure,
1873, erwarb es Durand-Ruel für 60000 Fr.
Er verkaufte es dem Museum van Boston für
100 000 Fr.

„Le Combat du Giaour et du Pascha" (Robaut
Nr. 600) von Delacroix für 800 Fr. Vente Collot,
1850, für 1600 Fr. an Davin. Vente Davin, 1863,
für 7350 an Pereire. Vente Laurent-Richard,
1 878, 27 000 Fr.

„Les deux Foscari" (Robaut Nr. 1272), Exp.
universelle 1855, von Delacroix für 5000 Fr.
Vente Faure 1873 für 79 500 Fr. an Durand-
Ruel. Durand-Ruel an Oppenheim. Vente Oppen-
heim, 1877, für 79500 Fr. an den Duc d'Aumale
(Museum von Chantilly).

„La Mort de Sardanapale" (Robaut Nr. 198),
Salon 1827. Delacroix verkaufte das Riesenbild
an den Deputierten Wilson für etwa 2000 Fr.
Vente Wilson 1873 ^ir 96000 Fr. an Durand-
Ruel. Durand-Ruel einige Jahre später für 60 000 Fr.
an Duncan in London. Vente Duncan 1889 für
34000 Fr. an Haro, der es mit geringem Nutzen
an den Baron Vitta, den gegenwärtigen Besitzer,

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