Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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den Meisterwerken alter Glasmalerei in unsern goti-
schen Domen, sowohl koloristisch wie auch der monu-
mentalen Beseeltheit der Zeichnung nach. Aber nicht
weiter als unsere Zeit im Künstlerischen überhaupt von
jenen Epochen getrennt ist. Jedenfalls bezeichnen diese
Versuche einen neuen Anfang, nach dem wir noch zu
ungeahnten Erfolgen gelangen können und der auf
Wege weist, die manchem Talent unserer Jüngsten aus
unfruchtbarer Problematik erlösen können.

Die hier abgebildeten Glasbilder sind aus dem Chor
der Kirche. Jedes Fenster enthält vier Einzelgruppen
übereinander. Unten werden sie gestützt durch einen
ornamentalen Sockel und oben ebenso bekrönt. Ein
Beispiel dieses Ornamentes ist den Abbildungen hinzu-
gefügt worden. Die Figurengruppen des Schiffes sind

etwas grösser gehalten als die des Chors, auch ist die
Gesamtfarbe etwas heller gegenüber der tiefen, glühen-
den, gewissermassen kontrapunktisch durchgearbeiteten
Pracht der Chorfenster. Die Technik der Ausführung
entspricht in jeder Weise der Wirkungsabsicht; sie ist
kräftig, breit und herb; die Gegner dieser Art von Glas-
malerei sagen sogar sie sei roh. Man darf gespannt sein,
welcher Art die Wirkung des Kircheninterieurs sein
wird, wenn es fertig ist. Wahrscheinlich wird der Ein-
druck bedeutend sein. Einen entfernten Begriff erhielt
man auf der Kölner Sonderbund-Ausstellung dieses
Sommers, wo einige Chorfenster einem dunklen Raum
eingebaut waren. Fest steht schon heute, dass der neuen
dekorativen Kunst wertvolles Neuland erobert worden

Karl Scheffler.

ist

JOHAN THOR

IN PRIKKER, GLASFENSTER FÜR EINE KATHOLISCHE KIRCHE

FÜHRT VOR GOTTFRIED HEINERSDORFF, BERLIN

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