Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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AUGUST VON PETTENKOFEN, BILDNIS EINES UNGARISCHEN
ADELIGEN

F. J. Grafen von Saurau, dennoch verdient auch sie die
Wertung hoher Kunstleistung. (Abb. S. 428) Die Arbeit,
Ol auf Leinwand, 67 : $4 cm, ist eine Studie nach der
Natur zu dem ausgeführten Gemälde, das sich in Graz
befindet,und 1798 entstanden. Fügergaltbisher,undnicht
mit Unrecht, als die Wiener Spielart des Pariser Jacques
Louis David, als österreichischer Repräsentant des fran-
zösischen Römertums, wie es zu Beginn des neunzehnten
Jahrhunderts in Erscheinung trat. Er brachte auf ausge-
dehnten Leinwanden neben anderen wienerischen An-
tiken, die Ermordung Cäsars, den Tod des Germanicus
und sonstige Heroengeschichten, die dazumal in Wort
und Bild verherrlicht wurden, zur Darstellung, Der
Quell, aus dem er schöpfte, war nicht die Natur, sondern
die Antike. Ein Beginnen, als Methode gänzlich ver-
fehlt, weil das Wissen Wissenschaft blieb und nicht Kunst
wurde. In der That lassen uns Fügers Historienbilder
trotz korrekter Zeichnung, geschickter Anordnung der
Figuren und geschmackvoller Farbenzusammenstellung
kühl bis ans Herz hinan. Anders verhalten wir uns
seinen Porträts gegenüber, namentlich dann, wenn sie,
wie das hier in Rede stehende, das grosse malerische
Qualität hat, auf „Zurichtung" Verzicht leistend, einfach
geschaute Natur einfach wiedergeben. Trotzdem wird

Fuders Ruhm auch fürderhin seine unvergleichliche Mei-
sterschaft in der Miniaturmalerei ausmachen.

Das zeitlich jüngste Stück der Neuerwerbungen ist
das Bildnis des ungarischen Magnaten Johann Imredy
Edlen von Omorovicze von August von Pettenkofen.
(Abb. S. 428) Öl auf Holz, 5-7 : 45 cm, signiert „C. A.
Pettenkofen 850". Im Arrangement und Ton zeigt das
vorzügliche Porträt augenfällige Abhängigkeit von der
Art und Weise der Altwiener Malerei, im Stilleben auf
dem Tische etwa von Danhauser, in der Malerei des
Kopfes und einigem anderen von Waldinüller. Das Ge-
genstück zu diesem Bildnis hängt in der österreichischen
Staatsgalerie.

Die übrigen Neuerwerbungen, ergänzen den an
sich reichen Bestand der Sammlung an einzelnen Stellen.
Ich nenne: eine Skizze zu einem Fresko von Daniel
Gran, zwei Skizzen zu Altarblättern von Kremser-
Schmidt, eine Skizze zu dem Deckengemälde des kunst-
historischen Hofmuseums von Michael Munkaczy, ein
Bildnis der Herzogin von Angoulcme, Tochter Maria
Antoinettes, von einem unbekannten österreichischen
Maler vom Ende des achtzehnten Jahrhunderts, eine, Dar-
stellung im Tempel" von Jan Scorel, eine Abendland-
schaft von Lucas van Uden mit Staffage von David Te-
niers d. J., und ein grosses Gemälde von Luca Giordano,
den Tanz König Davids um die Bundeslade darstellend.

HEINRICH FÜGER, BILDNIS DES KANZLERS GRAF SAURAU

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