Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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damit! Fange oben an der Ecke an und setze einzeln
neben einander Strich für Strich, eine Zeile unter die
andere; von Zehn zu Zehn mache durch einen ver-
längerten Strich eine Unterabteilung, von Hundert zu
Hundert eine Oberabteilung, von Tausend zu Tausend
einen Abschluss durch einen dickeren Sparren oder
Sperrung. Solches Dezimalsystem ist vollkommene
Zweckmässigkeit und Logik, das Hinsetzen der einzel-
nen Striche aber der in vollendeter Tendenzfreiheit, in
reinem Dasein sich ergehende Fleiss. Zugleich wird
dadurch ein höherer Zweck erreicht. Hier in diesem
Versuche zeigt sich immer noch ein gewisses Können;
ein Unerfahrener, Nichtkünstler hätte die Gruselei nicht
zustande gebracht. Das Können aber ist von zu leib-
hafter Schwere und verursacht tausend Trübungen und
Ungleichheiten zwischen den Wollenden; es ruft die
tendenziöse Kritik hervor und steht der reinen Absicht
fort und fort feindlich entgegen."

Mit Bezug auf die die K. B. Graphische Sammlung
betreffende Notiz in Heft VI, Seite 330 und 3 31 erklärt
die Direktion, dass die Graphische Sammlung bei der
Auktion Flinsch doch vertreten gewesen sei und zwar
durch das Kommissionsmitglied Dr. von Ritter.

In Anschluss an diese Berichtigung ersucht uns der
Verfasser der Notiz, Dr. Uhde-Bernays, festzustellen,
dass von ihm nicht das Fehlen der Graphischen Samm-
lung in München, sondern das „Fehlen der Münchener
Direktoren" bemerkt worden sei, wie es sich aus dem
Text seiner Notiz deutlich ergebe und wie es den That-
sachen entspräche.

«■

Karl Koetschau hat den an ihn ergangenen Ruf als
Direktor der Städtischen Museen in Düsseldorf ange-
nommen. Seine Aufgabe besteht in der Schaffung einer
modernen Galerie. Dabei soll er grosse Freiheit haben
und an keine Kommission gebunden, sondern nur von
einem kleinen künstlerischen Beirat begleitet sein.
Zweifellos wird auf die Zusammensetzung dieses Beirats
viel ankommen; aber in Düsseldorf fasst man die Wahl
Koetschaus an sich schon als einen Erfolg der Konser-
vativen auf. Koetschau soll zwar gesagt haben: „Mit
den neuesten Moden gehe ich nicht, wohl aber bin ich
für den Impressionismus — Qualität ist mir alles." Es
fragt sich aber, ob er selbst beim besten Willen diesem
Programm in Düsseldorf wird folgen können. P. M.

Die Nachricht, dass die Sammlung Marcel von Ne-
mes im Mai bei Petit in Paris versteigert werden soll,
ist nicht widerrufen worden.

Herr von Nemes, der nach aussen als Besitzer dieser
schönen und in vielen Teilen vorbildlichen Sammlung
zeichnet, ist durch diese Nachricht in nicht geringem
Grade ein Objekt der verschiedenartigsten Glossen ge-
worden. Mit Recht. Denn er selbst hat seine Stellung
zweideutig gemacht. Als einer unserer Mitarbeiter ge-

legentlich der Ausstellung der Sammlung in Düsseldorf
— übrigens als erster — das Gerücht erwähnte, Nemes
wolle der Stadt für 400 000 M. Bilder verkaufen, prote-
stierte nicht nur der Oberbürgermeister, sondern auch
Herr von Nemes forderte eine Berichtigung. Er schrieb
damals, jene harmlose Notiz sei geeignet, sein Ansehen
vor der künstlerischen Welt zu diskreditieren, indem sie
ihm spekulative Nebenabsichten unterschiebe, und er
verlangte für seinePerson eine „Rehabilitierung". Wenn
Herr von Nemes sich damals schon „diskreditiert" gefühlt
hat, wo nur der Verkauf weniger Bilder vermutet wurde,
wie muss er sich dann erst diskreditiert fühlen, wo nun
seine ganze Sammlung unter den Hammer kommt.
Wenn alle Bilder fort sind, muss es eine „Rehabilitie-
rung", wie Herr von Nemes es nennt, ja gar nicht wie-
der geben. In solche Situationen gerät man durch Un-
klarheit. Herr von Nemes wollte immer als etwas
anderes erscheinen als er war, er wollte idealer er-
scheinen. Die Sammlung wird durch alle diese Possen
nicht schlechter, sie ist in Wahrheit nach wie vor eine
der merkwürdigsten und interessantesten Sammlungen,
wie immer sie auch zusammengekommen ist; aber es
wird einmal mehr die Thatsache unterstrichen, dass der
idealen künstlerischen Tendenz einer Sammlung oder
doch dem, was dem Unbefangenen so erscheint, keines-
wegs immer die realen Tendenzen ihres Besitzers oder
Verwesers entsprechen.

Es ist bedauerlich, dass Hugo von Tschudi sich über
den Charakter der Sammlung Nemes insofern täuschte,
als er den nominellen Besitzer dieser Sammlung zu
dessen Gunsten verkannte. Aber es sei betont, dass
das, was Tschudi prinzipiell über den neuen Sammler-
typ sagte, dadurch an Richtigkeit nichts verliert. Er hat
etwas allgemein Richtiges nur am untauglichen Objekt
demonstriert.

Zu bedauern bleibt es auch, dass die schöne Samm-
lung nun auseinandergerissen wird. Ein geschickter
Museumsmann hätte daraus den Kern einer vorbild-
lichen öffentlichen Sammlung machen können, in der
die klassischen Werke modern erscheinen und die mo-
dernen klassisch.

Bei Gelegenheit des Todes Pierpont Morgans hat
ein Mitarbeiter der „Vossischen Zeitung" den General-
direktor Bode über Morgans Sammlereigenschaften be-
fragt. Was Bode ihm mitgeteilt hat, ist so interessant,
dass wir einiges davon wiedergeben:

„Pierpont Morgan ist vom Kunststandpunkt für
Amerika zweifellos bahnbrechend gewesen. Mit ihm
beginnt in den Vereinigten Staaten das Sammeln alter
Kunst in grossem Stil.

Seine Thätigkeit als Kunstsammler entfaltete Mor-
gan eigentlich erst so recht, nachdem er vor etwa sieben
Jahren zum Präsidenten des Metropolitan Museums ge-
wählt worden war. Seit der Zeit hat dieses Museum
mindestens zwei Millionen Mark für Erwerbungen jähr-

■Pr\n dazu

lim

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