Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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Louveciennes seine Übergangszeit zum energischen Ab-
lehnen aller an Arrangement nur äusserlich erinnernden
Landschaftsmotive, etwa von Anfang der siebziger Jahre
an, trefFlich repräsentierte. Durch Bilder wie die ge-
nannten Werke von Daumier, Courbet, Sisley, wozu man
Diaz, Couture und einige Kabinetsstücke von Corot,
Daubigny und ihrem Kreise rechnen muss, gewinnt sich
diese Ausstellung in der Galerie Heinemann, eine vor
allem für den Freund dieser Kunst zu würdigende in-
time Anregungsfähigkeit. Es ist eine geschickt zu-
sammengestellte kleine Sammlung selbständiger Doku-
mente, kein planloses Anheften unpersönlicher Visiten-
karten. U.-B.

CLAUDE MONET, AM STRANDE VON TROUVI1LF.
AUSGESTELLT IN DER GALERIE HE1NEMANN, MÜNCHEN

STUTTGART

Im Museum der bildenden Künste ist schon seit Jahres-
frist als Originalwerk von Leibl die Bildnisstudie einer
alten Frau ausgestellt, eine mittelgute Schularbeit, deren
schwammige Formengebung sofort stutzig machen
müsste, die aber überdies weder Mayr, Sperl, Trübner
noch irgendeinem andern Leiblkenner als Arbeit des
Meisters bekannt ist. Nach der warnenden Publikation
von Julius Mayr im Jahrgang VII dieser Zeitschrift ist
die Bezeichnung dieses Bildes mit dem Namen Leibls
doppelt unbegreiflich.

Sehr erfreulich ist, dass die Galerie nun endlich in
den Besitz des wichtigsten Werkes von H. Pleuer ge-
kommen ist, des grossen, 1887 entstandenen Bildes „im
Atelier", dessen beinah grau in grau gehaltene Ton-
malerei Einzelheiten hat, die anLeiblgemahnen, während
im ganzen ein gewisser Mangel an letzter schöpferischer

Geschlossenheit die Grenzen dieses grossen Talentes
bezeichnet.

Im „Württemberger Kufistgewerhehaus" zeigte Bern-
hard Pankok die von ihm für Mozartaufführungen des
Kgl. Hoftheaters entworfenen Kostüme und Skizzen.
Die Ausstellung einiger, trotz ihrer graphischen
Gebundenheit, überaus frisch und lebendig erfasster
Bildnisse Pankoks erweckt den Gedanken, man könnte
vielleicht das dem Museum gehörige Porträt tauschen
gegen das viel eindrucksvollere des trefFlich charakteri-
sierten Galeriedirektors Max Diez. Wie man berühmte
Zeitgenossen ehrt, hat den Stuttgartern kürzlich A. Licht-
wark gezeigt, indem er Pankok beauftragte, für die
Hamburger Kunsthalle den Grafen Zeppe-
lin zu malen.

Das Ende März eingeweihte Kunstge-
bäude zeigt die Vorzüge und Schwächen
seines Baumeisters Th. Fischer in beson-
derem Maasse. Wenn man versucht, sich
die mutmassliche äussere Erscheinung des
Gebäudes an Hand des trefflichen Grund-
risses von dem als Fest- und Ausstellungs-
raum gleich geeigneten Kuppelsaal aus
vorzustellen, denkt man sich unwillkürlich
rings um diesen herum symmetrisch ange-
legte, flach gedeckte Ausstellungsräume,
die so niedrig sind, dass der Aufbau des
Zentralraums auch nach aussen voll-
kommen klar bleibt. Die durch den läng-
lichen Platz gegebenen Vorhöfe vermutet
man offen oder durch Umbauten abge-
schlossen, die wiederum gleichmässig
niedrig sind und so auch ihrerseits dem
Mittelbau seine beherrschende Wirkung
lassen. Fischer aber hat allen möglichen
materiellen und praktischen Zwangslagen
zuliebe nach der einen Strassenseite steile
Oberlichtlaternen, nach der anderen ein
Pultdach mit vorgebauten Kammerfenstern
anbringen müssen. Nach dem Schlossplatz zu steht
sogar eine erhöhte Säulenvorhalle, deren Zweck zwar
theoretisch ohne weiteres einleuchtet, da sie, direkt
von vorn gesehen, den Platz gut abschliesst, den Haupt-
linien des schönen Schlossbaus vorzüglich angepasst ist
und mit der Kuppelsilhouette zusammen einen rhyth-
misch lebendigen, fast zierlich zu nennenden Gesamt-
eindruck ergiebt, — die aber doch den Sinn der Bauan-
lage bedenklich verschleiert. Es ist da eine ornamental-
dekorative Scheinfassade geschaffen, die allerdings mit
schöner Selbstverständlichkeit auf dem so vielgestaltig
umrahmten Schlossplatz steht, jedoch immer ein Flächen-
bild ist, das vorgeklebt scheint einer nach allen anderen
Seiten plastisch durchgefühltenundkörperlich wirkenden
Baumasse. Beide Hauptansichten aber, die vom Mar-
stall und die vom alten Schlosse aus, haben jede ihren
Reiz und ihre Grösse; dass beide nur ein durchaus selbst-

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