Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 11.1913

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REMBRANDT, LIEGENDE NACKTE FRAU. NR. 22
AUKTION HESELTINE, AMSTERDAM

Nr. 21. Frauenakt. Mit Sorgfalt nach der Natur
studiert, verblüffend plastisch. Um 1640. 13200 G.
(Louvre.)

Nr, 22. Liegende nackte Frau. Aus später Zeit.
Wundervoll in der Beobachtung des Lichtes. (14900 G.,
Rijksmuseum, Amsterdam.)

Nr. 24. Landschaft. Die grösste von Rembrandt
erhaltene Zeichnung. Bezeichnet und 1644 datiert
(30 100 G., H. G. Gutekunst, Stuttgart. Dies der höchste
Preis, der bisher für eine Rembrandt-Zeichnung gezahlt
worden ist).

Nr. 25. Ansicht vom Amstelufer. Bildmässig
durchgeführt und von besonderer Schönheit. Mit merk-
würdiger Beglaubigung derRembrandtschen Autorschaft
von der Hand Phil. Konincks. (22200 G., Edm. de
Rothschild?)

Nr. 26. Landschaft mit schwer und kräftig gezeich-
neter Baumgruppe. Ziemlich spät (20000 G., Edm.
de Rothschild?)

Nr. 27. Die Ruinen des Amsterdamer Stadthauses
(1652). (6300 G., Rembrandt-Haus.)

Nr. 28. Der Turm mit dem Namen „Montel-
baanstoren" in Amsterdam. (10400 G., Rembrandt-
Haus.)

Nr. 31. Landschaft mit Mühlen. Breit und einfach,
aus später Zeit (10600 G., Privatsammler in Kopen-
hagen).

Nr. 32. Landschaft, eine Farm unter Bäumen.
(5800 G., M. Kappel, Berlin.)

Man sieht, nicht ohne Verwunderung, dass nicht ein
Blatt nach dem gefürchteten Amerika gegangen ist und
dass englische Sammler nicht mehr mitmachen. Weniger
überraschend ist die Beobachtung, dass Verständnis und

Leidenschaft für Zeichnungen in Paris zu Hause sind
und dass le Baron Edmond so ziemlich unbesiegbar ist.
Freilich, wenn Morgan noch gelebt hätte, wäre das Er-
gebnis vielleicht anders ausgefallen. Das Merkwürdigste
aber ist die etwas gar zu spät einsetzende Bemühung
der Holländer, Zeichnungen Rembrandts zurückzuer-
obern. Was hat man alles ausser Landes gehen lassen!
Wie wenig hat man in Holland verstanden, die tüch-
tigsten Kunstkenner im Dienst der öffentlichen Institute
zu halten! Nun: wenn auch nicht mehr viel erreicht
werden kann, ist die Anstrengung, die hauptsächlich von
dem ausgezeichneten Maler und Kunstschriftsteller Jan
Veth ausgeht, jedenfalls rühmlich.

W. von Seidlitz hat kurze Zeit vor der Auktion
einen Artikel über die Rembrandt-Zeichnungen der
Heseltine-Sammlung in der Seemannschen Kunstchronik
publiziert, warnend, in allgemeinen Wendungen die
Blätter kritisierend. Nicht alle dem Meister zugeschrie-
benen Blätter seien echt, auch Autoritäten irrten zu-
weilen. Soweit der Artikel das Bereich solcher (stets
richtigen) Allgemeinheiten verlassend, bestimmte Blätter
aus der Reihe (Nr. 18, 22, 31) angriff, traf er nicht das
Richtige (oder nicht das Falsche). Die beanstandeten
Blätter wurden allgemein anerkannt, und es fehlte nicht
an Leuten, die mit ihrem Geldbeutel für ihre Überzeu-
gung eintraten. M. J. F.

BERLIN
Die Auktion der Graphik-Sammlung Weber, Ham-
burg, vom 20.—22. Mai bei Amtier &■ Ruthardt ist in ihren
Ergebnissen sehr interessant, vor allem wegen der zum
Teil ungewöhnlich hohen Preise, die für Radierungen
Liebermanns und Zorns gezahlt worden sind.

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