Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

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MARC CHAGALL

VON

KARL SCHEFFLER

Die größten von allen großen Worten, die
heute über Kunst gesprochen werden, gelten
Chagall. Er ist in gewissen Kreisen fast wie ein
Messias begrüßt, seine Werke sind dort als Aus-
geburten genialer Inspirationskraft ausgerufen wor-
den. Daß er ein Russe ist, erhöht die Anziehungs-
kraft. Aus dem Osten kommt das Licht. Chagall reprä-
sentiert angeblich die geheimnisvolle russischeVolks-
seele, die, in all ihrer mittelalterlichen Ursprünglich-
keit, einen Gogol, einen Tolstoi, einen Dostojewski
hervorgebracht und eine Revolution angezettelt hat,
worin die abstraktesten Schrecken der Phantasie
wirklich werden. Es heißt, bisher sei die russi-
sche Malerei westlich gerichtet gewesen, sie hätte
sich nach der europäischen Kunst orientiert, hätte
ebenso gewandt französisch wie russisch gespro-
chen, und wäre nur für eine kleine Gesellschaft
dagewesen; mit Chagall erst besänne sich die russi-
sche Begabung auch in der Malerei auf ihre natio-
nale, und damit auf ihre weltgeschichtliche Mission.

Dieses Urteil ist so schief, wie es die meisten
Kunsturteile sind, wenn sie aus einer literarischen
Betrachtungsweise fließen. Man kann darum auch
in diesem Fall wieder nichts besseres tun, als der
hysterisch sich gebärdenden Bewunderung und dem
peinlichen Pathos ein Bemühen um richtige Wer-
tung entgegenzusetzen.

Tritt man mit diesem Willen vor die Malerei
Chagalls, so zeigt es sich, daß man es mit einem
echten, aber mehr leichten als tiefsinnigen Talent
zu tun hat, mit einem Talent, das von seinen Be-
wunderern und von der Undurchsichtigkeit unseres
Lebens zeitweise zwar zum Mystagogischen ver-
leitet wird, das sich aber auch immer wieder auf
seine wahre Natur besinnt und dann Arbeiten von
einer feinen, ins Dekorative hinüberspielenden
Wahrheit hervorbringt. Es zeigt sich, daß Chagall
sich keineswegs grundsätzlich von den russischen
„Europäern", von Somoff, ja selbst von dem viel
äußerlicheren Benois unterscheidet, daß er in einem

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