Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

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EMIL ORLIK, EIN STÜCK WÜSTE. KREIDEZEICHNUNG

ÜBER EMIL ORLIK

VON

JULIUS ELIAS

Ich habe mir vorgenommen, hier einige moderne
Graphiker zu schildern, oder richtiger: Glossen
über ihr Wesen und Wirken zu schreiben und
beginne mit Emil Orlik. Das hat seine gute Raison:
denn nicht will ich aussagen über Maler, die auch
Graphiker sind, sondern über Künstler, die durch
die Natur zu Graphikern geschaffen wurden. Denen
in die Wiege gelegt wurde, zu schreiben und zu
schreiben, wie sie sehen und fühlen. Bei denen
die Technik des Schreibens schöpferisch wurde,
weil sie an sich etwas Geistiges und Vergeistigtes
ist und angeboren sein muß.

Emil Orlik fühlt sich mit einigem Recht schi-
kaniert, daß man ihn mit den Benennungen: der
„Vielgewanderte", der „Vielversuchte" usw. abtut,
mit Worten, die, wie er meint, am Kern seines
Wesens vorbeirutschen. Er möchte sich viel eher
einen „Lernenden" nennen und niemals etwas an-
deres sein, auch wenn das Schicksal ihm ein
Hokusaialter schenken sollte. Zu solchem Ehren-
titel glaubt er'sich durch die Handwerkstüchtigkeit
prädestiniert, die er früh bei gediegenen Meistern
erworben und dauernd vermehrt hat, nach dem
Leitsatz des Ingres: „Und habt ihr für tausend

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