Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

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KARL STEFFECK, KORSO. WASSERFARBE

AUSGESTELLT IN DER BERLINER AKADEMIE DER KÜNSTE

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BERLIN

Einen Achtungserfolg verdient die
Ausstellung von Bildern, Zeichnungen
und graphischen Arbeiten des Schwei-
zers Hermann Huber bei Paul Cassirer. Achtung erzwingt
die Gesinnung, der Ernst der Arbeit und die strenge Selbst-
zucht. Wenn man der Begabung Hubers nicht recht froh
wird, so liegt es daran, daß er sich zu einer unnatürlichen
Arbeitsweise zwingt. Er kann sich einerseits nicht von
Hodler und von allen mit diesem programmatischen Namen
verknüpften Stilabsichten lösen; und er hat sich auf der
anderen Seite der Kunst Renoirs mit Inbrunst hingegeben.
Seine Bilder sehen aus wie Ergebnisse einer Division Hodlers
durch Renoir. Das kann kein reines Fazit ergeben, es muß
ein peinlicher Rest bleiben. Huber will zwei Sehformen
vereinen, die sich nicht vereinen lassen, eine Sehform, die
alles zeichnerisch und eine andere, die alles malerisch aus-
drückt. Damit quält er sich und gelangt nur zu halben
Resultaten. In jedem Bild fast sind schöne Stellen, sind rein
empfundene Details. Aber diese Stellen gehen nicht natürlich
mit dem Ganzen zusammen. Es ist etwas mit dieser Malerei,
und ist doch auch wieder nichts damit; man sieht ein echtes
Talent im Widerstreit mit sich selbst. Das geht menschlich
nahe, bleibt künstlerisch aber ärgerlich. Daß dieser Zwiespalt
bei Huber tief geht, verraten die Schwarz-weiß-Blätter. Er
ist dort am stärksten, aber auch dort bringt die unselige
Stilabsicht eine Haltung hervor, die man schweizerisch prä-
raffaelitisch nennen könnte. Denkt man an die Ausstellung
zurück, so ist im Gedächtnis geblieben etwa ein schön ge-
malter gelber Blumenstrauß auf einem Knabenbildnis, der
Kopf eines Kindes auf einem ganzfigurigen Doppelbildnis,
das Helldunkel eines Kleides im Schatten dichter Büsche
und andere Teile dieser Art. Diese Züge weisen auf ein
nicht gewöhnliches Talent, von dem man immer noch hoffen

möchte, daß es sich aus angestrengter Doppelabsicht zu einer
naiven Entspannung durchringt.

Daneben war in den vorderen Räumen eine schöne
und endlich einmal auch eine schön gehängte Ausstellung
Meidscher Arbeiten zu sehen. Meids Radierungen sind
immer wirkungsvoll. Er hat das Geheimnis zu wirken,
selbst zu blenden, ohne der künstlerischen Haltung etwas
zu vergeben. Sein Vortrag funkelt nur so von technischer
Grazie. Daß es sich nicht um Improvisation handelt, be-
weisen die weniger wirkungsvollen Zeichnungen. Meid
braucht viele Zustandsdrucke. Er entwickelt die Wirkung
langsam und vorsichtig; was schnell hingeschrieben aussieht,
ist Ergebnis einer oft wiederholten Selbstkontrolle. Aber
das braucht den Betrachter nicht zu kümmern. Er sieht
dem Feuerwerk zu, und es entschlüpft ihm jedesmal wieder
unversehens ein „Ahl"

Einen wohltätigen Eindruck machte eine gut gehängte
Ausstellung neuer Arbeiten Artur Degners im Euphorion-
Verlag Wir haben in den letzten Wochen viel Königsberger
Kunst in Berlin gehabt; die Bilder und Zeichnungen Degners
sind aber das einzige, was nachhaltig zu interessieren vermag.
Dieser Maler hat von je seinen Weg etwa zwischen Corinth
und Marees gesucht. Und es hat ihn sein Wesen in eine
gewisse provinzielle Verwandschaft zu Münch gebracht.
Erfreulich ist die Einheitlichkeit der Anschauung. Sie ist
ja nicht eben spontan, und ist darum nicht unterjochend,
dafür wird die Naturanschauung aber auch nicht durch Quer-
verbindungen gestört, sie ist stetig und irrt nicht ab. Man
versteht vor den Arbeiten Degners, warum in den letzten
Jahren eine ganze Reihe von Schülern der Königsberger
Akademie mit beachtenswerten Leistungen hervortraten:
Degner muß seiner Anlage nach ein guter Lehrer sein.
Was seinen Bildern — und wahrscheinlich auch seiner Lehre
— zugute kommt, ist ein natürlicher Sinn für Ordnung und Kom-
position, eine gewisse spröde Sensibilität für das farbig Klang-

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