Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

Page: 274
DOI issue: DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kk1923/0284
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
A. PARTIKEL, MEERESLANDSCHAFT. 1922

AUSGESTELLT IN DER GALERIE LUTZ & CO., BERLIN

NEUE BUCHER

BESPROCHEN

VON

KARL SCHEFFLER

Fünfzig Jahre Museumsarbeit von Wilhelm
von Bode. Verlag von Velhagen & Klasing, Bielefeld und
Leipzig 1922.

Bode hat gelegentlich seines fünfzigjährigen Jubiläums
als Beamter der Berliner Museen diesen Rechenschaftsbericht
über seine Museumsarbeit gegeben. In so kurzer Form
hätte nicht besser beschrieben werden können, was die
Berliner Museen vor fünfzig Jahren waren und was sie
heute sind, was erreicht worden ist, welche Schwierigkeiten
zu überwinden waren, und wie die sich bietenden Gelegen-
heiten benutzt oder versäumt worden sind. Indem Bode
von sich selbst spricht, stellt er die Sache dar; denn für
ihn ist das persönliche Arbeitsbedürfnis und die sachliche
Leistung immer dasselbe gewesen. In dem ruhigen, fast
trockenen Bericht ist etwas heroisch Episches, weil man
erfährt, wie ein leidenschaftlicher, hartnäckiger, unbeirrbarer
Wille sich, allen Widerständen zum Trotz, durchsetzt, wie
eine die ganze Nation angehende Angelegenheit zur Sache
eines Einzelnen wird. Die großen Fragen der Zeit schimmern
überall durch: wie sich die Auffassung vom Museum in

den letzten fünfzig Jahren gewandelt hat, welche neuen
Gebiete die Forschung erobert hat, was der Organisation
auch hier verdankt wird, was schon geschehen ist, um einer
Universalgeschichte der Kunst mit Hilfe des-Museums den
Weg zu bereiten, und in welcher Weise der Kunstmarkt
im letzten halben Jahrhundert in steigendem Maße an der
Sammelpolitik beteiligt war. Es interessiert auch im einzelnen
zu erfahren, wie es bei der Erwerbung der wichtigsten
Werke unserer Museen zugegangen ist; die Schilderungen
dieser Jagd nach Kunstwerken haben stellenweis etwas Auf-
regendes. Bode schildert ohne jede Eitelkeit. Aber man
lernt nur um so mehr seine Zielsicherheit, die Vielseitigkeit
seiner Interessen, seine „Warenkenntnis", sein unerhörtes
Wissen schätzen. Und daneben kommt einem wieder das
in seinem Wesen entgegen, das man das Bismarckische
nennen könnte.

Um so tragischer ist die Resignation, womit Bode seine
Ausführungen schließt. Nicht Resignation nur über die Zeit
im allgemeinen, sondern über die Störung seiner Aufstellungs-
pläne, über eine kleinliche Gegnerschaft, die er auf den

274
loading ...