Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

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Gespräch in einer Kunsthandlung im Westen zwischen
einem Besucher und der Dame des Geschäfts:
„Was ist das für ein Bild?"
„Das ist ein Bockelmann."
„Ein Bockelmann?"

„Ja, ein Bockelmann aus den achtziger Jahren. Die
Bockelmanns aus den achtziger Jahren sind sehr selten und
sehr gesucht, es ist ein Glücksfall, daß wir diesen Bockel-
mann haben".

„Wieviel kostet er denn?"

„Zehn Millionen."

„So so!; na, haben Sie auch Bilder von radikaleren
Künstlern, zum Beispiel von Trübner?"

„Nein, Trübner ist zur Zeit nicht am Lager."
„Und Liebermann?"

Schroff: „Liebermann führen wir nicht!"

Bei der Doktorandenprüfung vor dem Bild eines alten
Meisters:

„Können Sie mir sagen, von wem dieses Bild ist?"
„Nein, Herr Hofrat."

„Können Sie mir sagen, welcher Schule es gehört?"
„Nein, Herr Hofrat."

„Können Sie mir sagen, aus welchem Jahrhundert es ist?"
„Nein, Herr Hofrat."

„Können Sie mir wenigstens sagen, welchen Heiligen
es darstellt?"

„Ich bin Israelit, Herr Hofrat."

Der alte Lippmann pflegte zusagen: „Kinder, wenn ihr
was beweisen wollt, bildet nur nichts ab!"

„Baukunst ist gefrorene Musik
bürg Taut's.

Gewiß! aber in Magde-

Ein Kunstredner hat in Gleiwitz gesprochen. Nach dem
Vortrag sitzt er mit einigen Herrn des Vorstandes zusammen
und fragt: „Gibt es hier denn garnichts zu sehen, ist in
Gleiwitz garnichts los?" Man antwortet: „Zu sehen ist hier
nichts: aber Meier-Graefe hat hier die Schule besucht".

EINUNDZWANZIGSTER JAHRGANG, ZEHNTES HEFT. REDAKTIONSSCHLUSS AM 16. JUNI. AUSGABE AM i. JULI
NEUNZEHNHUNDERTDREIUNDZWANZIG. REDAKTION: KARL SCHEFFLER, BERLIN; VERLAG VON BRUNO CASSIRER, BERLIN
GEDRUCKT IN DER OFFIZIN VON FR. RICHTER, G.M.B.H., LEIPZIG
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