Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

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STELLUNGEN

etwas Individuelles, das sich einprägt. Im übrigen ist es
nicht belangvoll, ob Waske, HeckendorfT, Kohlhoff, Kraus-
kopf, Büttner, Rössner, etwas mehr so oder mehr so
malen, ob Spiro, Linde-Walter, Klossowski, von König
dieses oder jenes Motiv in dieser oder jener Malweise dar-
stellen. Sehr respektable Leistungen zum Teil; viel äußeres
Können, zuweilen auch Geschmack und wahre Einsicht.
Ausstellungen dieser Art drücken aber auf die Stimmung.
Sie machen traurig und hoffnungslos. Sie fördern nicht.
Es scheint als ob die Kunst zu malen verloren geht, zum
größten Teil schon verloren gegangen ist. Die Künstler
scharen sich um das überragende Talent Corinths. Aber sie
haben nichts davon, sie können künstlerisch nicht davon
profitieren. Denn Corinths Wesen ist nicht schulbildend;
im Gegenteil, es verhindert die Bildung einer Schule. Lesser-
Ury ist ja auch im Schatten der Meisterschaft groß geworden.
Doch er ist Außenseiter; auch er steht ganz allein. Rings-
umher aber gedeiht die kleine Spezialität. Was die Künstler
der Berliner Sezession einigt, ist nichts Positives: sie begegnen
sich in denselben Moden und auf der mittleren Linie: das
ist das Einigende.

Im Gedächtnis bleiben diesmal zwei Stilleben und eine
Straßenlandschaft von Corinth (der gewalttätige Christus
am Kreuz bleibt nicht von selbst im Gedächtnis, denn er
ist künstlich) und zwei Bilder von Lesser-Qry (eine Szene
im Cafe und ein Blumenstrauß). Alles andere verschwimmt
in einem gestaltlosen Vielerlei. Soll man zu fischen be-
ginnen? Wem wäre damit gedient 1 K. Sch.

KARL STEFFECK, PFERD. BRONZE

AUSGESTELLT IN DER BERLINER AKADEMIE DER KÜNSTE

U N S T A U S

ZÜRICH
Im Kunsthaus war im März eine
sorgfältig behandelte, gutgehängte Aus-
stellung von Bildern, Aquarellen und
Zeichnungen Max Pechsteins zu sehen. Das Unternehmen
war gefährlich für Pechstein, denn nur wenige Künstler
vertragen Kollektivausstellungen solchen Umfanges. Am
gefährlichsten können sie Malern werden, die so ungleich
arbeiten wie Pechstein. Die Art der Aufstellung hat die
Gefahr aber gebannt. Wo die Bilder im einzelnen ver-
sagten , da wirkte die ganze Bilderwand mit jener heiteren
Dekorationsfüllc, die dem sinnlichen Talent Pechsteins eigen-
tümlich ist.

Im Kunstsalon Wolfsberg sah man zur selben Zeit eine
vorzügliche Ausstellung französischer Graphik des neun-
zehnten Jahrhunderts. Es waren eigentlich alle Blätter in
guten Drucken da, die unsere Kupferstichkabinette in ihren
modernen Abteilungen mit Stolz zu zeigen pflegen. Be-
sonders schön und reich vertreten waren Corot, Daumier,
Delacroix, Manet, Millet, Renoir, Rodin und Lautrec. K. Sch.

BERLIN

Wenn man in der Ausstellung der Berliner Sezession
vom vorigen Jahr eingeschlafen und in der diesjährigen erst
wieder erwacht wäre, so würde man kaum merken, daß
man sich in einer andern Ausstellung befindet. Nur vor
Corinths Bildern würde man's merken, denn sie allein sind

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