Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

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ARTHUR DEGNER, LANDSCHAFT MIT FIGUREN

AUSGESTELLT IM EUPH ORION-VERLAG. BERLIN

UNSTAUSSTELLUNGEN

JAKOB NUSSBAUM

Der Frankfurter Kunstverein hat eine
Kollektivausstellung von Werken Jakob
Nußbaums veranstaltet. Den Anlaß
zur Ausstellung, der sämtliche Räume des Kunstvereins ge-
widmet sind, bot der fünfzigste Geburtstag des Künstlers,
und diese Ehrung ist wohlverdient. Nußbaum hat außer-
ordentliche Verdienste um das Frankfurter Kunstleben; in
den großen und kleinen Kämpfen der Künstlerschaft, in all
ihren Angelegenheilen und Sorgen künstlerischer, organi-
satorischer, sozialer Art hat er seit Jahren offiziell und im
Stillen leitend gewirkt, stets mit seltener Sachlichkeit, Klug-
heit, selbstlos, taktvoll und erfolgreich. Aber es handelt
sich hier nicht um die Persönlichkeit, sondern vor allem
um die Arbeiten des Frankfurter Künstlers.

Wenn ein lebender Künstler von irdischem Format, der
■— wir hoffen es — in der Mitte des Schaffens steht, außer
der Graphik, den Zeichnungen und Aquarellen mehr als
sechzig Gemälde ausstellt, so ist das eine schwere Belastungs-
probe für sein Talent, besonders wenn die Auswahl durch
den Zufall der Greifbarkeit mitbestimmt wird und manche
seiner stärksten Arbeiten in der Ausstellung fehlen. Aber
Nußbaum hat diese Probe bestanden, und die zum Teil recht
anspruchsvollen Freunde seiner Kunst dürfen zufrieden sein.
Ihre Erwartungen sind bestätigt und sogar überboten. Seine
Freunde sind allerdings vornehmlich in Frankfurt zu finden,
hier trifft man seine Arbeiten in den gewähltesten Samm-

lungen, sie hängen hier neben Bildern der besten deutschen
und französischen Meister. „Außerhalb" ist Nußbaum weniger
bekannt. Frankfurt ist keine „Kunststadt", und die lokale
Schätzung, die ja oft auch Überschätzung ist, ist für den
Ruf eines Künstlers zumeist mehr hemmend als fördernd.

Nußbaum ist Frankfurter, und auch seine Kunst ist hier
beheimatet. Zwar hatte er seine Ausbildung in München
und stand in Verbindung mit der Berliner Sezession, aber
er wurzelt und entwickelt sich in dem westdeutschen Land-
strich. Daß er, ein echtes Kind des Naturalismus und pleinair
der frühen neunziger Jahre, in dem konservativen Frankfurt,
wo die Tradition der älteren Cronberger Schule sich er-
schöpfte, ein erster Exponent der damals modernen Malerei
wurde, mag nur lokale Bedeutung haben. Es ist schließlich
unwichtig, daß unter seiner Mitwirkung damals auch in
Frankfurt bald eine „Sezession" gegründet wurde! Und
daß er mit Vorliebe das Frankfurter Stadtbild, den benach-
barten Taunus, Odenwald, Vogelsberg malt, auch dies wird
einem weiteren und späteren Forum nicht wesentlich sein.
Seine Malerei hat nichts mit Heimatskunst zu tun. Aber
seine Arbeiten haben ein Eigenleben, das man als boden-
ständig empfindet und hierin ist auch die persönliche Nuance'
seiner Kunst beschlossen. Sein Charakter liegt in einer sehr
schlichten, gesetzten, sogar schweren Auffassung, die mehr
zum Naiven und Uneleganten, als zum Raffinierten und
Virtuosen neigt, mehr im Sinnlichen als im Intellektuellen
wurzelte. Dabei tritt fast stets, selbst im Porträt, die Stimmung
und sogar das Sentiment hervor; eine besonders im Anfang

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