Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

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manchmal nur einen Ton oder einen ganz einfachen Zwei-
ldang — wahrnehmen, der, aus unbewußten Tiefen der
seelischen Disposition entsprungen, seine Bilder durchwaltet
und verbindet. Namentlich hierauf beruht es, daß scheinbar
ganz verschieden konzipierte Gemälde eines Meisters sich
angenehm zusammenfügen. Bei Friedrichs ist dieser Ton
ein feines Blau, das einige Male sonor und leuchtend vor-
herrscht, sonst in vielen Brechungen und Dämpfungen sich
mit anderen Tönen, mit Rot, Grün oder mit farbigem Grau
verbindet. Bisweilen dämmert es nur in den Schatten. Das
Resultat ist immer wohltuend, kräftig oder zart, doch nie
monoton.

Das echte Malertemperament bewährt sich bei Friedrichs
darin, daß die Bildfläche in Farben einheitlich schwingt und
vibriert. Es gibt bei ihm keine unlebendigen Strecken Seine
Bilder sind weder schlechthin flächenhaft noch eröffnen sie

den Blick in unendliche Räume. Sie deuten vielmehr eine
nicht sehr beträchtliche Raumschicht an, doch so, daß der
Charakter des Bildes als des organischen Schmuckes einer
Wand, also seine erste Bestimmung, gewahrt bleibt. Dies
zu erreichen ist keine leichte Kunst. Solche Malerei ver-
meidet die lebhafte Bewegung in den Motiven und sieht
selbstverständlich von den jetzt wieder so beliebten literari-
schen und tendenziösen Beigüssen ab.

Die neugegründete Kunsthandlung von Hakon und Oster-
mann hat sich mit der Friedrichs-Ausstellung ein anerkennens-
wertes Verdienst erworben. Die Kunsthalle in Hamburg be-
sitzt als das einzige deutsche Museum eine Reihe von Ge-
mälden des Künstlers, vortreffliche Bildnisse und ein paar
kleine geistreiche Skizzen aus dem Garten des Lazarettes,
in dem der Künstler während des Krieges eine Zeit ver-
bringen mußte. G. Pauli.

■ UKTIONSNACH RICHTEN

BERLIN

Graphik-Auktion bei Graupe
10. bis 12. April.
Seit die Mark bis zu gewissem
Grade stabilisiert ist herrscht auf
dem Kunstmarkte einige Verlegenheit: Man sieht sich nach
einem Maßstabe für die Bewertung um. Von Monat zu
Monat waren die Preise hinaufgegangen; sie hatten sich
der Geldentwertung ,.gleitend" angepaßt. Nun müssen sie
stillstehen oder etwas zurückgehen. Einige tun es. Die
Graphik der besten ausländischen Künstler waren verhält-
nismäßig niedrig. Ein dritterZustand von Manets „PhilippIV"
brachte 150000, die Lithographie „Barrikade" 200000 Mark.
Unsignierte, aber frühe (offenbar beim Drucker „liegen-
gebliebene") Blätter von Münch kosteten zwischen 100 bis
200000 Mark, signierte Radierungen bis 320000, „Ibsen im
Cafe", die große Litho, 550000 Mark. Radierungen von
Meryon rund eine halbe Million.

Graphik von Lautrec wurde mit 160000, 180000, ja mit
270000 Mark bezahlt; berühmte Blätter von Zorn brachten
Preise zwischen einer halben und fast drei Millionen.

Picasso: Durchschnittlich 200000 Mark, ein früher
Druck des Knabenkopfes, mit Widmung 400000 Mark.

Von den Meistern der Berliner Sezession war Corinth
immer der billigste (wohl wegen der Größe seines Oeuvres).
Ansehnliche Zeichnungen konnte man für rund eine Viertel-
million haben, Radierungen und Lithographien von 20 bis
80000 Mark.

Radierungen von Liebermann kosteten in signierten Auf-

lagedrucken zwischen 130 und 270000 Mark, Lithos etwas
weniger, seltene Drucke bis 350000 Mark. Von den Zeich-
nungen brachte ein Biergarten 1 Million, ein Wanseegarten-
Pastcll 2 Millionen.

Von Slevogt waren wenig Einzelblätter da, meistens
Illustrationsdrucke, aus der Vorzugsausgabe vom Cortez
und dem Lederstrumpf. Signierte Cortezdrucke standen
zwischen 60 und 110 000 Mark. Lederstrumpfproben
etwas höher. Einzclradierungen („Marietta" und Herren-
bildnisse) 170—270000 Mark. Probedrucke zum Sind-
bad 170—200000 Mark. Das Buch Sindbad, das bei der
Ausgabe 50 Mark kostete, stieg bis auf 700000 Mark, also
das Dreifache des Goldwertes. Slevogt-Bücher steigen
überhaupt im Preise, auch absolut. Der Lederstrumpf (Aus-
gabe B, einstmals 190 Mark) wurde erst bei 2 600 000 Mark
zugeschlagen. „Wak-Wak", in der Vorzugsausgabe bei
3700000 Mark (alles plus 15 Prozent), Wak-Wak, Buchaus-
gabe 650—670000 Mark. „Die tapferen Zehntausend", Vor-
zug 675000 Mark, Kalbleder 300000 Mark, Halbpergament
150000 Mark. Kinderlieder, Vorzug 560000 Mark, Halb-
pergament 95 000 Mark.

Max Klinger war vernachlässigt „Ein Handschuh", 3. Aus-
gabe, China, vor der Schrift, blieb bei 270000 Mark stehen,
ein Probedruck der Rivalen bei 185000 Mark, ein Probe-
druck des Selbstbildnisses mit der Zigarre (Aquatinta) schon
bei 30000 Mark. Dagegen kosteten 4 radierte Klingerkari-
katuren von Hammer 80000 Mark.

Von Menzel konnte man gute Einzeldrucke der Illustra-
tionen zu den „Werken Friedrichs des Großen" zwischen

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