Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

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MAX SLEVOGT, AUS DEN „GESICHTEN". LITHOGRAPHIE

AUSGESTELLT IN DER GALERIE ARNOLD, DRESDEN

SLEVOGT ALS ZEICHNER

Ausstellung bei Arnold in Dresden

Bei Thannhauser in München wurden neulich neue Bilder
von Slevogt gezeigt; in der Dresdener Galerie Arnold
ist gegenwärtig eine Ausstellung zu sehen, in der Slevogt
als Zeichner, Graphiker und Illustrator gewürdigt wird. Beide
Ausstellungen sind vortrefflich gemacht und erfüllen ihren
Zweck: Kunde von neuen Arbeiten des Künstlers und zu-
gleich eine Gesamtvorstellung von ihm zu geben. Angesichts
dieser wohlgeglückten Ausstellungen fragt man sich, warum
es eigentlich in Berlin nicht mehr versucht wird, eine gute
Sievogtausstellung zusammenzubringen. Von Liebermann
und Corinth sieht man wenigstens in den Jahresausstellungen
neue Arbeiten, so daß man mit ihrer Produktion vertraut
bleibt; von Slevogt ist seit der Ausstellung in Potsdam
eine geschlossene Gruppe von Arbeiten nicht mehr gezeigt
worden. Zum Teil liegt die Schuld wohl am Künstler, der
in diesen unerfreulichen Zeitläuften ausstellungsmüde ge-
worden zu sein scheint. Zum größeren Teil aber liegt sie
an der Interesselosigkeit der Berliner Kunstsalons. Diese

glauben dem Neuesten nachjagen zu müssen, sind beständig
darauf aus Talente zu entdecken oder Sensationen aufzu-
spüren und vernachlässigen darüber die Künstler, die schon
die Meisterschaft in Händen halten. Daß es gelingt, Slevogt
zur Ausstellung neuer und alter Arbeiten zu bewegen, wenn
er ein wirkliches Interesse spürt, bewies die Ausstellung
bei Thannhauser, beweist nun die schöne Ausstellung bei
Arnold. Und daß man in solchen Ausstellungen nicht
nur Altbekanntes sieht, beweisen beide Veranstaltungen
ebenfalls. Die Zurückgezogenheit, in der Slevogt arbeitet,
könnte ferner Stehende glauben machen, daß seine Pro-
duktion sparsamer fließt. Dem ist aber nicht so. Im
Gegenteil: der Maler ist in den letzten Jahren rege genug
gewesen; und der Illustrator hat einige seiner meister-
haftesten Arbeiten vollendet. Die Illustrationen sind ihrer
Natur nach auf kleine Auflagen beschränkt, sie wenden
sich also an verhältnismäßig Wenige. Um so wichtiger wäre
es, sie in Ausstellungen einem größeren Kreise von Kunst-

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