Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

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DIE BREMER KUNSTHALLE

UNTER EMIL WALDMANNS LEITUNG

VON

KARL SCHEFFLFR

Von allen deutschen Museen moderner Kunst
hat sich die Bremer Kunsthalle vielleicht am
ruhigsten und folgerichtigsten entwickelt. Sie ist
von einer stillen Vorbildlichkeit: dem Geiste, der
sie regiert und dem Gang ihrer Entwicklung nach,
dem Wert und der Anordnung der Kunstwerke
nach und auch hinsichtlich ihres bescheidenen
Umfanges. Man spricht nicht viel von der Bremer
Kunsthalle, obwohl ihre Ankaufspolitik einst der
Ausgangspunkt eines stürmischen Künstlerprotestes
und grundsätzlicher Debatten geworden ist. Keiner-
lei. Kunsterziehungspolitik hat Anteil. Der Kunst-
freund aus dem Reich erstaunt, wenn er bei
einem Besuch in Bremen diese kleine Sammlung
hohen Ranges, die so wenig mit Ballast beschwert
ist, vorfindet.

Was Gustav Pauli, der erste Direktor der Kunst-
halle, nachdem er die Leitung von einer gestaltlosen
Kommission übernommen hatte, in den Jahren
seines Wirkens geleistet hat, ist hier ausführlich

schon geschildert worden (Jahrgang XI, S. 85 u. ff.).
Wer sich ein Bild der Bremer Sammlung als
Ganzes machen will, muß auch diesen Aufsatz
zur Hand nehmen. Mit schöner sachlicher Kühnheit
und großer Treffsicherheit hat Pauli damals die
Grundlagen dieser kleinen Mustergalerie bereitet.
Seine Leistung lobt ihn in seiner Vaterstadt noch
heute jeden Tag; sie beweist, was ein einziger
überzeugter und geduldig überzeugender Mann an
der rechten Stelle vermag.

Pauli hat aber nicht nur das Glück gehabt
sich selbst einen bedeutenden Wirkungskreis zu
schaffen, sondern er hat gleich auch Einfluß auf
seinen Nachfolger gewinnen und so sein Werk
sichern können. Unter den jungen Bremern, die
als Assistenten bei ihm arbeiteten, war auch Emil
Waldmann. Dieser war selbstverständlich nicht von
vornherein zum Nachfolger bestimmt. Niemand
konnte ja wissen, daß Lichtwark so bald sterben,
daß Pauli sein Nachfolger in Hamburg werden, und

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