Kunst und Künstler: illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe — 21.1923

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A. DAUMIER, DER KUPFERSTICHLIEBHABER

MANNHEIM, KUNSTHALLE

DIE JUBILÄUMS-AUS STELLUNG
DES KAISER-FRIEDRICH-MUSEUM-VEREINS

C. F. FO ERSTER

Am 16. Juni dieses Jahres konnte der Kaiser-Friedrich-
Museums-Verein auf eine fünfundzwanzigjährige Wirk-
samkeit zurückblicken. Wie erfolgreich sie gewesen ist,
lehrte die bei dieser Gelegenheit veranstaltete Ausstellung
der seit seiner Gründung gesammelten und dem Museum
als Leihgabe überwiesenen Kunstwerke, die freilich nur ein
einseitiges Bild von den Leistungen des Vereins zu geben
vermochte. Denn man darf nicht vergessen, daß gerade
die wichtigsten Ankäufe des Kaiser-Friedrich-Museums
innerhalb der letzten fünfundzwanzig Jahre fast alle nur
dadurch ermöglicht worden sind, daß der Verein durch vor-
läufigen Erwerb der Kunstwerke, oder durch Vorschüsse,
zuweilen auch durch Beiträge einzelner Mitglieder, ausge-
holfen hat, wo die öffentlichen Mittel nicht ausreichend

oder nicht rechtzeitig zur Verfügung standen. Daß es sich
dabei um Werke handelte, wie Carpaccios Aufbahrung Christi,
das Frauenbildnis Roger van der Wevdens, die beiden An-
betungen des van der Goes oder Tizians Venus mit dem
Orgelspieler — um nur einige wenige herauszugreifen —
zeigt, wie segensreich diese Seite seines Wirkens bisher
gewesen ist.

Der naheliegende Schluß, daß demnach der Vereinsbesitz,
der fast zweihundeit Gemälde, Bildwerke und Kleinplastiken
der germanischen und romanischen Schulen des vierzehnten
bis achtzehnten Jahrhunderts umfaßt, sich auf minder be-
deutende oder etwa nur kunstgeschichtlich wichtige Dinge
beschränkt, wäre jedoch durchaus irrig. Und ebensowenig
kann man sagen, daß die Ausstellung dieser Kunstwerke,

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